Sukka — Blatt 27b

1man dürfe nicht aus einer Festhütte nach einer anderen gehen, auch keine Festhütte am Halbfeste machen; die Weisen sagen, man dürfe aus einer Festhütte nach einer anderen gehen, auch eine Festhütte am Halbfeste machen. Sie stimmen jedoch überein, daß, wenn sie eingestürzt ist, man sie am Halbfeste wieder aufbaue. –

2Was ist der Grund R. Elie͑zers? – Die Schrift sagt: das Hüttenfest sollst du dir sieben Tage machen; mache eine Festhütte, die für sieben Tage bestimmt ist. Und die Rabbanan!? – Der Allbarmherzige meint es wie folgt: mache dir eine Hütte am Feste.

3«Sie stimmen jedoch überein, daß, wenn sie eingestürzt ist, man sie am Halbfeste wieder aufbaue.» Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, diese sei eine andere, und nicht für sieben [Tage] errichtet, so lehrt er uns.

4Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagt: Wie man am ersten Festtage seiner Pflicht nicht mit dem Feststrauße seines Nächsten genügen kann, denn es heißt: ihr sollt euch am ersten Tage prächtige Baumfrüchte, Palmzweige, nehmen, nur von eurem, ebenso kann man seiner Pflicht nicht mit der Festhütte seines Nächsten genügen, denn es heißt: das Hüttenfest sollst du dir sieben Tage machen, von deinem.

5Die Weisen sagen: Obgleich sie gesagt hat, man könne am ersten Festtage seiner Pflicht nicht mit dem Feststrauße seines Nächsten genügen, dennoch kann man seiner Pflicht mit der Festhütte eines Nächsten genügen, denn es heißt:alle Eingeborenen in Jisraél sollen in Hütten wohnen, dies lehrt, daß ganz Jisraél in einer Festhütte wohnen kann. –

6Was folgern die Rabbanan aus [dem Worte] dir? – Dies verwenden sie zur Ausschließung des Geraubten; vom Geborgten aber heißt es: alle Eingeborenen. –

7Was folgert R. Elie͑zer aus [den Worten] alle Eingeborenen? – Hieraus folgert er hinsichtlich eines Proselyten, der sich inzwischen bekehrt, und eines Minderjährigen, der inzwischen großjährig geworden ist. – Und die Rabbanan!? – Da sie sagen, man mache eine Festhütte am Halbfeste, so ist hierfür kein Schriftvers nötig.

8Die Rabbanan lehrten: Einst kam R. Elea͑j nach Lud, um seinen Lehrer R. Elie͑zer am Feste zu besuchen; da sprach dieser zu ihm: Elea͑j, du gehörst also nicht zu denen, die am Feste feiern!? R. Elie͑zer sagte nämlich: Ich lohe mir die Faulenzer, die am Feste das Haus nicht verlassen, denn es heißt: sei fröhlich samt deinem Hause. –

9Dem ist ja aber nicht so, R. Jiçḥaq sagte ja: Woher, daß man am Feste seine Lehrer besuchen muß? Es heißt: warum gehst du heute zu ihm, es ist doch heute weder Neumondstag noch Šabbath? Demnach ist man am Neumondstage und am Šabbath seinen Lehrer zu besuchen verpflichtet!? – Das ist kein Einwand; dies wenn man gehen und noch am selben Tage zurückkommen kann, und jenes, wenn man gehen und nicht mehr am selben Tage zurückkommen kann.

10Die Rabbanan lehrten: Einst feierte R. Elie͑zer den Šabbath in der Festhütte des Joḥanan b. Elea͑j zu Cäsarea, wie manche sagen, Cäsaräon, in Obergaliläa, und als die Sonne die Festhütte erreichte, fragte dieser: Darf ich darüber ein Laken ausbreiten? Jener aber sprach: Du hast keinen Stamm in Jisraél, aus dem nicht ein Richter hervorgegangen wäre.

11Als die Sonne zur Mitte der Festhütte reichte, fragte dieser: Darf ich darüber ein Laken ausbreiten? Jener aber sprach: Du hast keinen Stamm in Jisraél, aus dem nicht Propheten hervorgegangen wären. Aus den Stämmen Jehuda und Binjamin sind Könige auf Verordnung von Propheten hervorgegangen. Als aber die Sonne zu den Füßen R. Elie͑zers reichte, nahm Joḥanan ein Laken und breitete es darüber. Da nahm R. Elie͑zer sein Gewand über seinen Rücken und ging hinaus. Nicht etwa, weil er ihn ausweichend abfertigen wollte, sondern weil er nie etwas sagte, was er nicht von seinem Lehrer gehört hätte. –

12Wieso aber tat er dies? R. Elie͑zer selbst sagte ja, man dürfe nicht aus einer Festhütte nach einer anderen gehen!? – Es war ein anderes Fest. –

13R. Elie͑zer selbst sagte ja aber: ich lobe mir die Faulenzer, die am Feste das Haus nicht verlassen!? – Es war ein gewöhnlicher Šabbath. –

14Er sollte dies doch aus seiner eigenen Lehre entscheiden!? Wir haben nämlich gelernt: Die Klappe einer Luke darf man [am Šabbath] schließen, wie R. Elie͑zer sagt, wenn sie beweglich angebracht ist, sonst aber nicht; die Weisen sagen, ob so oder so, dürfe man sie schließen. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.