Taanit — Blatt 2b
1und öffnete ihren Mutterschoß. Den der Totenbelebung, denn es heißt: damit ihr erkennet, daß ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber öffne.
2Im Westen sagten sie, auch den Schlüssel des Lebensunterhaltes, denn es heißt: du öffnest deine Hand &c. – Weshalb zählt R. Joḥanan diesen nicht mit? – Er kann dir erwidern: der des Regens ist ja der des Lebensunterhaltes.
3R. ELIE͑ZER SAGT, VOM ERSTEN TAGE DES HÜTTENFESTES AN &C. Sie fragten: Woher entnimmt dies R. Elie͑zer: entnimmt er es vom Feststrauße oder entnimmt er es vom Wassergießen?
4Entnimmt er es vom Feststrauße, so hat die Erwähnung erst am Tage zu erfolgen, wie auch das Gebot des Feststraußes nur am Tage Geltung hat; entnimmt er es vom Wassergießen, so hat die Erwähnung bereits am Abend zu erfolgen, wie auch das Wassergießen nachts Geltung hat, denn der Meister sagte: nebst den Speisopfern und den Gußopfern, auch nachts. –
5Komm und höre: R. Abahu sagte, R. Elie͑zer entnehme es vom Feststrauße. Manche sagen, R. Abahu habe es als Überlieferung, und manche sagen, er habe es aus einer Barajtha. – Aus welcher? –
6Es wird gelehrt: Von wann an erwähne man [im Gebete] des Regens? R. Elie͑zer sagt, von der Stunde an, wo man den Feststrauß nimmt; R. Jehošua͑ sagt, von der Stunde an, wo man ihn fortlegt.
7R. Elie͑zer sprach: Die vier Arten [des Feststraußes] kommen ja nur als Fürsprecher für das Wasser, und wie die vier Arten ohne Wasser nicht bestehen können, so kann auch die Welt ohne Regen nicht bestehen.
8R. Jehošua͑ sprach zu ihm: Am Hüttenfeste ist ja der Regen nichts als ein Zeichen des Fluches! R. Elie͑zer erwiderte: Ich sage auch nicht, daß man darum bitte, sondern nur, daß man seiner erwähne. Und wie man der Totenbelebung während des ganzen Jahres erwähnt, obgleich sie nur zur bestimmten Zeit erfolgt, ebenso kann man auch der Regenkraft während des ganzen Jahres erwähnen, obgleich sie nur zur geeigneten Zeit dienlich ist. Daher kann man, wenn man [des Regens] während des ganzen Jahres erwähnen will, dies tun. Rabbi sagte: Ich bin der Ansicht, mit dem Aufhören der Bitte höre auch die Erwähnung auf.
9R. Jehuda b.Bethera sagt, am zweiten [Tage] des Hüttenfestes [beginne man] seiner zu erwähnen. R. A͑qiba sagt, am sechsten [Tage] des Hüttenfestes [beginne man] seiner zu erwähnen. R. Jehuda im Namen R. Jehošua͑s sagt, am letzten Tage des Hüttenfestes erwähne seiner, der als letzter vor das Betpult tritt, der erste aber nicht; am ersten Tage des Pesaḥfestes erwähne seiner, der als erster vor das Betpult tritt, der letzte aber nicht. –
10R. Elie͑zer wandte ja gegen R. Jehošua͑ treffend ein!? – R. Jehošua͑ kann dir erwidern: Allerdings ist der Totenbelebung immer zu erwähnen, weil dies jeden Tag erfolgen kann,
11aber ist etwa der Regen zu jeder Zeit geeignet!? Wir haben ja gelernt: Kommt Regen, nachdem der Nisan vorüber ist, so ist dies ein Zeichen des Fluches, denn es heißt: ist ja heute Weizenernte &c.
12«R. Jehuda b. Bethera sagt, am zweiten Tage des Hüttenfestes [beginne man] seiner zu erwähnen.» Was ist der Grund des R. Jehuda b. Bethera? – Es wird gelehrt: R. Jehuda b.Bethera sagte:
13Beim zweiten [Tage] heißt es kemišpaṭam, beim sechsten heißt es unsakeha und beim siebenten heißt es kemišpaṭam,
14das sind also Mem, Jod und Mem, die Majim [Wasser] ergeben; hieraus wissen wir in der Tora eine Andeutung für das Wassergießen.
15Und da die Schrift dies beim zweiten [Tage] andeutet, so beginne man mit der Erwähnung am zweiten.
16«R. A͑qiba sagt, am sechsten [Tage] des Hüttenfestes [beginne man] seiner zu erwähnen.» Denn bei diesem heißt es: und ihre Gußopfer, die Schrift spricht also von zwei Libationen, von der Wasserlibation und von der Weinlibation. –
17Vielleicht beide aus Wein!? – Er ist der Ansicht des R. Jehuda b.Bethera, welcher sagt, das Wasser sei angedeutet. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.