Sota — Blatt 41a
1und er las daraus vor, angesichts des freien Platzes vor dem Wassertore. R. Ḥisda erwiderte: Im Frauenvorhofe.
2UND LIEST VOR [DIE ABSCHNITTE] ‘NACH DEM TODE’ UND ‘ABER AM ZEHNTEN’. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Man darf in einem Propheten [Abschnitte] überspringen, nicht aber darf man in der Tora überspringen!?
3Abajje erwiderte: Dies ist kein Widerspruch; das eine, daß der Dolmetsch unterbrechen muß, das andere, daß der Dolmetsch nicht zu unterbrechen braucht. –
4Hierzu wird ja aber gelehrt, man dürfe in einem Propheten überspringen, nicht aber dürfe man in der Tora überspringen, jedoch dürfe man nur soviel überspringen, daß der Dolmetsch nicht zu unterbrechen braucht. Demnach in der Tora überhaupt nicht!?
5Abajje erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine gilt von einem Thema, und das andere gilt von zwei Themen.
6Es wird auch gelehrt: Man darf in der Tora bei einem Thema überspringen, in einem Propheten auch bei zwei Themen; in diesem und jenem nur so lange, als der Dolmetsch nicht zu unterbrechen braucht.
7Man darf nicht von einem Propheten zu einem anderen überspringen; bei den zwölf [kleinen] Prophetenist dies erlaubt, jedoch darf man nicht vom Ende des Buches zum Anfangspringen.
8DARAUF ROLLT ER DIE TORAROLLE ZUSAMMEN, NIMMT SIE AN SEINEN BUSEN &C. Weshalbdies? – Um nicht die Torarolle in Verdacht zu bringen.
9[DEN ABSCHNITT] ‘AM ZEHNTEN’ IM BUCHE NUMERI LIEST ER AUSWENDIG. Er kann ja die Torarolle wiederum aufrollen und vorlesen!? R. Ḥona b. Jehuda erwiderte im Namen R. Šešeths: Man rolle die Tora nicht in Gegenwart der Gemeinde. –
10Er kann ja eine andere holen und aus dieser vorlesen!? R. Hona b. Jehuda erwiderte: Wegen der Bemakelungder ersten. R. Šimo͑n b. Laqiš erwiderte: Weil man keinen Segen unnötig sprechen darf. –
11Berücksichtigen wir denn die Bemakelung, R. Jiçḥaq der Schmied sagte ja, daß, wenn der Neumond des Ṭebeth auf einen Šabbath fällt, man drei Torarollen hole und aus einer den laufenden Wochenabschnitt, aus einer [den Abschnitt] vom Neumonde und aus einer [den Abschnitt] vom Ḥanukafestevorlese!? –
12Wenn drei Personen aus drei Torarollen [lesen], so ist dies keine Bemakelung, wenn aber eine Person aus zwei Torarollen [liest], so ist dies eine Bemakelung.
13UND SPRICHT DARÜBER ACHT SEGENSSPRÜCHE &C. Die Rabbanan lehrten: Über die Tora, wie man im Bethause spricht; über den Tempeldienst, Danksegen über die Sündenvergebung, wie gewöhnlich, für den Tempel besonders, für die Priester besonders, für Jisraél besonders und für Jerušalem besonders.
14DAS ÜBRIGE GEBET. Die Rabbanan lehrten: Das übrige Gebet, Flehen, Preisgesang und Fürbitte für das Volk Jisraél, das der Hilfe benötigt. Er schließt [mit dem Segen] ‘Der das Gebet erhört’. Von da ab liest jeder aus dem von ihm selbst aus seiner Wohnung mitgebrachten Torabuche. – Weshalb dies? – Um das Schaugepränge öffentlich zu zeigen.
15WIE DER KÖNIGSABSCHNITT? AM AUSGANGE DES ERSTEN TAGES DES [HÜTTEN]FESTES, [BEI BEGINN DES] ACHTEN, AM ENDE DES SIEBENTEN, ERRICHTET MAN FÜR IHN IM TEMPELHOFE EINE TRIBÜNE AUS HOLZ, AUF DER ER PLATZ NIMMT, WIE ES HEISST:nach Ablauf von sieben Jahren, zur Zeit &c.
16DER SYNAGOGENDIENER NIMMT DIE TORAROLLE UND REICHT SIE DEM SYNAGOGENVORSTEHER, DER SYNAGOGENVORSTEHER REICHT SIE DEM PRIESTERPRÄSES, DER PRIESTERPRÄSES REICHT SIE DEM HOCHPRIESTER UND DER HOCHPRIESTER REICHT SIE DEM KÖNIGE; DER KÖNIG STEHT DANN AUF, NIMMT SIE IN EMPFANG UND LIEST SITZEND VOR.
17DER KÖNIG AGRIPPA STAND AUF, NAHM SIE IN EMPFANG UND LAS STEHEND VOR, UND DIE WEISEN LOBTEN IHN DIESERHALB. ALS ER HERANREICHTE [ZUM SCHRIFTVERSE:]du darfst über dick keinen Fremdling [zum Könige] einsetzen, FOLSSEN TRÄNEN AUS SEINEN AUGEN. DA SPRACHEN SIE ZU IHM: SEI GETROST, AGRIPPA, DU BIST UNSER BRUDER, DU BIST UNSER BRUDER.
18ER LIEST VOM BEGINNE DES DEUTERONOMIUMS BIS [ZUM ABSCHNITTE]‘Höre’, [DIE ABSCHNITTE] ‘HÖRE’, ‘WENN DU HÖREN WIRST’,‘DEN ZEHNTEN SOLLST DU ENTRICHTEN’,‘WENN DU BEENDET HAST DEN ZEHNTEN ZU ENTRICHTEN’, DEN KÖNIGSABSCHNITT UND DIE SEGEN UND DIE FLÜCHE, UND BEENDET DEN GANZEN ABSCHNITT.
19DIE SEGENSSPRÜCHE, DIE DER HOCHPRIESTER SPRICHT, SPRICHT AUCH DER KÖNIG, NUR ERWÄHNT ER DES FESTES ANSTATT DER SÜNDENVERGEBUNG.
20GEMARA. Wieso des achten!? Lies des achten [Jahres]. –
21Wozu diesalles? – Dies ist nötig.
22Würde der Allbarmherzige nur nach Ablauf geschrieben haben, so könnte man glauben, die Zählung sollte dannbeginnen, selbst wenn es kein Erlaßjahr ist, daher heißt es Erlaßjahr.
23Würde der Allbarmherzige nur Erlaßjahr geschrieben haben, so könnte man glauben, am Ende des Erlaßjahres, daher heißt es zurZeit.
24Würde er nur zur Zeit geschrieben haben, so könnte man glauben, am Beginnendes Jahres, daher heißt es am Hüttenfeste.
25Und würde der Allbarmherzige nur am Hüttenfeste geschrieben haben, so könnte man glauben, auch am letzten Tage des Festes, daher heißt es: wenn ganz Jisraél kommt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.