Sukka — Blatt 9a
1EINE ALTE FESTHÜTTE IST NACH DER SCHULE ŠAMMAJS UNBRAUCHBAR UND NACH DER SCHULE HILLELS BRAUCHBAR. WELCHE HEISST EINE ALTE FESTHÜTTE? DIE MAN DREISSIG TAGE VOR DEM FESTE ERRICHTET HAT. HAT MAN SIE ABER FÜR DAS FEST ERRICHTET, SO IST SIE BRAUCHBAR, SELBST WENN SEIT ANFANG DES JAHRES.
2GEMARA. Was ist der Grund der Schule Šammajs? – Die Schrift sagt: sieben Tage Hüttenfest für den Herrn; es muß eine Hütte sein, die für das Fest gemacht wurde. –
3Und die Schule Hillels!? – Dieser [Schriftvers] ist wegen einer Lehre des R. Šešeth nötig, denn R. Šešeth sagte im Namen R. A͑qibas: Woher, daß das Holz der Festhütte während der ganzen sieben Tage [zur Verwendung] verboten ist? Es heißt: sieben Tage Hüttenfest für den Herrn.
4Ferner wird gelehrt: R. Jehuda b. Bethera sagte: Wie das Festopfer den Namen Gottes trägt, ebenso trägt auch die Festhütte den Namen Gottes, denn es heißt: sieben Tage Hüttenfest für den Herrn; wie das Fest[opfer] für den Herrn, ebenso die Festhütte für den Herrn. –
5Auch die Schule Šammajs braucht ja diesen [Schriftvers] hierfür!? Allerdings, dem ist auch so. –
6Was ist demnach der Grund der Schule Šammajs? – Es gibt noch einen anderen Schriftvers: das Hüttenfest sollst du dir sieben Tage machen; es muß eine Hütte sein, die für das Fest gemacht wurde. –
7Und die Schule Hillels!? – Dieser Vers deutet darauf, daß man auch am Halbfeste eine Festhütte mache. –
8Und die Schule Šammajs!? – Sie ist der Ansicht R. Elie͑zers, welcher sagt, man mache am Halbfeste keine Festhütte. –
9Hält denn die Schule Hillels nichts von dem, was R. Jehuda im Namen Rabhs gelehrt hat!? R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Hat man [die Çiçith] aus Kettenfransen, Noppen oder Webezotten gefertigt, so sind sie untauglich, wenn von [fertigen] Knäulen, so sind sie tauglich.
10Als ich dies Šemuél vortrug, sprach er zu mir: Auch wenn man sie von [fertigen] Knäulen gefertigt hat, sind sie untauglich, weil das Spinnen zu diesem Zwecke erfolgen muß. Ebenso sollte auch hierbei die Festhütte als solche gemacht werden müssen!?
11Anders ist es da; die Schrift sagt: du sollst dir Quasten fertigen, dir: zum Behufe deiner Pflicht. – Auch hierbei heißt es ja: das Hüttenfest sollst da dir machen, dir: zum Behufe deiner Pflicht!? –
12Dies schließt das Geraubte aus. – Auch da schließt es ja das Geraubte aus!? –
13Da gibt es noch einen anderen Schriftvers : sie sollen sich [Çiçith] machen, aus eigenem.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.