Sukka — Blatt 24a

1R. Jehuda, R. Jose und R. Šimo͑n verbieten dies. –

2Wende es um: R. Meír berücksichtigt das Sterben, und R. Jehuda berücksichtigt das Sterben nicht. Es wird nämlich gelehrt: Hat man ein Tier als Wand für eine Festhütte verwendet, so ist sie nach R. Meír unbrauchbar und nach R. Jehuda brauchbar. –

3R. Meír befindet sich ja mit sich selbst in einem Widerspruche!? – R. Meír kann dir erwidern: das Sterben ist häufig, das Platzen des Schlauches ist selten, da man ihn einem Wächter übergeben kann. –

4R. Jehuda befindet sich ja aber mit sich selbst in einem Widerspruche!? –

5Der Grund R. Jehudas ist nicht, weil er das Platzen des Schlauches befürchtet, sondern weil er von der fiktiven Feststellung nichts hält. –

6Befürchtet denn R. Jehuda nicht das Platzen des Schlauches, im Schlußsatze wird ja gelehrt: Sie sprachen zu R. Meír: Pflichtest du etwa nicht bei, daß, wenn der Schlauch platzt, er rückwirkend Unverzehntetes getrunken haben wird!? Er erwiderte ihnen: Wenn er platzt. Demnach befürchtet R. Jehuda das Platzen des Schlauches!? –

7Da sagte R. Jehuda zu R. Meír: Ich halte nichts von der fiktiven Feststellung, du aber, der du von der fiktiven Feststellung hältst, solltest doch zugeben, daß der Schlauch platzen könnte!? Darauf erwiderte dieser: Wenn er platzt. –

8Berücksichtigt denn R. Jehuda nicht das Sterben, wir haben ja gelernt: R. Jehuda sagt, man halte für ihn auch eine andere Frau in Bereitschaft, weil seine Frau sterben könnte!? – Hierzu wurde ja bereits gelehrt: R. Hona b. R. Jehošua͑ erklärte: Bei der Sühne haben sie eine besondere Vorsichtsmaßregel getroffen. –

9Sowohl nach demjenigen, welcher erklärt, es könnte verenden, als auch nach demjenigen, welcher erklärt, es könnte fortlaufen, ist es ja nach der Tora eine brauchbare Wand, und nur die Rabbanan haben dies berücksichtigt, somit sollte es ja nach R. Meír als Rollstein verunreinigungsfähig sein, während wir doch gelernt haben, nach R. Jehuda sei es als Rollstein verunreinigungsfähig und nach R. Meír rein!?

10Vielmehr erklärte R. Aḥa b. Ja͑qob: R. Meír ist der Ansicht, eine Wand, die durch einen Geist steht, sei keine Wand. Manche lesen: R. Aḥa b. Ja͑qob erklärte: R. Meír ist der Ansicht, eine Wand, die nicht durch Menschenhände gemacht ist, sei keine Wand. –

11Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, wenn man sie auf einen aufgeblasenen Schlauch stützt; nach demjenigen, welcher erklärt, eine durch einen Geist stehende Wand sei keine Wand, diese steht ja ebenfalls durch einen Geist, und nach demjenigen, welcher erklärt, eine nicht durch Menschenhände gemachte Wand sei keine Wand,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.