Sota — Blatt 28a
1daß, wenn an ihm eine Sündehaftet, das Wasser ihn prüfe, so prüft ja, wenn eine Sünde an ihm haftet, das Wasser sie nicht. Es wird nämlich gelehrt:Und der Mann ist frei von Schuld, die Frau aber trägt ihre Schuld; ist der Mann frei von Schuld, so prüft das Wasser seine Frau, ist der Mann nicht frei von Schuld, so prüft das Wasser seine Frau nicht.
2Und wenn etwa den Ehebrecher, so sollte er dieslehren, wie er im Schlußsatze lehrt: wie sie dem Ehemanne verboten ist, ebenso ist sie dem Ehebrecher verboten!? –
3Tatsächlich dem Ehebrecher, jedoch gebraucht er im Anfangsatze, wo es ‘sie’ heißt, [den Ausdruck] ‘ihn’, im Schlußsatze aber, wo es ‘Ehemann’ heißt, [den Ausdruck] ‘Ehebrecher’.
4DENN ES HEISST ZWEIMAL und es komme. Sie fragten: Meint er komme und komme, oder: und komme und und komme? –
5Komm und höre: Wie sie dem Ehemanne verboten ist, ebenso ist sie dem Ehebrecher verboten, denn es heißt verunreinigt, und verunreinigt. –
6Aber immerhin ist es ja noch fraglich, ob er hierbei meint verunreinigt, verunreinigt, oder aber: verunreinigt, und verunreinigt!? –
7Komm und höre: Im Schlußsatze lehrt er: Rabbi sagte: In diesem Abschnitte heißt es zweimal verunreinigt, einmal wegen des Ehemannes und einmal wegen des Ehebrechers. Demnach folgert R. A͑qiba aus [der Partikel] ‘und’.
8Somit sind nach R. A͑qiba sechs Wiederholungenvorhanden;
9eine wegen des Befehlesfür sie, eine wegen des Befehles für ihn,
10eine wegen der Wirkungfür sie, eine wegen der Wirkung für ihn,
11eine wegen der Mitteilungfür sie und eine wegen der Mitteilung für ihn.
12Nach Rabbi aber sind drei Wiederholungen vorhanden; eine wegen des Befehles, eine wegen der Wirkung und eine wegen der Mitteilung. –
13Woher entnimmt Rabbi, daß das Wasser, wie es sie prüft, auch ihn prüfe? –
14Er entnimmt es aus folgender Lehre:Zur Anschwellung des Bauches und zum Zusammenfallen der Hüfte; Bauch und Hüfte des Ehebrechers. Du sagst, Bauch und Hüfte des Ehebrechers, vielleicht ist dem nicht so, sondern Bauch und Hüfte der Ehebrecherin? Wenn es heißt:ihr Bauch wird anschwellen und ihre Hüfte zusammenfallen, so ist dies ja von Bauch und Hüfte der Ehebrecherin schon gesagt, somit beziehen sich [die Worte:] zur Anschwellung des Bauches und zum Zusammenfallen der Hüfte, auf Bauch und Hüfte des Ehebrechers. –
15Und jener!? – Dies besagt, daß der Priester ihr mitteile, daß es zuerst beim Bauche und nachher bei der Hüfte [wirken werde], um nicht das Fluchwasser in Verdacht zu bringen. –
16Und der andere!? – Demnach sollte es heißen: ihres Bauches und ihrer Hüfte, wenn es aber heißt: des Bauches und der Hüfte, so bezieht es sich auf den Ehebrecher. –
17Vielleicht deutet es nur hierauf!? – Demnach sollte es doch heißen: seines Bauches und seiner Hüfte, wenn es aber des Bauches und der Hüfte heißt, so ist beides zu entnehmen.
18R. JEHOŠUA͑ SAGTE: SO LEGTE ES ZEKHARJA &C. AUS &C.
19Die Rabbanan lehrten: Wozu heißt es im Abschnitte dreimal verunreinigt? Einmal wegen des Ehemannes, einmal wegen des Ehebrechers, und einmal wegen der Hebe – so R. A͑qiba.
20R. Jišma͑él sprach: Es ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn eine Geschiedene, der die Hebe erlaubt ist, für die Priesterschaft verbotenist, um wieviel mehr ist diese, der die Hebe verboten ist, für die Priesterschaft verboten.
21Wozu heißt es: und sie sich verunreinigt hat, und: und sie sich nicht verunreinigt hat; wenn sie sich verunreinigt hat, so ist ja das Trinken nicht nötig, und wenn sie sich nicht verunreinigt hat, so braucht sie ja nicht zu trinken!? Damit sagt dir die Schrift, daß sie ihm im Falle eines Zweifels verboten sei.
22Hiervon ist ein Schluß auf [die Unreinheit] durch ein Kriechtierzu folgern; wenn bei der Ehebruchsverdächtigten, bei der die Fahrlässigkeit der Absicht und der Zwang dem Willennicht gleicht, ein Zweifel der Entschiedenheit gleicht, um wieviel mehr gleicht bei einem Kriechtiere, bei dem die Fahrlässigkeit der Absicht und der Zwang dem Willen gleicht,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.