Sukka — Blatt 12a

1Demnach sollte doch, wie das Festopfer Lebendes ist, auch die Hüttenbedachung Lebendes sein!?

2Als Rabin kam, erklärte er vielmehr im Namen R. Joḥanans: Die Schrift sagt: wenn du von deiner Tenne und von deiner Kelter einheimsest, die Schrift spricht also vom Abfall der Tenne und der Kelter. –

3Vielleicht aber von [den Früchten] der Tenne und der Kelter selbst? R. Zera erwiderte: Es heißt Kelter, und diese ist zur Bedachung nicht verwendbar.

4R. Jirmeja wandte ein: Vielleicht der aus Šenir kommende geronnene Wein, der einem Feigenkuchen gleicht!? R. Zera sprach: Bis jetzt hatten wir es, und nun kam R. Jirmeja und trieb einen Keil hinein.

5R. Aši erklärte: Von deiner Tenne, nicht aber die Tenne selbst : von deiner Kelter, nicht aber die Kelter selbst.

6R. Ḥisda entnimmt dies aus folgendem: Geht aufs Gebirge hinaus und holt euch Zweige vom Olivenbaume und Zweige vom Ölbaume und Zweige von der Myrte und Zweige von Palmen und Zweige von dichtbelaubten Bäumen. –

7Myrten sind ja dasselbe, was dichtbelaubte Bäume!? R. Ḥisda erwiderte: Wilde Myrten für die Festhütte und dichte belaubte Bäume für den Feststrauß.

8STROHBÜNDEL, HOLZBÜNDEL UND REISIGBÜNDEL DÜRFEN ALS HÜTTENBEDACHUNG NICHT VERWENDET WERDEN; HAT MAN SIE ABER GELÖST, SO SIND SIE BRAUCHBAR. SIE ALLE SIND AUCH ALS WÄNDE BRAUCHBAR.

9GEMARA. R. Ja͑qob sagte: Ich hörte von R. Joḥanan zweierlei: eines über diese Lehre, und eines über folgende Lehre: Wenn jemand eine Miete aushöhlt, um daraus eine Festhütte zu machen, so ist dies keine Festhütte.

10Eine [begründete er:] mit Rücksicht auf einen Speicher, und eine [begründete er:] du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes. Ich weiß jedoch nicht, welches mit Rücksicht auf einen Speicher, und welches wegen [der Folgerung] du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes, [verboten ist].

11R. Jirmeja sprach: Wir wollen es sehen. R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Weshalb sagten sie, daß man Strohbündel, Holzbündel und Reisigbündel nicht als Hüttenbedachung verwenden darf? Weil es vorkommen kann, daß man abends mit seinem Bündel auf der Schulter heimkommt und es auf seine Hütte zum Trocknen legt, nachher sich aber überlegt, es da als Hüttenbedachung zu lassen, und die Tora sagt: du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes. Wenn diese mit Rücksicht auf einen Speicher [verboten sind,] so ist wohl jene wegen [der Folgerung:] du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes [Verboten].

12R. Ja͑qob aber hatte die Lehre des R. Ḥija b. Abba nicht gehört.

13R. Aši sprach: Ist etwa bei der [Festhütte aus] Strohbündeln und Holzbündeln nur ein Speicher und nicht auch [die Folgerung:] du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes, zu berücksichtigen!? Oder ist etwa bei der Aushöhlung einer Tenne nur [die Folgerung:] du sollst machen, nicht aber bereits Gemachtes, und nicht auch ein Speicher zu berücksichtigen!? –

14R. Joḥanan kann dir erwidern: hier heißt es ‘dürfen nicht verwendet werden’, nur von vornherein dürfen sie nicht als Hüttenbedachung verwendet werden,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.