Sukka — Blatt 21b

1unterirdisches Grab unrein werden.

2Übereinstimmend mit Raba wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Man holte überhaupt keine Holztafeln, denn da ein Kind übermütig ist, könnte es den Kopf oder eines seiner Glieder hervorstrecken und durch ein etwaiges unterirdisches Grab unrein werden; vielmehr holte man ägyptische Ochsen, die breitbäuchig sind, und setzte auf diese Kinder mit steinernen Bechern in den Händen, und als sie zum [Fluße] Šiloah herankamen, stiegen sie hinab und füllten sie, dann kamen sie herauf und saßen wieder auf. –

3Aber ein Bett hat ja viele Faustgrößen, dennoch haben wir gelernt: R. Jehuda erzählte: Bei uns war es Brauch, unter dem Bette zu schlafen in Gegenwart der Ältesten! – Anders ist das Bett, das zum Schlafen darauf bestimmt ist. – Auch bei den Ochsen sitzt man ja auf diesen!?

4Als Rabin kam, erklärte er im Namen R. Elea͑zars: Anders ist es bei den Ochsen, da sie den Hirten bei Sonne vor der Sonne und bei Regen vor dem Regen Schutz gewähren. – Auch das Bett gewährt ja Schutz den darunter befindlichen Schuhen und Sandalen!?

5Vielmehr erklärte Raba, anders ist bei den Ochsen [deren Rücken] den Därmen Schutz gewährt, wie es heißt:mit Haut und Fleisch bekleidest du mich und bedeckst mich mit Knochen und Sehnen,

6Wenn du aber willst sage ich: R. Jehuda vertritt seine Ansicht, denn er sagt, die Festhütte müsse eine permanente Wohnung sein; das Bett ist ein provisorisches Zelt, die Festhütte aber ein permanentes Zelt, und das provisorische Zelt kann das permanente Zelt nicht aufheben. –

7Auch R. Šimo͑n ist ja der Ansicht die Festhütte müsse eine permanente Wohnung sein, und das provisorische Zelt hebt das permanente Zelt auf!? Freilich, darin streiten sie eben; einer ist der Ansicht, das provisorische Zelt hebe das permanente Zelt auf, und einer ist der Ansicht, das provisorische Zelt hebe das permanente Zelt nicht auf.

8R.ŠIMO͑N ERZÄHLTE: EINST [SCHLIEF] ṬABI, DER KNECHT. Es wird gelehrt: R. Šimo͑n sagte: Aus dem Gespräche R. Gamliéls lernten wir zweierlei: Wir lernten, daß Sklaven von der Festhütte frei sind, und wir lernten, daß, wer unter dem Bette schläft, seiner Pflicht nicht genüge.

9Sollte er doch sagen: aus den Worten R. Gamliéls!? – Er lehrt uns nebenbei das, was R. Aḥa b. Ada, und wie manche sagen, R. Aḥa b. Ada, im Namen R. Hamnunas im Namen Rabhs gesagt hat: Woher, daß sogar das [profane] Gespräch der Schriftgelehrten des Studiums bedarf? Es heißt: seine Blätter verwelken nicht.

10WENN JEMAND SEINE FESTHÜTTE MIT DEN FÜSSEN EINES BETTES STÜTZT, SO IST SIE BRAUCHBAR; R. JEHUDA SAGT, WENN SIE NICHT ALLEIN STEHEN KANN, SEI SIE UNBRAUCHBAR.

11GEMARA. Was ist der Grund R. Jehudas? - Hierüber streiten R. Zera und Abba b. Mamal; einer sagt, weil sie keine permanente ist, und einer sagt, weil man sie mit einer für die Unreinheit empfänglichen Sache aufrecht hält.

12Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Wenn man eiserne Spieße in die Erde steckt und darüber Hüttenbedachung legt: nach demjenigen, welcher erklärt, weil sie keine permanente ist, ist diese ja permanent, und nach demjenigen, welcher erklärt, weil man sie mit einer für die Unreinheit empfänglichen Sache aufrecht hält, hält man sie auch in diesem Falle mit einer für die Unreinheit empfänglichen Sache aufrecht.

13Abajje sagte: Dies lehrten sie nur in dem Falle, wenn man sie mit [dem Bette] gestützt hat, wenn man aber über das Bett Hüttenbedachung gelegt hat, so ist sie brauchbar. – Aus welchem Grunde? – Nach demjenigen, welcher erklärt, weil sie nicht permanent ist, ist sie ja in diesem Falle permanent, und nach demjenigen, welcher erklärt, weil man sie mit einer für die Unreinheit empfänglichen Sache aufrecht hält, hält man sie in diesem Falle nicht mit einer für die Unreinheit empfänglichen Sache aufrecht.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.