Sota — Blatt 49a

1die in der zukünftigen Welt das Urteil über ihre Väter beraubenwerden. Sie werden vor ihm sprechen: Herr der Welt, weshalb hast du, wenn du an ihnen später Vergeltung üben wolltest, ihnen die Zähne durch uns stumpf gemacht!?

2R. Ilea͑ b. Jeberekhja sagte: Wenn nicht das Gebet Davids, wären alle Jisrae͑liten Müllhändler, denn es heißt:verleihe ihnen, Herr, Achtung. Ferner sagte R. Ilea͑ b. Jeberekhja: Wenn nicht das Gebet Ḥabaquqs, würden zwei Schriftgelehrte sich mit einem Gewande gekleidetund die Tora studiert haben, denn es heißt :Herr, ich habe deinen Ruf vernommen und fürchte mich; dein Werk beim nahen der Jahre [beqereb šanim] erhalte es, und man lese nicht: beqereb šanim, sondern beqirub šenajim [in zweier Nähe].

3Ferner sagte R. Ilea͑ b. Jeberekhja: Wenn zwei Schriftgelehrte auf dem Wege geben und sich nicht über Worte der Tora unterhalten, so verdienen sie im Feuer verbrannt zu werden, denn es heißt:und während sie nun in solcher Unterhaltung gingen, erschien ein feuriger Wagen &c. Nur wegen der Unterhaltung, ohne Unterhaltung aber würden sie verbrannt zu werden verdient haben.

4Ferner sagte R. Ilea͑ b. Jeberekhja: Wenn zwei Schriftgelehrte in einer Stadt wohnen und sich in der Halakha nicht vertragen, so stirbt der eine und der andere wird verbannt, denn es heißt:dahin flüchte der Mörder, der einen anderen ohne Wissen erschlagen hat, und Wissen ist nichts anderes als die Tora, denn es heißt:vertilgt ist mein Volk ohne Wissen.

5R. Jehuda, Sohn des R. Ḥija, sagte: Wenn ein Schriftgelehrter sich in Armut mit der Tora befaßt, so wird sein Gebet erhört, denn es heißt: o Volk, das auf Çijon zu Jerušalem wohnt, du wirst nicht mehr weinen, er wird dich begnadigen bei der Stimme deines Rufens, wie er es vernimmt, erhört er dich; hierauf folgt :der Herr wird euch Brot der Not und Wasser der Drangsal geben.

6R. Abahu sagte: Man sättigt ihn auch mit dem Glanze der Göttlichkeit, denn es heißt:deine Augen werden deinen Meister sehen. R. Aḥa b. Ḥanina sagte: Auch der Vorhangwird vor ihm nicht geschlossen, denn es heißt:nicht wird sich ferner dein Meister verbergen.

7R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGTE IM NAMEN R. JEHOŠUA͑S: SEIT DEM TAGE, AN DEM OEK TEMPEL ZERSTÖRT WORDEN IST, GIBT ES KEINEN &C. Raba sagte: Eines jeden Tages Fluch ist größer als der des vorangehenden. Es heißt: morgens wirst du sagen: wenn es doch Abend wäre, und abends wirst du sagen: wenn es doch Morgen wäre. Welcher Morgen, wenn etwa des folgenden Tages, so weiß man ja nicht, was kommen wird; doch wohl der des vorangehenden. –

8Wodurch wird demnach die Welt erhalten? – Durch den täglichen Heiligungssegenund [die Formel] ‘Es sei sein großer Name’ der Agada, denn es heißt:ein Land verschleiert wie das Dunkel, Totenschatten sonder Ordnung; wenn aber Ordnung vorhanden ist, so leuchtet es aus dem Dunkel hervor.

9DER TAU FÄLLT NICHT ZUM SEGEN UND DEN FRÜCHTEN IST DER GESCHMACK GENOMMEN &C. Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Mit der Reinheit verschwandenauch Geschmack und Geruch und mit dem Zehnten das Mark des Getreides.

