Taanit — Blatt 4b

1R. Jehošua͑ ist, welcher sagt, von der Stunde an, wo man ihn fortlegt. Da sprach Raba: Du kannst auch sagen, daß es R. Elie͑zer ist, denn ‘Bitte’ und ‘Erwähnung’ sind von einander verschieden.

2R. JEHUDA SAGT, WER VOR DAS BETPULT TRITT &C.

3Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Bis wann bitte man um Regen? R. Jehuda sagt, bis das Pesaḥfest vorüber ist, R. Jose sagt, bis der Nisan vorüber ist!?

4R. Ḥisda erwiderte: Das ist kein Widerspruch; das eine gilt von der Bitte und das andere von der Erwähnung. Bitten kann man länger, zu erwähnen hört man jedoch am ersten Tage [des Pesaḥfestes] auf.

5U͑la sprach: Von dem, was R. Ḥisda sagt, [heißt es]: wie Essig für die Zähne und Rauch für die Augen. Wenn man dann, wenn man um Regen nicht bittet, seiner erwähnt, um wieviel mehr muß man seiner erwähnen, wenn man darum bittet!?

6Vielmehr, erklärte U͑la, streiten zwei Tannaím über die Ansicht R. Jehudas.

7R. Joseph erklärte: unter ‘bis das Pesaḥfest vorüber ist’ ist zu verstehen: bis der erste Gemeindevertreter am ersten Tage des Pesaḥfestes vorüber ist.

8Abajje sprach zu ihm: Wird denn am Festtage die Bitte [gesprochen]!?

9Dieser erwiderte: Freilich, der Vortragende spricht die Bitte. – Bittet denn der Vortragende um etwas, dessen die Gemeinde nicht benötigt!? – Vielmehr, am richtigsten ist es, wie U͑a erklärt hat.

10Raba erklärte: Unter ‘bis das Pesaḥfest vorüber ist’ ist zu verstehen: bis die Zeit des Schlachtens des Pesaḥopfers vorüber ist. Wie beim Beginnen, so auch beim Aufhören: wie man beim Beginnen [des Regens] erwähnt, obgleich man darum noch nicht bittet, ebenso erwähnt man dessen beim Aufhören, obgleich man darum nicht bittet.

11Abajje sprach zu ihm: Allerdings ist die Erwähnung beim Beginnen eine Einleitung der Bitte, was soll aber die Einleitung der Bitte beim Aufhören!? – Vielmehr, am richtigsten ist es, wie U͑la erklärt hat.

12R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist wie R. Jehuda. R. Zera sprach zu R. Asi: Kann R.Joḥanan dieses denn gesagt haben, wir haben ja gelernt: Am dritten Marḥešvan [beginne man] um Regen zu bitten; R. Gamliél sagt, am siebenten desselben. Und hierzu sagte R. Elea͑zar, die Halakha sei wie R. Gamliél!?

13Dieser erwiderte: Du weisest auf einen Widerspruch zwischen zwei verschiedenen Personen hin!? Wenn du aber willst, sage ich: dies ist überhaupt kein Widerspruch, denn das eine gilt vom Bitten und das andere von der Erwähnung. –

14R. Joḥanan sagte ja aber, man erwähne [des Regens] da, wo man um ihn bittet!? – Dies wurde vom Aufhören gelehrt. – R. Joḥanan sagte ja aber, wenn man dessen zu erwähnen beginnt, beginne man auch, darum zu bitten, und wenn man darum zu bitten aufhört, höre man auch dessen zu erwähnen auf!? –

15Vielmehr, das ist kein Widerspruch; das eine für uns, und das andere für sie. – Für uns wohl deshalb, weil wir noch Früchte auf dem Felde haben, ebenso sollten ja bei ihnen die Wallfahrer berücksichtigt werden!? –

16R. Joḥanan spricht von der Zeit, wo der Tempel nicht besteht. Jetzt nun aber, wo du darauf gekommen bist, können auch beide Lehren von ihnen handeln, dennoch besteht hier kein Widerspruch, denn die eine handelt von der Zeit, wo der Tempel besteht, und die andere handelt von der Zeit, wenn der Tempel nicht besteht. –

17Wie machen wir es, die wir zwei Festtage haben? Rabh erwiderte: Man beginne [die Erwähnung] im Zusatzgebete, lasse sie im Vespergebete, im Abendgebete und Morgengebete ausfallen, und im folgenden Zusatzgebete setze man sie fort.

18Šemuél sprach zu [den Jüngern]: Geht und sagt zu Abba: nachdem du ihn als heilig anerkannt hast, willst du ihn als profan erklären!? Vielmehr, sagte Šemuél, man beginne sie im Zusatzgebete und im Vespergebete, lasse sie im Abendgebete und Morgengebete ausfallen und setze sie im folgenden Zusatzgebete fort.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.