Sota — Blatt 49b
1VOLK VERKÜMMERT FORTWÄHREND. NIEMAND FRAGT UND NIEMAND SUCHT. AUF WEN ANDERS SOLLTEN WIR UNS VERLASSEN, ALS AUF UNSEREN VATER IM HIMMEL!?
2AN DEN FUSSPUREN DES MESSIASWIRD FRECHHEIT WACHSEN UND ACHTUNG SCHWINDEN. DER WEINSTOCK WIRD SEINE FRÜCHTE GEBEN, DOCH WIRD DER WEIN TEUER SEIN. DIE REGIERUNG WIRD SICH IN HÄRESIE VERWANDELN, EINE ZURECHTWEISUNG WIRD ES NICHT GEBEN, UND DAS VERSAMMLUNGSHAUS WIRD ZUM HURENHAUSE WERDEN. GALILÄA WIRD ZERSTÖRT WERDEN, GABLAN VERWÜSTET, UND DIE GRENZBEWOHNER WERDEN VON STADT ZU STADT WANDERN, OHNE MITLEID ZU FINDEN.
3DIE WEISHEIT DER GELEHRTEN WIRD ENTARTEN, DIE SÜNDENSCHEUEN VERACHTET, UND DIE WAHRHEIT WIRD VERMISST WERDEN. KNABEN WERDEN GREISE BESCHÄMEN UND GREISE WERDEN VOR KNABEN AUFSTEHEN; DER SOHN WIRD DEN VATER BESUDELN, DIE TOCHTER GEGEN IHRE MUTTER SICH AUFLEHNEN, UND GEGEN IHRE SCHWIEGERMUTTER DIE SCHWIEGERTOCHTER; DIE FEINDE EINES MENSCHEN WERDEN SEINE HAUSGENOSSEN SEIN. DAS GESICHT DES ZEITALTERS WIRD DEM GESTCHTE EINES HUNDES GLEICHEN, UND DER SOHN WIRD SICH VOR SEINEM VATER NICHT SCHÄMEN. AUF WEN ANDERS SOLLTEN WIR UNS VERLASSEN, ALS AUF UNSEREN VATER IM HIMMEL!?
4GEMA RA. Rabh sagte: Dies gilt nur von [Kränzen] aus Salz und Schwefel, solche aus Myrten und Rosen aber sind erlaubt. Šemuél sagte: Auch solche aus Myrten und Rosen sind verboten, und nur solche aus Rohr und Schilf sind erlaubt. Levi sagte: Auch solche aus Rohr und Schilf sind verboten. Ebenso lehrte Levi in seiner Barajtha: auch solche aus Rohr und Schilf sind verboten.
5DIE HANDTROMMEL. Was ist Irus? R. Elea͑zar erwiderte: Eine Trommel mit einer Mündung. Rabba b. R. Hona machte für seinen Sohn ein Tamburin, da kam sein Vater und zerbrach es, indem er zu ihm sprach: Dieses kann mit einer Handtrommel verwechselt werden; mache ihm eine solche über die Mündung eines Kruges oder eines Kapiz.
6BEI DER INVASION DES QUIETUS VERBOT MAN DIE BRAUTKRÄNZE &C. Was sind es für Brautkränze? Rabba b. Bar Ḥana erwiderte im Namen R. Joḥanans: Ein Kranzaus Gold. Ebenso wird gelehrt: Unter Brautkranz ist ein Kranz aus Gold zu verstehen, wohl aber ist ein Turban aus feiner Wolle erlaubt.
7Es wird gelehrt: Auch den Hochzeitsbaldachinverboten sie. – Was ist dies für ein Hochzeitsbaldachin? - Aus vergoldetem Purpur. Ebenso wird auch gelehrt: Unter Hochzeitsbaldachin ist einer aus vergoldetem Purpur zu verstehen, wohl aber darf man einen Stangenbaldachin machen und daran alles Beliebige hängen.
8UND SEINEN SOHN GRIECHISCH ZU UNTERRICHTEN. Die Rabbanan lehrten: Als die Könige des Ḥasmonäischen Hauses einander bekämpften, befand sich Hyrkanos außerhalb und Aristobulos innerhalb. Täglich ließen sie ihnen Denare in einem Korbe herab und zogen dafür [Vieh für] das beständige Opfer herauf.
