Taanit — Blatt 6a

1dir gleichen! So auch du; womit sollte ich dich segnen: wenn mit Gelehrsamkeit, die hast du ja, wenn mit Reichtum, den hast du ja, wenn mit Kindern, die hast du ja. Möge es nun der Wille [Gottes] sein, daß deine Nachkommenschaft dir gleiche!

2Die Rabbanan lehrten: [Der Frühregen heißt] ‘Jore’, weil er die Leute lehrt, die Dächer zu übertünchen, die Früchte einzusammeln und all ihre Bedürfnisse vorzubereiten. Eine andere Erklärung: Weil er die Erde tränktund sie bis zum Untergrunde bewässert, denn es heißt: tränke ihre Furchen, lockere ihre Schollen, weiche sie durch Regenschauer auf, segne ihr Gewächs. Eine andere Erklärung: ‘Jore’, weil er sanft und nicht stürmischfällt. –

3Vielleicht aber heißt er deshalb ‘Jore’, weil er die Früchte abfallen macht, die Saaten fortschwemmt und Bäume unterspült!? – Er wird [neben dem] Spätregen genannt, wie der Spätregen zum Segen ist, ebenso ist auch der Frühregen zum Segen. – Vielleicht ist dem nicht so, vielmehr heißt [der Spätregen] ‘Malqoš’, weil er die Häuser niederreißt, die Bäume zerbricht und die Grillen herbeiholt!? – Er wird neben dem Frühregen genannt, wie der Frühregen zum Segen ist, ebenso ist auch der Spätregen zum Segen. –

4Woher dies vom Frühregen selbst? – Es heißt: und ihr, Söhne Çijons, jubelt und freut euch in dem Herrn, eurem Gott; denn er spendet euch den Frühregen zum Heile, er sendet euch den Regen hernieder, Frühregen und Spätregen im ersten [Monate].

5Die Rabbanan lehrten: Der Frühregen im Marḥešvan und der Spätregen im Nisan. – Du sagst, der Frühregen im Marḥešvan und der Spätregen im Nisan, vielleicht ist dem nicht so, sondern der Frühregen im Tišri und der Spätregen im Ijar!? Es heißt: zur geeigneten Zeit

6[Der Spätregen heißt] ‘Malqoš’, wie R. Nehilaj b. Idi im Namen Šemuéls sagte, weil er die HartnäckigkeitJisraéls zermalmt. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Weil er die [Ähren am] Halme mit Getreidefüllt. In einer Barajtha wurde gelehrt: Weil er auf Ähren und Halme fällt.

7Die Rabbanan lehrten: Der Frühregen im Marḥešvan und der Spätregen im Nisan. Du sagst der Frühregen im Marḥešvan, vielleicht ist dem nicht so, sondern im Monate Kislev!? – Es heißt: zur geeigneten Zeit, Frühregen und Spätregen, wie Spätregen zu geeigneter Zeit, ebenso Frühregen zur geeigneten Zeit. – Wenn der Nisan verstrichen ist und Regen kommt, so ist dies kein Zeichen des Segens mehr.

8Ein Anderes lehrt: Der Frühregen im Marḥešvan und der Spätregen im Nisan – so R. Meír; die Weisen sagen, der Frühregen sei im Kislev. –

9Wer sind die Weisen? R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Jose, denn es wird gelehrt: Wann ist [die Zeit] des ersten Regenfalles? Des frühen am dritten Marḥešvan, des mittleren am siebenten desselben und des späten am siebzehnten desselben – so R. Meír. R. Jehuda sagt, am siebenten, am siebzehnten und am dreiundzwanzigsten [Marḥešvan].

10R. Jose sagt, am siebzehnten und am dreiundzwanzigsten [Marḥešvan] und am ersten Kislev. Ebenso sagte R. Jose, Einzelne fasten erst dann, wenn der erste Kislev [regenlos] heranreicht.

11R. Ḥisda sagte: Die Halakha ist wie R. Jose. Amemar lehrte die Worte R. Ḥisdas in folgender Fassung. Am dritten Marḥešvan [beginne man] um Regen zu bitten; R. Gamliél sagt, am siebenten desselben. R. Ḥisda sagte: Die Halakha ist wie R. Gamliél. –

12Wessen Ansicht vertritt folgende Lehre: R. Šimon b.Gamliél sagte: Wenn der Regen sieben Tage hintereinander fällt, so ist dies der erste und der zweite, [beziehungsweise der zweite] und der dritte Regenfall? Die des R. Jose. R. Ḥisda sagte: Die Halakha ist wie R. Jose. –

13Allerdings [ist die Zeitangabe] für den ersten Regenfall nötig, wegen der Bitte, ebenso für den dritten, wegen des Fastens, wozu aber für den zweiten!? R. Zera erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.