Sukka — Blatt 53b

1und sie in den Abgrund werfen darf, um ihn zu beruhigen? Niemand war da, der ihm Antwort gab. Da sprach David: Wer zu antworten weiß und es unterläßt, möge (am Halse) ersticken. Hierauf folgerte Aḥitophel [einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere: wenn um Frieden zwischen Mann und Frau zu stiften, die Tora erlaubt hat, seinen in Heiligkeit geschriebenen Namen durch Wasser verwischen zu lassen, um wieviel mehr, um der ganzen Welt Frieden zu schaffen. Er sprach hierauf zu ihm: Es ist erlaubt.

2Hierauf schrieb er den Gottesnamen auf eine Scherbe und warf diese in den Abgrund. Da senkte sich der Abgrund sechzehntausend Ellen. Nachdem er aber gesehen hatte, daß er zu tief gesunken war, sprach er: Je höher er ist, desto feuchter ist die Erde. Da dichtete er die fünfzehn Stufengesänge und ließ ihn fünfzehntausend Ellen hoch steigen, sodaß er bei tausend Ellen stehen blieb. U͑la sprach: Hieraus zu entnehmen, daß die Dicke der Erde tausend Ellen beträgt. – Wir sehen ja aber, daß man nur wenig gräbt und Wasser hervorquillt!? R. Mešeršeja erwiderte: Dieses kommt aus den Kanälen des Euphrat.

3AM OBEREN TORE &C. STANDEN [ZWEI] PRIESTER &C. R. Jirmeja fragte: Ist unter ‘zehnte’ Stufe zu verstehen, sie stiegen fünf hinab und blieben bei zehn stehen, oder aber, sie stiegen zehn hinab und blieben bei fünf stehen? – Dies bleibt unentschieden.

4Die Rabbanan lehrten: Wenn es heißt: mit dem Gesichte gegen Osten, so weiß ich ja, daß mit dem Rücken gegen den Tempel des Herrn,

5wozu heißt es: mit dem Rücken gegen den Tempel des Herrn!? Dies lehrt, daß sie sich entblößt und nach unten gewendet entleerten.

6WIR ABER zu GOTT UND ZU GOTT UNSERE AUGEN. Dem ist ja aber nicht so. R. Zera sagte ja, wenn man zweimal ‘Höre’ sagt, sei es ebenso als sage man zweimal ‘Wir danken’. – Vielmehr, sie sagten wie folgt: Jene bückten sich gegen Osten, wir aber bekennen uns zu Gott, und unsere Augen sind auf Gott gerichtet.

7MAN BLÄST IM TEMPEL NICHT WENIGER ALS EINUNDZWANZIG TÖNE UND NIGHT MEHR ALS ACHTUNDVIERZIG TÖNE. AN JEDEM TAGE BLIES MAN DA EINUNDZWANZIG TÖNE: DREI BEIM ÖFFNEN DER TORA, NEUN BEIM BESTÄNDIGEN MORGENOPFER UND NEUN BEIM BESTÄNDIGEN ABENDOPFER; BEIM ZUSATZOPFER FÜGTE MAN NOCH NEUN HINZU;

8AM VORABEND DES ŠABBATHS FÜGTE MAN NOCH SECHS HINZU: DREI, DASS DAS VOLK DIE ARBEIT EINSTELLE, UND DREI, UM ZWISCHEN HEILIG UND PROFAN ZU UNTERSCHEIDEN.

9AM VORABEND DES ŠABBATHS WÄHREND DES [HÜTTEN]FESTES WAREN ES ACHTUNDVIERZIG: DREI DEIM ÖFFNEN DER PFORTEN, DREI AM OBEREN TORE, DREI AM UNTEREN TORE, DREI BEIM WASSERSGHÖPFEN, DREI AM ALTAR, NEUN BEIM BESTÄNDIGEN MORGENOPFER, NEUN BEIM BESTÄNDIGEN ABENDOPFER, NEUN BEIM ZUSATZOPFER, DREI, DASS DAS VOLK DIE ARBEIT EINSTELLE, UND DREI, UM ZWISCHEN HEILIG UND PROFAN ZU UNTERSCHEIDEN.

10GEMARA. Unsere Mišna lehrt nicht nach R. Jehuda; denn es wird gelehrt: R. Jehuda sagt, wenn man wenig [bläst], nicht weniger als sieben, und wenn viel, nicht mehr als sechzehn. – Worin besteht ihr Streit? – R. Jehuda ist der Ansicht, der Stoßton, der Trillerton und der Stoßton zähle zusammen als ein Ton, und die Rabbanan sind der Ansicht, der Stoßton besonders und der Trillerton besonders. –

11Was ist der Grund R. Jehudas? – Die Schrift sagt: ihr sollt [in die Posaune] stoßen trillernd, ferner auch: trillernd [in die Posaune] stoßen; wie ist dies zu erklären? Stoßton und Trillerton sind dasselbe. – Und die Rabbanan!? – Dies deutet darauf, daß vor und nach [dem Trillerton] ein einfacher [Stoßton] zu blasen ist. –

12Was ist der Grund der Rabbanan? Es heißt: wenn die Gemeinde versammelt werden soll, so sollt ihr [in die Posaune] stoßen, aber nicht trillern. Wollte man sagen, Stoßton und Trillerton gehören zusammen, so befiehlt ja der Allbarmherzige, eine Hälfte des Gebotes auszuüben und die andere Hälfte nicht!? – Und R. Jehuda!? – Da war [das Blasen] nur ein Kommando. –

13Und die Rabbanan!? – Allerdings war es ein Kommando, jedoch hat es der Allbarmherzige zum Gebote gemacht. – Das, was R. Kahana gesagt hat, zwischen dem einfachen [Stoßtone] und Trillertone dürfe absolut nicht unterbrochen werden, ist also nach R. Jehuda. – Selbstverständlich!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.