Sukka — Blatt 7b

1Wenn man auf eine Durchgangsgasse, die einen Pfeiler hat, Hüttenbedachung legt, so ist dies [als Festhütte] brauchbar.

2Ferner sagte Raba: Wenn man auf Brunnenpfeiler Hüttenbedachung legt, so ist dies [als Festhütte] brauchbar.

3Und [alle drei Lehren] sind nötig. Würde er es nur von der Durchgangsgasse gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil da zwei richtige Wände vorhanden sind, nicht aber gilt dies von den Brunnenpfeilern, wo keine zwei richtigen Wände vorhanden sind.

4Würde er es nur von den Brunnenpfeilern gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil da dem Namen nach vier Wände vorhanden sind, nicht aber wenn man Hüttenbedachung auf eine Durchgangsgasse legt, wo auch keine vier Wände dem Namen nach vorhanden sind.

5Und würde er es nur von diesen beiden gelehrt haben, [so könnte man glauben,] man folgere nur vom Strengen auf das Leichtere, nicht aber vom Leichteren auf das Strengere. Daher [sind alle Lehren] nötig.

6DIE MEHR SONNE ALS SCHATTEN GEWÄHRT.

7Die Rabbanan lehrten: Nur wenn die Sonne durch die Hüttenbedachung [dringt], nicht aber wenn durch die Wände. R. Jošija sagt, auch durch die Wände.

8R. Jemar b. Šelemja sagte im Namen Abajjes: Was ist der Grund R. Jošijas? Es heißt: du sollst die Bundeslade mit dem Vorhange bedecken; der Vorhang war ja eine Scheidewand, und der Allbarmherzige nennt dies ‘bedecken’. Demnach gleichen die Wände der Hüttenbedachung. –

9Und die Rabbanan!? – Dies besagt, daß er [oben] ein wenig übergeschlagen werde, damit er wie eine Bedachung aussehe.

10Abajje sagte: Rabbi, R. Jošija, R. Jehuda, die Schule Šammajs, R. Šimo͑n (b. Gamliél), R. Gamliél, R. Elie͑zer und die anderen sind sämtlich der Ansicht, die Festhütte müsse eine permanente Wohnung sein.

11Rabbi, denn es wird gelehrt: Rabbi sagt, eine Festhütte, die keine vier zu vier Ellen hat, ist unbrauchbar.

12R. Jošija, wie wir eben gesagt haben.

13R. Jehuda, denn wir haben gelernt: Eine Festhütte, die mehr als zwanzig Ellen hoch ist, ist unbrauchbar, nach R. Jehuda aber brauchbar.

14R. Šimo͑n, denn es wird gelehrt: Zwei müssen vorschriftsmäßig sein und für die Mitte reicht eine Handbreite; R. Šimo͑n sagt, drei vorschriftsmäßig, und für die vierte eine Handbreite.

15R. Gamliél, denn es wird gelehrt: Wenn jemand seine Festhütte auf der Höhe eines Wagens oder auf der Höhe eines Schiffes macht, so ist sie nach R. Gamliél unbrauchbar und nach R. A͑qiba brauchbar.

16Die Schule Šammajs, denn wir haben gelernt: Wenn jemand sich mit dem Kopfe und dem größeren Teile des Körpers in der Festhütte befindet, den Tisch aber in der Stube hat, so ist sie nach der Schule Šammajs unbrauchbar und nach der Schule Hillels brauchbar.

17R. Elie͑zer, denn wir haben gelernt: Wenn jemand seine Festhütte nach der Art einer Binsenhütte macht, oder an eine Wand lehnt, so ist sie nach R. Elie͑zer unbrauchbar, weil sie kein Dach hat, und nach den Weisen brauchbar.

18Die Anderen, denn es wird gelehrt: Andere sagen, eine Festhütte, die nach der Art eines Taubenschlages gemacht ist, sei unbrauchbar, weil sie keine Winkel hat.

19R. Joḥanan sagte: Eine Festhütte, die nach der Art eines Kalkofens gemacht, ist, ist, wenn im Kreise vierundzwanzig Personen sitzen können, brauchbar, wenn aber nicht, unbrauchbar. –

20Also nach Rabbi, welcher sagt, eine Festhütte, die keine vier zu vier Handbreiten hat, sei unbrauchbar.

21Merke, ein Mensch nimmt ja beim Sitzen eine Elle ein, und da alles, was drei Handbreiten im Umfange hat, im Durchmesser eine Handbreite hat, so genügen auch zwölf!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.