10Einst fand R. Hona eine Edeldattel, da nahm er sie auf und wickelte sie in sein Gewand. Als hierauf sein Sohn Rabba zu ihm kam, sprach dieser zu ihm: Ich rieche den Duft einer Edeldattel. Jener erwiderte: Mein Sohn, an dir ist Reinheit. Da gab er sie ihm. Währenddessen kam Abba, der Sohn [Rabbas], heran und er gab sie ihm. Jener sprach: Mein Sohn, du hast mein Herz erfreut und meine Zähne stumpfgemacht. Das ist es, was die Leute sagen: die Liebe des Vaters zu den Kindern, die Liebe der Kinder aber zu ihren eigenen Kindern.

11R. Aba b. Ja͑qob erzog R. Ja͑qob, den Sohn seiner Tochter. Einst sprach jener, als dieser herangewachsen war, zu ihm: Reiche mir etwas Wasser. Dieser erwiderte: Ich bin nicht deinSohn! Das ist es, was die Leute sagen: Ziehe mich nur groß, dann bin ich nur der Sohn deiner Tochter.

12BEI DER INVASION DES VESPASIAN VERBOT MAN DIE BRÄUTIGAMSKRÄNZE UND DIE HANDTROMMEL.

13BEI DER INVASION DES QUIETUSVERBOT MAN DIE BRAUTKRÄNZE UND SEINEN SOHN GRIECHISCH ZU UNTERRICHTEN.

14BEI DER LETZTEN INVASIONVERBOT MAN, DIE BRAUT UNTER EINEM BALDACHIN DURCH DIE STADT ZU FÜHREN ; UNSERE MEISTER ABER ERLAUBTEN, DIE BRAUT UNTER EINEM BALDACHIN DURCH DIE STADT ZU FÜHREN.

15MIT DEM TODE R. MEÍRS HÖRTEN DIE FABELDICHTER AUF. MIT DEM TODE BEN ÁZAJS HÖRTEN DIE FLEISSIGENAUF. MIT DEM TODE BEN ZOMAS HÖRTEN DIE SCHRIFTAUSLEGER AUF. MIT DEM TODE R. ÁQIBAS HÖRTE DIE EHRUNG DER TORA AUF. MIT DEM TODE DES R. ḤANINA B. DOSA HÖRTEN DIE MÄNNER DER TATAUF. MIT DEM TODE DES R. JOSE QEṬUNTA HÖRTEN DIE FROMMEN AUF. ER HIESS DESHALB QEṬUNTA, WEIL ER DER JÜNGSTE [QEṬUNTA] UNTER DEN FROMMEN WAR.

16MIT DEM TODE DES R. JOḤANAN B. ZAKKAJ HÖRTE DER GLANZ DER WEISHEIT AUF. MIT DEM TODE R. GAMLIÉL DES ÄLTEREN HÖRTE DIE EHRUNG DER TORA AUF UND REINHEIT UND ENTHALTSAMKEIT ERLOSCH. MIT DEM TODE DES R. JIŠMA͑ÉL B. PHABI HÖRTE DER GLANZ DER PRIESTERSCHAFT AUF. MIT DEM TODE RABBIS HÖRTEN DEMUT UND SÜNDENSCHEU AUF.

17R. PINḤAS B. JAÍR SAGTE: SEITDEM DER TEMPEL ZERSTÖRT WORDEN IST, SIND DIE GELEHRTEN UND VORNEHMEN BESCHÄMT UND VERHÜLLTEN HAUPTES; DIE MÄNNER DER TAT SIND VERKÜMMERT, UND DIE FAUSTMENSCHEN UND ZUNGENMENSCHEN NEHMEN ÜBERHAND. NIEMAND FORSCHT, NIEMAND SUCHT UND NIEMAND FRAGT.

18AUF WEN ANDERS SOLLTEN WIR UNS VERLASSEN, ALS AUF UNSEREN VATER IM HIMMEL!?

19R. ELIÉZER DER GROSSE SAGTE: SEITDEM DER TEMPEL ZERSTÖRT WORDEN IST, GLEICHEN DIE WEISEN DEN KINDERLEHRERN, DIE KINDERLEHRER DEN SYNAGOGENDIENERN, DIE SYNAGOGENDIENER DEM GEMEINEN VOLKE, UND DAS GEMEINE

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.