Taanit — Blatt 18b
1so sind an diesen dennoch Fasten und Trauer erlaubt. Wann: wenn am vierzehnten für diejenigen, die sie am vierzehnten zu lesen haben, so ist es ja nicht erlaubt,
2denn in der Fastenrolle heißt es, der vierzehnte und der fünfzehnte [Adar] seien Tage des Purimfestes, an denen die Trauer verboten ist, und Raba sagte, [dies lehre,] daß es für diese an jenem und für jene an diesem verboten sei!?
3Wenn am dreizehnten für diejenigen, die sie am vierzehnten zu lesen haben, so ist dieser ja Nikanortag!? Und wenn am zwölften für diejenigen, die sie am vierzehnten zu lesen haben, so ist dieser ja Trajantag!?
4Doch wohl, wenn man sie am elften liest, dennoch lehrt er, daß dann Trauer und Fasten erlaubt seien!? –
5Nein, am zwölften für diejenigen, die sie am vierzehnten zu lesen haben, und wenn du einwendest, dieser sei Trajantag, so hat man ja den Trajantag aufgehoben, weil an diesem Šema͑ja und dessen Bruder Aḥija getötet wurden. So verfügte R. Naḥman ein Fasten auf den zwölften, und als die Rabbanan ihm vorhielten, dieser sei ja Trajantag, erwiderte er, man habe das Trajan[fest] aufgehoben, weil an diesem Šema͑ja und dessen Bruder Aḥija getötet wurden. –
6An diesem sollte es doch schon deshalb [verboten] sein, weil er dem Nikanortage vorangeht!? R. Aši erwiderte: Wenn man sogar seine eigene [Feier] aufgehoben hat, wie sollte man an diesem die des Nikanortages berücksichtigen!?
7Welches Bewenden hat es mit dem Nikanortage (und dem Trajantage)? – Es wird gelehrt: Nikanor war einer von den griechischen Eparchen, und jeden Tag pflegte er seine Hand gegen Jehuda und Jerušalem zu schwingen und zu sprechen: Wann fällt dieses in meine Hand, daß ich es zertrete!? Als aber die Ḥasmonäischen Herrscher an Übermacht gewannen und [die Griechen] besiegten, schlugen sie ihm die Daumen der Hände und Füße ab und hingen sie vor den Toren Jerušalems auf, indem sie sprachen: An dem Munde, der in Hochmut sprach, und an den Händen, die gegen Jerušalem schwangen, soll nun Rache geübt werden!
8Welches Bewenden hat es mit dem Trajantage? – Man erzählt: Als Trajan den Julianus und dessen Bruder Papos in Lud töten wollte, sprach er zu ihnen: Wenn ihr zum Volke gehört, dem Ḥananja, Mišaél und A͑zarja angehörten, so mag euer Gott kommen und euch aus meiner Hand retten, wie er Ḥananja, Mišaél und A͑zarja aus der Hand Nebukhadneçars rettete. Diese erwiderten ihm: Ḥananja, Mišaél und A͑zarja waren überaus fromme Männer und würdig, daß ihnen ein Wunder geschehe, auch war Nebukhadneçar ein erlauchter König und würdig, daß seinethalben ein Wunder geschehe;
9dieser Frevler aber ist gemein und nicht würdig, daß seinethalben ein Wunder geschehe. Wenn wir uns vor Gott des Unterganges schuldig gemacht haben und du uns nicht tötest, so gibt es für Gott viele Henker; viele Bären und Löwen hat Gott auf seiner Welt, die uns überfallen und töten können. Der Heilige, gepriesen sei er, hat uns nur deshalb in deine Hand geliefert, um dereinst unser Blut aus deiner Hand zu fordern.
10Dennoch ließ er sie sofort töten. Man erzählt, noch rührten sie sich nicht von der Stelle, da kamen zwei Räte aus Rom und zerschlugen sein Gehirn mit Stöcken.
11MAN VERFÜGE DIE GEMEINDEFASTEN NICHT MIT DEM DONNERSTAG BEGINNEND &C. MAN VERFÜGE KEIN FASTEN AUF NEUMONDE &C. Was heißt ‘begonnen’? – R. Aḥa sagt, wenn man drei, R. Asi sagt, wenn man ein [Fasten abgehalten hat].
12R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Dies ist die Ansicht R. Meírs im Namen des R. Šimo͑n b.Gamliél, die Weisen aber sagen, man faste und beende es. Mar Zuṭra trug im Namen R. Honas vor: Die Halakha ist, man faste und beende es.
13DIESE GENANNTE ORDNUNG VON DEN FASTEN GILT NUR VOM ERSTEN REGENFALLE, WENN ABER DIE GEWÄCHSE ENTARTEN, WIRD DIESERHALB SOFORT GELÄRMT. EBENSO BEGINNT MAN SOFORT ZU LÄRMEN, WENN ZWISCHEN DEM EINEN REGEN UND DEM ANDEREN REGEN DER REGEN VIERZIG TAGE AUSSETZT, WEIL DIES DIE PLAGE DER DÜRRE IST.
14REGNET ES FÜR GEWÄCHSE UND NICHT FÜR DIE BÄUME, FÜR DIE BÄUME UND NICHT FÜR GEWÄCHSE, ODER FÜR DIESE UND JENE, ABER NICHT FÜR BRUNNEN, GRUBEN UND HÖHLEN, SO LÄRME MAN DIESERHALB SOFORT. DESGLEICHEN AUCH, WENN ÜBER EINE EINZELNE STADT KEIN REGEN GEKOMMEN IST, WIE ES HEISST: ich werde über eine Stadt Regen fallen lassen, über die andere nicht, das eine Feld wird vom Regen betroffen &c.;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.