Sukka — Blatt 50b
1GEMARA. Es wurde gelehrt: R. Jehuda und R. E͑na [streiten]; einer liest ‘šoébah’ und einer liest ‘ḥašubah’. Mar Zuṭra sprach: Wer šoébah liest, irrt nicht, und wer ḥašubah liest, irrt ebenfalls nicht. Wer šoébah liest, irrt nicht, denn es heißt: ihr werdet mit Wonne Wasser schöpfen; wer ḥašubah liest, irrt ebenfalls nicht, denn R. Naḥman sagte, dieses sei ein hochgeachtetes Gebot und rühre seit den sechs Schöpfungstagen her.
2Die Rabbanan lehrten: Das Flöten[spiel] verdrängt den Šabbath – so R. Jose b. Jehuda; die Weisen sagen, es verdränge nicht einmal den Festtag. R. Joseph sagte: Der Streit besteht nur über die Musik beim Opfer[dienste]: R. Jose ist der Ansicht, die Musik sei vornehmlich eine instrumentale, somit gehört sie zum Tempeldienste und verdrängt den Šabbath, und die Rabbanan sind der Ansicht, die Musik sei vornehmlich eine vokale, somit gehört sie nicht zum Tempeldienste und verdrängt den Šabbath nicht; über die Musik bei der Wasserprozession aber stimmen alle überein, daß sie nur eine Vergnügung sei und daher den Šabbath nicht verdränge.
3R. Joseph sprach: Woher entnehme ich, daß sie nur darüber streiten? Es wird gelehrt: Dienstgeräte, die man aus Holz gefertigt hat, sind nach Rabbi untauglich und nach R. Jose b. Jehuda tauglich. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: nach dem sie tauglich sind, ist der Ansicht, die Musik sei vornehmlich eine instrumentale, und man folgere von der Holzflöte Mošes, und nach dem sie untauglich sind, ist der Ansicht, die Musik sei vornehmlich eine vokale, somit ist von der Holzflöte Mošes nicht zu folgern. –
4Nein, alle sind der Ansicht, die Musik sei vornehmlich eine instrumentale, und sie streiten vielmehr, ob man vom Unmöglichen auf das Mögliche folgere: nach dem sie tauglich sind, ist der Ansicht, man folgere vom Unmöglichen auf das Mögliche, und nach dem sie untauglich sind, ist der Ansicht, man folgere nicht vom Unmöglichen auf das Mögliche.
5Wenn du aber willst, sage ich: alle sind der Ansicht, die Musik sei vornehmlich eine vokale, ferner auch, daß man nicht vom Unmöglichen auf das Mögliche folgere, und sie streiten vielmehr, ob man bei der Folgerung von der Leuchte [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung oder [die Regel von der] Einschließung und Ausschließung anwende. Rabbi wendet [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung an, und R. Jose b. Jehuda wendet [die Regel von der] Einschließung und Ausschließung an.
6Rabbi wendet [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung an: du sollst einen Leuchter fertigen, generell, aus reinem Golde, speziell, getrieben sollst du den Leuchter fertigen, wiederum generell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung und wiederum eine Generalisierung folgt, so richte man sich nach der Spezialisierung; wie das speziell genannte Metall ist, ebenso jedes andere Metall.
7R. Jose b. Jehuda wendet [die Regel von der] Einschließung und Ausschließung an: du sollst einen Leuchter fertigen, einschließend, aus reinem Golde, ausschließend, getrieben sollst du den Leuchter fertigen, wiederum einschließend, und wenn auf eine Einschließung eine Ausschließung und wiederum eine Einschließung folgt, so ist alles einbegriffen. Einbegriffen ist alles andere und ausgeschlossen ist einer aus Ton.
8R. Papa sprach:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.