Sota — Blatt 21b
1FOLGERT BEN A͑ZAJ, DASS MAN VERPFLICHTET SEI, ZU LEHREN &C. R. ELIE͑ZER SAGTE: WER SEINE TOCHTER DIE TORA LEHRT, LEHRT SIE AUSSCHWEIFUNG. Ausschweifung, wie kommst du darauf!? – Vielmehr, es ist ebenso, als würde er sie Ausschweifung lehren.
2R. Abahu sagte: Folgendes ist der Grund R. Elie͑zers; es heißt:ich, Weisheit, wohne mit der Schlauheit, sobald Weisheit in den Menschen kommt, kommt damit auch Schlauheit. –
3Wofür verwenden die Rabbanan [die Worte] ich, Weisheit? – Sie verwenden sie für eine Lehre des R. Jose b. R. Ḥanina. R. Jose b. R. Ḥanina sagte nämlich: Die Worte der Tora bleiben nur dem erhalten, der ihretwegen nackt bleibt, denn es heißt: ich, Weisheit, wohne mit der Nacktheit, R. Joḥanan sagte: Die Worte der Tora bleiben nur dem erhalten, der sich für ein Nichts hält, denn es heißt:die Weisheit wird aus dem Nichts gefunden.
4R. JEHOŠUA͑ SAGTE: EINER FRAU IST LIEBER &C. Wie meint er es? – Er meint es wie folgt: Einer Frau ist lieber ein Kab verbunden mit Ausschweifung, als zehn Kab und verbunden mit Enthaltsamkeit
5ER PFLEGTE ZU SAGEN: EIN DUMMER FRÖMMLING &C. Wer heißt ein dummer Frömmling? – Wer beispielsweise, wenn eine Frau im Wasser ertrinkt, sagt, es sei unschicklich, sie anzuschauen und zu retten. –
6Wer heißt ein listiger Bösewicht? R. Joḥanan erklärte: Wer dem Richter seine Worte unterbreitet, bevor sein Prozeßgegner anwesend ist. R. Abahu erklärte: Wer einem Armen einen Denar gibt, um ihm die zweihundert Zuz zu ergänzen. Wir haben nämlich gelernt: Wer zweihundert Zuz besitzt, darf nicht Nachlese, Vergessenes, den Eckenlaß und den Armenzehntennehmen; hat er zweihundert weniger einen Denar, so darf er auch tausend nehmen, wenn man sie ihm mit einem Male gibt. R. Asi erklärte im Namen R. Joḥanans: Wer den Rat erteilt, geringen Besitzzu verkaufen.
7R. Asi sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Wenn die Waisen zuvorgekommen sind und den geringen Besitz verkauft haben, so ist der Verkauf gültig.
8Abajje erklärte: Wer den Rat erteilt, Güter zu verkaufen. Dies nach R. Šimo͑n b. Gamliél, denn es wird gelehrt: [Wenn jemand gesagt hat:] meine Güter sollen dir gehören und nach dirjenem, und der erste sie verkauft und verzehrt hat, so kann der andere sie den Käufern abnehmen – so Rabbi. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, der zweite erhalte nur das, was der erste zurückgelassen hat.
9R. Joseph b. Ḥama erklärte im Namen R. Šešeths: Wer andere in seine Wegeleitet R. Zeriqa erklärte im Namen R. Honas: Wer für sich erleichternd und für andere erschwerendist, U͑la erklärte: Wer
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.