Taanit — Blatt 5a
1Raba aber sagte, sobald man [des Regens zu erwähnen] begönnen hat, unterbreche man nicht mehr. Ebenso sagte R. Šešeth, sobald man begonnen hat, unterbreche man nicht mehr.
2Und auch Rabh ist [von seiner Lehre] abgekommen, denn R. Ḥananél sagte im Namen Rabhs: Man zähle einundzwanzig Tage, wie man die zehn [Buß]tage vom Neujahr bis zum Versöhnungstage zählt, und beginne [des Regens zu erwähnen], und sobald man begonnen hat, unterbreche man nicht mehr. Die Halakha ist: sobald man begonnen hat, unterbreche man nicht mehr.
3BIS WANN BITTE MAN UM REGEN? R. JEHUDA SAGT, BIS DAS PESAḤFEST VORÜBER IST; R. MEÍR SAGT, BIS DER NISAN VORÜBER IST, DENN ES HEISST: er wird euch im ersten [Monat] Frühregen und Spätregen herniedersenden.
4GEMARA. R. Naḥman sprach zu R. Jiçḥaq: Kommt denn der Frühregen im Nisan, er kommt ja im Marḥešvan!? Es wird nämlich gelehrt: Der Frühregen [fällt] im Marḥešvan und der Spätregen im Nisan. Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: dieser Schriftvers ging zur Zeit Joéls, des Sohnes Petuéls, in Erfüllung, denn es heißt:was der Nager zurückließ, zehrte die Heuschrecke auf &c. In jenem Jahre verstrich der Adar ohne Regen, und erst am ersten Nisan kam der erste Regenfall.
5Da sprach der Prophet zu Jisraél: Zieht aus und säet. Diese erwiderten ihm: Soll, wer einen Kab Weizen oder zwei Kab Gerste hat, essen und leben oder säen und sterben!? Hierauf sprach er zu ihnen: Trotzdem zieht aus und säet. Da geschah ihnen ein Wunder, und sie fanden, was in den Wandspalten und Ameisenlöchern verborgen war.
6Alsdann zogen sie aus und säeten am zweiten, am dritten und am vierten, am fünften Nisan kam der zweite Regenfall, und am sechzehnten Nisan brachten sie die Schwingegarbe dar. Das Getreide, das sonst in sechs Monaten wächst, wuchs ihnen also in elf Tagen, und die Schwingegarbe, die sonst von sechsmonatigem Getreide dargebracht wird, wurde von elftägigem Getreide dargebracht.
7Von diesem Zeitalter heißt es: die unter Tränen säen, ernten mit Jubel; weinend geht er dahin, der den Samen zur Aussaat trägt &c. – Was heißt: weinend geht er dahin, der den Samen zur Aussaat trägt &c.? R. Jehuda erwiderte: Beim Pflügen geht der Ochs weinend, aber bei seiner Rückkehr frißt er das Gras vom Beete. Darum [heißt es] : mit Jubel kehrt er heim.
8Was heißt: er trägt seine Garben? R. Ḥisda erwiderte, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt: Eine Spanne der Halm, die Ähre zwei Spannen.
9R. Naḥman sprach zu R. Jiçḥaq: Es heißt: denn der Herr hatte eine siebenjährige Hungersnot herbeigerufen und sie ist in das Land bereits eingetreten; was aßen sie in diesen sieben Jahren?
10Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: im ersten Jahre aßen sie, was sich noch in den Wohnungen befand; im zweiten aßen sie, was sich noch auf den Feldern befand, im dritten das Fleisch reiner Tiere, im vierten das Fleisch unreiner Tiere, im fünften das Fleisch von Ekel- und Kriechtieren, im sechsten das Fleisch ihrer Söhne und Töchter, und im siebenten das Fleisch ihrer eigenen Arme. So heißt es: ein jeder frißt das Fleisch seines Armes.
11Ferner sprach R. Naḥman zu R. Jiçḥaq: Es heißt: als Heiliger in deiner Mitte, ich komme nicht in die Stadt; kommt er etwa deshalb nicht in die Stadt, weil er als Heiliger in ihrer Mitte ist!? Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ich komme nicht eher in das obere [himmlische] Jerušalem, als bis ich in das untere Jerušalem gekommen bin. –
12Gibt es denn auch oben ein Jerušalem? – Freilich, denn es heißt: Jerušalem, du [wieder] erbaute, wie eine zusammengepaarte Stadt.
13Ferner sprach R. Naḥman zu R. Jiçḥaq: Was bedeutet der Schriftvers: und in einem sind sie dumm und töricht, Unterweisung der Eitelkeit, Holz ist es? Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: eines ist es, was die Frevler im Fegefeuer vernichtet, das ist der Götzendienst. Hier heißt es: Unterweisung der Eitelkeit, Holz es, und [vom Götzendienste] heißt es: Eitelkeit sind sie, ein Irrwerk.
14Ferner sprach R. Naḥman zu R. Jiçḥaq: Es heißt: denn zwei Freveltaten hat mein Volk verübt; zwei nennt er und vierundzwanzig läßt er fort!? Dieser erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan: eine [Freveltat] ist es,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.