Sota — Blatt 41b
1am Beginne des Festes.
2DER SYNAGOGENDIENER NIMMT DIE TORAROLLE UND REICHT SIE DEM SYNAGOGENVORSTEHER. Hierauswäre zu entnehmen, daß man einem Schüler in Gegenwart seines Lehrers Ehrung erweisen dürfe? Abajje erwiderte: Alles erfolgt zur Ehrung des Königs.
3DER KÖNIG STEHT DANN AUF, NIMMT SIE IN EMPFANG UND LIEST SITZEND VOR. DER KÖNIG AGRIPPA STAND AUF, NAHM SIE IN EMPFANG UND LAS STEHEND VOR. Wenn er auf steht, so sitzt er ja wahrscheinlich, und dem widersprechend sagte ja der Meister, daß nur den Königen aus dem Davidischen Hause das Sitzen im Tempelhofe erlaubt war!? So heißt es: da kam der König David, setzte sich vor den Herrn und sprach &c. Wie R. Ḥisda erklärt hat: im Frauenvorhofe, ebenso auch hierbei im Frauenvorhofe.
4DIE WEISEN LOBTEN IHN. Wenn sie ihn lobten, so hat er ja wahrscheinlich recht getan, und dem widersprechend sagte ja R. Aši, daß selbst nach demjenigen, welcher sagt, daß, wenn ein Fürst auf seine Ehrung verzichtet, der Verzicht gültig sei, der Verzicht eines Königs auf seine Ehrung ungültig sei, denn es heißt :du sollst über dich einen König setzen, daß du Ehrfurcht vor ihm hast!? –
5Anders verhält es sich bei einem Gebote.
6ALS ER HERANREICHTE [ZUM SCHRIFTVERSE:] du darfst nicht einsetzen &c. Im Namen R. Nathans wird gelehrt: In jener Stunde hatten sich die Feinde Jisraélsder Vernichtung schuldig gemacht, weil sie Agrippa schmeichelten.
7R. Šimo͑n b. Ḥalaphta sagte: Seit dem Tage, wo die Faust der Schmeichelei an Macht gewann, ist das Recht verdreht und sind die Werke verderbt worden; keiner kann zum anderen sagen: meine Werke sind besser als deine.
8R. Jehuda aus dem Westen, nach anderen R. Šimo ͑n b. Pazi, trug vor: Es ist erlaubt, den Frevlern auf dieser Welt zu schmeicheln, denn es heißt:nicht soll mehr der Ruchlose edel genannt werden, noch der Geizige vornehm heißen; demnach ist dies auf dieser Welt erlaubt.
9R. Šimo͑n b. Laqiš entnimmt dies hieraus :[Ja͑qob sprach &c.]: wie man das Antlitz Gottes schaut, und da warst zu mir gütig.
10Er streitet somit gegen R. Levi, denn R. Levi sagte: Das Ereignis von Ja͑qob und E͑sav ist mit folgendem zu vergleichen. Einst lud jemand seinen Nächsten zu einer Mahlzeit, und als dieser merkte, daß jener ihn umbringen wolle, sprach er: Dieses Gericht schmeckt wie das Gericht, das ich im Hause des Königs gegessen habe. Hieraus folgerte jener, daß der König ihn kenne, und fürchtete sich, ihn zu töten.
11R. Elea͑zar sagte: Ein Mensch, dem Schmeichelei innewohnt, bringt Zorn über die Welt, denn es heißt:die schmeichlerischen Herzens sind, bringen Zorn. Und noch mehr, auch sein Gebet wird nicht erhört, denn es heißt :sie flehen nicht, wenn er sie züchtigt.
12Ferner sagte R. Elea͑zar: Einen Menschen, dem Schmeichelei innewohnt, verfluchen sogar Kinder im Leibe ihrer Mutter, denn es heißt:wer zum Frevler spricht: du bist gerecht, den verfluchen [jiqbuhu] Völker, verwünschen Nationen [leúmim]. Qob bedeutet fluchen, wie es heißt:wenn Gott nicht flucht [qaba], und leóm bedeutet Geburt, wie es heißt :und ein Volksstamm [leóm]wird dem anderen überlegen sein.
13Ferner sagte R. Elea͑zar: Ein Mensch, dem Schmeichelei innewohnt, stürzt ins Fegefeuer, denn es heißt :wehe denen, die das Böse gut und das Gute bös nennen &c., und hierauf folgt :daher wird, wie die Feuerzunge Stoppeln frißt und Heu vor der Flamme zusammensinkt &c.
14Ferner sagte R. Elea͑zar: Wer seinem Nächsten schmeichelt, fällt zuletzt in seine Hand, und wenn er nicht in seine Hand fällt, so fällt er in die Hand seiner Kinder, und wenn er nicht in die Hand seiner Kinder fällt, so fällt er in die Hand der Kinder seiner Kinder, denn es heißt: da sprach Jirmejahuzu Ḥananja: Amen, also tue der Herr; bestätigenmöge der Herr deine Worte. Hierauf folgt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.