Sukka — Blatt 52b

1allzeit nur böse war. R. Šimo͑n b. Laqiš sagte: Der böse Trieb des Menschen übermächtigt sich seiner tagtäglich und trachtet ihn zu töten, denn es heißt: der Frevler lauert auf den Gerechten und trachtet ihn zu töten, und wenn der Heilige, gepriesen sei er, ihm nicht beistehen würde, könnte er sich seiner nicht erwehren, denn es heißt: der Herr läßt ihn nicht in seine Hand geraten und verdammt ihn bei seiner Rechten nicht.

2In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Begegnet dir dieses Scheusal, so schleppe es ins Lehrhaus mit; ist er Stein, so wird er zerrieben, ist er Eisen, so zersplittert er. Ist er Stein, so wird er zerrieben, denn es heißt: oh, ihr Durstigen alle, kommt zum Wasser , und es heißt: wie Wasser Steine zerreibt. Ist er Eisen, zersplittert er, denn es heißt: mein Wort ist ja wie Feuer, Spruch des Herrn, und wie ein Hammer Felsen zersplittert.

3R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Der böse Trieb verleitet den Menschen auf dieser Welt und zeugt gegen ihn in der zukünftigen Welt, denn es heißt: wenn man von Jugend auf seinen Knecht verzärtelt, so wird er am Ende ein Widerspenstiger [Manon], und in der AṬBḤ-Chiffredes R. Ḥija wird Sahada [Zeuge] ‘Manon’ genannt.

4R. Hona wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: denn ein hurerischer Geist hat sie betört, und es heißt: ist in ihnen!? Zuerst betört er sie, nachher ist er in ihnen.

5Raba sprach: Zuerst nannte er ihn einen Reisenden, nachher einen Gast und zuletzt einen Mann, denn es heißt: und es kam ein Reisender zum reichen Manne, da schonte er, eines von seinen Schafen und seinen Rindern zu nehmen, um es dem Gaste zuzubereiten; darauf heißt es: da nahm er das Lamm des Armen und bereitete es für den Mann, der zu ihm kam.

6R. Joḥanan sagte: Der Mensch hat ein kleines Glied, das, wenn er es hungern läßt, satt ist, und wenn er es sättigt, hungrig ist, denn es heißt: wenn sie sich kasteiten, wurden sie satt &c.

7R. Ḥana b. Aḥa sagte: In der Schule Rabhs sagten sie: Vier Dinge sind es, die erschaffen zu haben der Heilige, gepriesen sei er, bereut, und zwar: das Exil, die Chaldäer, die Jišma͑éliten und der böse Trieb. Das Exil, denn es heißt: und nun, was habe ich hier, Spruch des Herrn, da mein Volk umsonst hingenommen worden ist &c.? Die Chaldäer, denn es heißt: siehe das Land der Chaldäer, ein Volk, das nicht sein sollte.

8Die Jišma͑éliten, denn es heißt: wohlbehalten stehen den Räubern ihre Zelte, und sorglos leben, die Gottes Zorn erregen, wer seinen Gott in seiner Hand führt. Der böse Trieb, denn es heißt: daß ich Böses verursacht hatte.

9R. Joḥanan sagte: Wenn nicht folgende drei Schriftverse, würden die Füße der Feinde Jisraéls gewankt haben. Einer lautet: Daß ich Böses verursacht hatte. Einer lautet: Siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr &c. Und einer lautet: Ich entferne das steinerne Herz aus eurem Leibe und gebe euch ein fleischernes Herz.

10R. Papa sagte: Auch folgender, es heißt: Ich will meinen Geist in euch geben &c.

11Und der Herr zeigte mir vier Schmiede. Wer sind diese vier Schmiede? R. Ḥana b. Bizna erwiderte im Namen R. Šimo͑n des Frommen: Der Messias, der Sohn Davids, der Messias, der Sohn Josephs, Elijahu und der Priester der Gerechtigkeit. R. Šešeth wandte ein: Demnach sind sie diejenigen, über die es [weiter] heißt: und er sprach zu mir: Jene sind die Hörner, die Jehuda zerstreut haben; diese sollen es ja sammeln!?

12Jener erwiderte: Hinab zum Schlüsse des Verses: diese aber sind gekommen, um sie in Schrecken zu setzen, um die Hörner der Völker niederzuschlagen, die das Horn wider das Jisraélland erhoben, um es zu zerstreuen &c. Hierauf sprach dieser: Was bin ich Ḥana gegenüber in der Agada!?

13Und es wird Friede sein. Wenn Asur in unser Land einfällt und unsere Paläste betritt, so werden wir ihm sieben Hirten entgegenstellen und acht fürstliche Männer. Wer sind diese sieben Hirten? – David in der Mitte, Adam, Šeth und Methušelaḥ zu seiner Rechten, Abraham, Ja͑qob und Moše zu seiner Linken. – Wer sind diese acht fürstlichen Männer? – Jišaj, Šau͑l, Šemuél, Amos, Çephanja, Çidqija, der Messias und Elijahu.

14VIER LEITERN &C. Es wird gelehrt: Die Höhe des Kandelabers betrug fünfzig Ellen. VIER KNABEN VON DEN PRIESTERJÜNGLINGEN MIT HUNDERTZWANZIG LOG FASSENDEN KRÜGEN IN DEN HÄNDEN. Sie fragten: Hundertzwanzig Log in allen zusammen, oder in jedem einzelnen? – Komm und höre: Mit je dreißig Log fassenden Ölkrügen in den Händen, zusammen hundertzwanzig Log.

15Es wird gelehrt: Sie waren dem Sohne der Martha, der Tochter des Boëthos, überlegen. Man erzählt vom Sohne der Martha, der Tochter des Boëthos, daß er zwei Keulen von einem großen Ochsen im Preise von tausend Zuz nahm und Ferse an Zehe ging. Seine Priesterbrüder ließen dies aber nicht zu, denn: in der Menge des Volkes besteht des Königs Herrlichkeit. –

16Wieso waren sie überlegen: wollte man sagen wegen des Gewichtes, so waren jene ja schwerer!? Da war es eine Rampe, viereckig und nicht steil, hier aber waren es ja nur Leitern und sehr steil.

17Es GAB KEINEN HOF IN JERUŠALEM. Es wird gelehrt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.