Sukka — Blatt 44a

1Ich will dir sagen, auch bei ihnen wurde er nicht verdrängt. – Dem widersprechen ja folgende beide Lehren!? Eines lehrt, das ganze Volk brachte den Feststrauß nach dem Tempelberge, und ein Anderes lehrt, nach dem Bethause, und wir erklärten: das Eine in der Zeit, als der Tempel noch bestanden hat, und das Andere in der Zeit, als der Tempel nicht mehr bestanden hat. –

2Nein, beide in der Zeit, als der Tempel noch bestanden hat, dennoch widersprechen sie einander nicht. Denn das eine spricht vom Tempel und das Andere von der Provinz.

3Abajje sprach zu Rabba: Weshalb wird der Feststrauß zur Erinnerung an den Tempel an sieben [Tagen genommen], die Bachweide aber nicht zur Erinnerung an den Tempel an sieben [Tagen genommen]? Dieser erwiderte: Weil man schon mit der Bachweide im Feststrauße seiner Pflicht genügt. Jener entgegnete: Diese gehört ja zum Feststrauße!? Wolltest du aber erwidern, man hebe sie einmal hoch, dann hebe man sie wiederum hoch, so ist es ja (tägliche) Tatsache, daß wir dies nicht tun!?

4R. Zebid erwiderte im Namen Rabas: Der Feststrauß ist ein Gebot der Tora, daher nehmen wir ihn zur Erinnerung an den Tempel an sieben [Tagen], die Bachweide ist nur rabbanitisch, daher nehmen wir sie nicht zur Erinnerung an den Tempel an den sieben [Tagen]. –

5Nach wessen Ansicht: wollte man sagen, nach Abba Šaúl, so sagt er ja, es heiße Bachweiden, zwei, eine für den Feststrauß und eine für [die Prozession im] Tempel, und wenn nach der der Rabbanan, so ist es ja eine überlieferte Halakha!? R. Asi sagte nämlich im Namen R. Joḥanans im Namen des R. Neḥunja aus dem Tale Beth Ḥivartan: Die [Lehren von den] zehn Setzlingen, der Bachweide und [der Prozession] des Wassergießens sind Moše am Sinaj überlieferte Halakoth.

6Vielmehr, erklärte R. Zebid im Namen Rabas, den Feststrauß, der auch für die Provinz seinen Ursprung in der Tora hat, nehmen wir zur Erinnerung an den Tempel an sieben [Tagen], die Bachweide aber, die für die Provinz keinen Ursprung in der Tora hat, nehmen wir nicht zur Erinnerung an den Tempel an sieben [Tagen].

7Reš Laqiš sagte: Auch gebrechenbehaftete Priester drängten sich zwischen Vorhalle und Altar, um ihrer Pflicht der Bachweide zu genügen. R. Joḥanan sprach zu ihm: Wer sagt dies? – Wer dies sagte, er selbst sagte es ja, denn R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans im Namen des R. Neḥunja aus dem Tale Beth Ḥivartan, die [Lehren von den] zehn Setzlingen, der Bachweide und [der Prozession] des Wassergießens seien Moše am Sinaj überlieferte Halakhoth!? –

8Vielmehr, wer sagte, daß man sie nehme, vielleicht stelle man sie nur auf; wer sagte, auch gebrechenbehaftete, vielleicht gebrechenfreie!?

9Es wurde gelehrt: R. Joḥanan und R. Jehošua͑ b. Levi [streiten]; einer sagt, die Bachweide sei eine Institution der Propheten, und einer sagt, die Bachweide sei ein Brauch der Propheten. Es ist zu beweisen, daß R. Joḥanan es ist, welcher sagt, sie sei eine Institution der Propheten. R. Abahu sagte nämlich im Namen R. Joḥanans, die Bachweide sei eine Institution der Propheten. Schließe hieraus.

10R. Zera sprach zu R. Abahu: Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, R. Joḥanan sagte ja im Namen des R. Neḥunja aus dem Tale Beth Ḥivartan, die [Lehren von den] zehn Setzlingen, der Bachweide und [der Prozession] des Wassergießens seien Moše am Sinaj überlieferte Halakhoth!? Eine Weile war er bestürzt, dann erwiderte er: Man hatte es vergessen, und sie ordneten es wieder an. –

11Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, er sagte ja: Die eurigen sagen, sie sei ihre!? – Das ist kein Einwand;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.