9Unter ihnen befand sich ein Greis, der in der griechischen Weisheit kundig war; da verständigte sich dieser mit jenen vermittelst der griechischen Weisheit und sprach zu ihnen: Solange sie den Opferdienst üben, geraten sie nicht in eure Hände. Als sie ihnen am folgenden Tage wiederum Denare in einem Korbe herabließen, zogen sie ein Schwein herauf, das, als es die Mitte der Mauer erreichte, die Klauen dagegen stemmte, und das Jisraélland wurde vierhundert Parasangen erschüttert.
10In jener Stunde sprachen sie: Verflucht sei, wer Schweine züchtet, und verflucht sei, wer seinen Sohn griechische Weisheit lehrt. Auf dieses Jahr bezieht sich das, was wir gelernt haben, daß einst die Schwingegarbeaus Gagoth Çeriphin und die zwei Broteaus dem Tale Én Sokher geholt wurden. –
11Dem ist ja aber nicht so, Rabbi sagte ja: Wozu Jargonim Jisraéllande, entweder die Heiligensprache oder die griechische Sprache!? Ferner sagte R. Joseph: Wozu ist in Babylonien die aramäische Sprache nötig, entweder die Heiligensprache oder die persische Sprache!? –
12Die griechische Sprache ist etwas anderes und die griechische Weisheit ist etwas anderes. –
13Ist denn die griechische Weisheit verboten, R. Jehuda sagte ja im Namen Šemuéls im Namen des R. Šimo͑n b. Gamliél: Es heißt:mein Auge tut meiner Seele weh um alle Töchter meiner Stadt; tausend Kinder befanden sich in meinem Vaterhause, von denen fünfhundert die Tora und fünfhundert die griechische Weisheit lernten, und von allen zurückgeblieben sind nur ich hier und der Sohn des Bruders meines Vaters in Asja!? –
14Anders das Haus R. Gamliéls, das der Regierung nahe stand. Es wird nämlich gelehrt: Das Qomischerenist eine heidnische Sitte; Avtilos, dem Sohne Reúbens, haben sie jedoch das Qomischeren erlaubt, weil er der Regierung nahe stand. Dem Hause R. Gamliéls haben sie die griechische Weisheit erlaubt, weil es der Regierung nahe stand.
15BEI DER LETZTEN INVASION VERBOT MAN, DIE BRAUT UNTER &C. Aus welchem Grunde? – Aus Keuschheit.
16MIT DEM TODE R. JOḤANANS HÖRTE DIE WEISHEIT AUF. Die Rabbanan lehrten: Mit dem Tode R. Elie͑zers ist das Buch der Tora verborgenworden. Mit dem Tode R. Jehošua͑s hörten Rat und Überlegungauf. Mit dem Tode R. A͑qibas verschwanden die Arme der Toraund versiegten die Quellen der Weisheit.
17Mit dem Tode des R. Elea͑zar b. A͑zarja verschwand die Krone der Weisheit, denn :die Krone der Weisen ist ihr Reichtum. Mit dem Tode des R. Ḥanina b. Dosa hörten die Männer der Tat auf. Mit dem Tode des Abba Jose Ben Qeṭunta hörten die Frommen auf. Er hieß deshalb Abba Jose Ben Qeṭunta, weil er der Jüngste unter den Frommen war.
18Mit dem Tode Ben A͑zajs hörten die Fleißigen auf. Mit dem Tode Ben Zomas hörten die Schriftausleger auf. Als R. Šimo͑n b. Gamliél starb, kamen die Steuereintreiberund die Leiden nahmen zu. Als Rabbi starb, verdoppelten sich die Leiden.
19MIT DEM TODE RABBIS HÖRTEN DEMUT UND SÜNDENSCHEU AUF. R. Joseph sprach zum [vortragenden] Jünger: Trage nicht [den Passus] von der Demut vor, denn ichbin da, R. Naḥman sprach zum [vortragenden] Jünger: Trage nicht [den Passus] von der Sündenscheu vor, denn ich bin da.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.