Sukka — Blatt 43b
1wohnen, und dies dient als Wortanalogie; hierbei heißt es wohnen und bei der Einsetzung heißt es wohnen, wie da Tage und auch Nächte, ebenso hier Tage und auch Nächte.
2WIESO SIEBEN TAGE FÜR DIE BACHWEIDE? Weshalb verdrängt die [Prozession der] Bachweide am siebenten [Festtage] den Šabbath? R. Joḥanan erwiderte: Um bekannt zu machen, daß sie ein Gebot der Tora ist. – Demnach sollte ihn auch der Feststrauß verdrängen, um bekannt zu machen, daß er ein Gebot der Tora ist!? –
3Beim Feststrauße ist [die Befürchtung] Rabbas berücksichtigt worden. – Demnach sollte man dies auch bei der Bachweide berücksichtigen!? – Die Bachweide wird von den Gerichtsboten geholt, während der Feststrauß jedem überlassen ist. –
4Demnach sollte sie ihn auch an jedem anderen Tage verdrängen!? – Dadurch würde man den Feststrauß zurücksetzen. – Sollte sie ihn am ersten Festtage verdrängen!? – Dann würde es nicht merklich sein, denn man würde sagen, der Feststrauß sei es, der ihn verdrängt.
5Sollte sie ihn an einem der übrigen Tage verdrängen!? – Da es am ersten ausgeschlossen ist, so versetze es auf den siebenten. –
6Demnach sollte sie ihn auch jetzt verdrängen!? – Wir sind in der Festsetzung des Neumondes nicht kundig. –
7Bei ihnen aber, die ja in der Festsetzung des Neumondes kundig sind, sollte sie ihn doch verdrängen!? – Als Bar Hedja kam, sagte er, dies sei nie vorgekommen. Als Rabin und alle Seefahrer kamen, sagten sie, dies sei vorgekommen, und sie verdrängte ihn nicht. –
8So besteht ja unser Einwand!? R. Joseph erwiderte: Wer sagt uns, daß man die Bachweide nahm, vielleicht stellte man sie nur auf.
9Abajje wandte gegen ihn ein: Für den Feststrauß und für die Bachweide sind sechs oder sieben Tage bestimmt. Doch wohl [verfuhr man mit dieser] wie mit dem Feststrauße: wie der Feststrauß genommen wurde, ebenso wurde auch die Bachweide genommen!? – Wieso denn, jener so und diese anders.
10Abajje wandte ferner gegen ihn ein: An jedem Tage umkreiste man den Altar einmal, an diesem Tage siebenmal. Doch wohl mit der Bachweide!? – Nein, mit dem Feststrauße. – Aber R. Naḥman sagte ja im Namen des Rabba b. Abuha, mit der Bachweide!? Dieser erwiderte: Jener sagte dir, mit der Bachweide, ich sage, mit dem Feststrauße. Es wurde gelehrt: R. Elea͑zar sagt, mit dem Feststrauße. Rabh und Šemuél sagen im Namen R. Ḥaninas, mit der Bachweide. Ebenso sagte R. Naḥman im Namen des Rabba b. Abuha, mit der Bachweide.
11Raba sprach zu R. Jiçḥaq, dem Sohne des Rabba b. Bar Ḥana: Gelehrtensohn, komm, ich will dir was Schönes sagen, was dein Vater gesagt hat: Wir haben gelernt: An jedem Tage umkreiste man den Altar einmal, an diesem Tage umkreiste man ihn siebenmal. Hierzu sagte dein Vater im Namen R. Elea͑zars: mit dem Feststrauße.
12Er wandte gegen ihn ein: Der Feststrauß verdrängt den Šabbath am Anfang [des Festes] und die Bachweide am Ende. Einst fiel der siebente Festtag, der der Bachweide, auf einen Šabbath, und sie brachten die Bachweidenzweige am Vorabend des Šabbaths und legten sie in den Vorhof; als aber die Boëthosäer dies bemerkten, nahmen sie sie fort und versteckten sie unter die Steine.
13Am folgenden Tage bemerkten dies die Leute aus dem gemeinen Volke und zogen sie hervor; da holten die Priester sie heran und stellten sie an die Seiten des Altars auf. Die Boëthosäer geben nämlich nicht zu, daß das Schlagen der Bachweide den Šabbath verdränge.
14Sie wurde also genommen!? Eine Widerlegung. –
15Demnach sollten jene ihn verdrängen lassen!? – Da wir ihn nicht verdrängen lassen, lassen auch sie ihn nicht verdrängen. – Aber am ersten Festtage wurde er ja bei ans nicht verdrängt, bei ihnen aber wurde er wohl verdrängt!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.