Taanit — Blatt 3a

1Wenn er der Ansicht des R. Jehuda b.Bethera ist, so sollte er mit ihm übereinstimmen!? – R. A͑qiba ist der Ansicht, die zweifache Libation wird ja beim sechsten [Tage] angedeutet.

2Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Im Heiligtume ist ein Rauschtrank-Gußopfer dem Herrn zu gießen; die Schrift spricht von zwei Libationen, von der Wasserlibation und von der Weinlibation. – Vielleicht beide aus Wein!? – Wenn dem so wäre, so sollte es entweder gießen gießen oder Gußopfer Gußopfer heißen, wenn es aber gießen Gußopfer heißt, so ist zu entnehmen, daß eines auf die Wasserlibation und eines auf die Weinlibation deute. –

3Wer lehrte das, was wir gelernt haben: das Wassergießen währt sieben Tage: wenn R. Jehošua͑, so ist es ja ein Tag, wenn R. A͑qiba, so sind es ja zwei Tage, und wenn R. Jehuda b.Bethera, so sind es ja sechs Tage!? –

4Tatsächlich R. Jehuda b.Bethera, und er ist der Ansicht R. Jehudas der folgenden Mišna. Wir haben nämlich gelernt: R. Jehuda sagt, er goß alle acht Tage mit einem ein Log [fassenden Gefäße]. – Er schließt also den ersten Tag aus und den achten ein;

5am ersten wohl deshalb nicht, weil das Wasser beim zweiten angedeutet ist, somit sollte dies auch vom achten gelten, da das Wasser beim siebenten angedeutet ist!? –

6Vielmehr, tatsächlich ist es R. Jehošua͑, nur ist das Wassergießen an allen sieben Tagen eine überlieferte Lehre.

7R. Ami sagte nämlich im Namen R. Joḥanans im Namen des R. Neḥunja aus dem Tale Beth Ḥivartan, [die Lehren] von den zehn Setzlingen, der Bachweide und dem Wassergießen seien Moše am Sinaj überlieferte Halakhoth.

8«R. Jehuda im Namen R. Jehošua͑s sagt, am letzten Tage des Hüttenfestes erwähne seiner der als letzter vor das Betpult tritt, der erste aber nicht, am ersten Tage des Pesaḥfestes erwähne seiner der als erster vor das Betpult tritt, der letzte aber nicht.»

9Welcher R. Jehošua͑: wenn R. Jehošua͑ unserer Mišna, so sagt er ja, man erwähne seiner vom letzten Tage des Hüttenfestes an,

10und wenn R. Jehošua͑ der Barajtha, so sagt er ja, von der Stande an, wo man [den Feststrauß] fortlegt!?

11Ferner wird gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen Ben Betheras, am letzten Tage des Hüttenfestes erwähne seiner der als letzter vor das Betpult tritt. Welcher Ben Bethera: wenn R. Jehuda b. Bethera, so sagt er ja, [man beginne] seiner am zweiten Tage des Hüttenfestes zu erwähnen!?

12R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: [An beiden Stellen] ist es R. Jehošua͑ b.Bethera, der zuweilen bei seinem eigenen Namen und zuweilen beim Namen seines Vaters genannt wird. Dies bevor er ordiniert wurde, jenes nachdem er ordiniert wurde.

13Es wird gelehrt: Die Weisen haben nicht verpflichtet, des Taus und der Winde zu erwähnen, wenn man ihrer aber erwähnen will, so erwähne man. – Aus welchem Grunde? R. Ḥanina erwiderte: Weil sie nicht zurückgehalten werden. –

14Woher, daß der Tau nicht zurückgehalten wird? – Es heißt: da sprach Elijahu der Tišbite, von den Eingesessenen Gilea͑ds zu Aḥáb: So wahr der Herr, der Gott Jisraéls, lebt, in dessen Dienst ich stehe: es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, außer ich selbst kündige es an; weiter aber heißt es: gehe, zeige dich dem Aḥa͑b, damit ich Regen auf den Erdboden sende; vom Tau sagte er ihm also nicht, weil

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.