Sukka — Blatt 11b
1Man könnte glauben, es sei für jeden Zipfel eine besondere Schnur erforderlich, so lehrt er uns.
2Man wandte ein: Hat man sie eingehängt und die Enden der Fäden nicht abgeschnitten, so sind sie untauglich. Doch wohl für immer untauglich!? Dies ist also eine Widerlegung Rabhs. – Rabh kann dir erwidern: unter untauglich ist zu verstehen, sie sind untauglich, bis man sie abschneidet. Šemuél aber sagt, für immer untauglich. Ebenso sagte Levi, für immer untauglich. Ebenso sagte R. Mathna im Namen Šemuéls, für immer untauglich.
3Manche lesen: R. Mathna sagte: Ich hatte einst einen solchen Fall, und als ich vor Šemuél kam, sagte er zu mir, sie seien für immer untauglich.
4Man wandte ein: Hat man sie eingehängt und die Enden der Fäden nachher abgeschnitten, so sind sie untauglich. Ferner wird auch von der Festhütte gelehrt: Du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes. Hieraus folgerten sie, daß, wenn man Weinlaub, Kürbisblätter oder Epheu über [die Festhütte] gezogen und darüber Hüttenbedachung gelegt hat, sie unbrauchbar sei.
5In welchem Falle: wollte man sagen, wenn man sie nicht abgehauen hat, so sind sie ja schon deshalb unbrauchbar, weil sie [am Roden] haften, wozu [die Begründung]: du sollst machen, nicht aus bereits Gemachtem!? Doch wohl, wenn man sie abgehauen hat, und er lehrt, sie sei unbrauchbar. Schließe hieraus, daß wir nicht sagen, durch das Abhauen erfolge die Anfertigung. Dies ist also eine Widerlegung Rabhs. –
6Rabh kann dir erwidern, hier handelt es sich um den Fall, wenn man sie nur abgeknickt hat, sodaß die Fertigung nicht zu merken ist. – Aber aus [dem Falle], wenn man sie eingehängt und nachher [die Enden] abgeschnitten hat, ist ja ein Einwand gegen Rabh zu entnehmen!? – Ein Einwand.
7Es wäre anzunehmen, daß sie [denselben Streit führen] wie die folgenden Tannaím: hat man übertreten und sie abgepflückt, so ist sie untauglich – so R. Šimo͑n b. Jehoçadaq; nach den Weisen ist sie tauglich.
8Sie glaubten, daß nach aller Ansicht der Feststrauß des Zusammenbindensbenötige und daß wir hinsichtlich des Feststraußesvon der Festhütte folgern, bei der es [ausdrücklich] heißt: du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes,
9somit besteht wohl ihr Streit in folgendem: nach dem sie tauglich ist, ist der Ansicht, bei der Festhütte erfolge durch das Abhauen die Anfertigung, und ebenso erfolgt beim Feststrauß durch das Abpflücken die Anfertigung, und nach dem sie untauglich ist, ist der Ansicht, bei der Festhütte erfolge durch das Abhauen nicht die Anfertigung, und ebenso erfolgt beim Feststrauß durch das Abpflücken nicht die Anfertigung. –
10Nein, alle sind der Ansicht, bei der Festhütte erfolge durch das Abhauen nicht die Anfertigung, hier aber streiten sie, ob man hinsichtlich des Feststraußes von der Festhütte folgere; nach dem sie tauglich, ist der Ansicht, man folgere nicht hinsichtlich des Feststraußes von der Festhütte, und nach dem sie untauglich ist, ist der Ansicht, man folgere hinsichtlich des Feststraußes von der Festhütte.
11Wenn du aber willst, sage ich: sind wir der Ansicht, der Feststrauß benötige des Zusammenbindens, so stimmen alle überein, daß man hinsichtlich des Feststraußes von der Festhütte folgere, hier aber streiten sie über folgendes: einer ist der Ansicht, er benötige des Zusammenbindens, und einer ist der Ansicht, er benötige nicht des Zusammenbindens. Sie führen aber denselben Streit wie die Tannaím der folgenden Lehre: Der Feststrauß ist zusammengebunden oder nicht zusammengebunden tauglich; R. Jehuda sagt, zusammengebunden sei er tauglich, nicht zusammengebunden sei er untauglich. –
12Was ist der Grund R. Jehudas? – Er folgert dies durch [das Wort] nehmen vom Ysopbündel; da heißt es: ihr sollt ein Bündel Ysop nehmen, und hier heißt es: ihr sollt euch am ersten Tage nehmen; wie da zusammengebunden, ebenso auch hier zusammengebunden. – Und die Rabbanan!? – Aus [dem Worte] nehmen ist nichts zu deduzieren. –
13Wessen Ansicht vertritt die Lehre, es sei Gebot, den Feststrauß zusammenzubinden, und wenn man ihn nicht zusammengebunden hat, er ebenfalls tauglich sei: wenn die des R. Jehuda, wieso ist er tauglich, wenn man ihn nicht zusammengebunden hat, und wenn die der Rabbanan, wieso ist dies ein Gebot!? – Tatsächlich die der Rabbanan, und nur deshalb, weil es heißt: er ist mein Gott, ich will ihn verherrlichen, verherrliche ihn bei [der Ausübung] der Gebote.
14DIE REGEL HIERBEI IST: WAS FÜR DIE UNREINHEIT EMPFÄNGLICH IST &C. Woher dies? Reš Laqiš erwiderte: Die Schrift sagt: und ein Gewölk stieg aus der Erde; wie das Gewölk eine Sache ist, die für die Unreinheit nicht empfänglich ist und ihre Nahrung aus der Erde zieht, ebenso muß auch die Hüttenbedachung eine Sache sein, die für die Unreinheit nicht empfänglich ist und ihre Nahrung aus der Erde zieht. –
15Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, es warenWolken der Herrlichkeit, wie ist dies aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, sie hatten sich wirkliche Hütten gefertigt!? Es wird nämlich gelehrt: Denn in Hütten habe ich die Kinder Jisraél wohnen lassen, es waren Wolken der Herrlichkeit – so R. Elie͑zer. R. A͑qiba sagt: Sie fertigten sich wirkliche Hütten. Richtig ist es nun nach R. Elie͑zer, wie ist es aber nach R. A͑qiba zu erklären!?
16Als R. Dimi kam, er klärte er im Namen R. Joḥanans: Die Schrift sagt: das Hüttenfest sollst du dir machen, man vergleiche die Festhütte mit dem Fest[opfer]: wie das Festopfer eine Sache ist, die für die Unreinheit nicht empfänglich ist und ihre Nahrung aus der Erde zieht, ebenso muß auch die Hüttenbedachung eine Sache sein, die für die Unreinheit nicht empfänglich ist und ihre Nahrung aus der Erde zieht. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.