Taanit — Blatt 7b
1Wären sie häßlich, so würden sie gelehrter sein. Eine andere Auslegung: Wie diese drei Getränke (nur) durch Achtlosigkeit verdorben werden, ebenso werden auch Worte der Tora durch Achtlosigkeit vergessen.
2R. Ḥama b.Ḥanina sagte: Ein Regentag ist so bedeutend wie der Tag, an dem Himmel und Erde erschaffen worden sind, denn es heißt: Träufle, o Himmel, droben, und aus den Wolken möge Recht rieseln; die Erde tue sich auf und trage Heil und lasse Gerechtigkeit zumal vorsprossen; ich, der Herr, habe ihn geschaffen; es heißt nicht: sie geschaffen, sondern: ihn geschaffen.
3R. Oša͑ja sagte. Ein Regentag ist so bedeutend, daß an diesem sogar das Heil gedeiht und wächst, denn es heißt: die Erde tue sich auf und trage Heil. R. Tanḥum b.Ḥanilaj sagte: Der Regen kommt nur dann, wenn Jisraél seine Sünden vergeben werden, denn es heißt: du hast dein Land begnadigt, o Herr, hast das Geschick Ja͑qobs gewendet; du hast die Schuld deines Volkes vergeben, all ihre Sünden bedeckt. Sela.
4Zee͑ri aus Dihabat sprach zu Rabina: Ihr entnehmt dies hieraus, wir aber entnehmen es aus folgendem: so erhöre es im Himmel und vergib die Sünde &c.
5R. Tanḥum, Sohn des R. Ḥija, aus Kephar A͑kko sagte: Der Regen wird nur dann zurückgehalten, wenn die FeindeJisraéls Vernichtung verdienen, denn es heißt: Dürre und Hitze raffen die Schneewasser hinweg, die Unterwelt, die gesündigt haben. Zee͑ri aus Dihabat sprach zu Rabina: Ihr entnehmet dies hieraus, wir aber entnehmen es aus folgendem: er wird den Himmel verschließen &c., ihr werdet schnell vernichtet werden.
6R. Ḥisda sagte: Der Regen wird nur wegen der Unterlassung, Heben und Zehnte [zu entrichten], vorenthalten, denn es heißt: Dürre und Hitze raffen die Schneewasser hinweg. – Wieso geht dies hieraus hervor? – In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Wegen der Dinge, die ich euch für die Sommerzeit geboten habe, die ihr aber nicht befolgt habt, sollen euch die Schneewasser in der Regenzeit hinweggerafft werden.
7R. Šimo͑n b.Pazi sagte: Der Regen wird nur wegen der Verleumder zurückgehalten, denn es heißt: Nordwind bringt Regen hervor, und verdrießliche Gesichter die heimliche Zunge.
8R. Sala sagte im Namen R. Hamnunas: Der Regen wird nur wegen der Frechlinge zurückgehalten, denn es heißt: es wurden euch die Regenschauer vorenthalten und es fiel kein Spätregen; und die Stirn eines hurerischen Weibes hattest du &c. Ferner sagte R. Sala im Namen R. Hamnunas: Wer Frechheit besitzt, gibt sich endlich der Sünde hin, denn es heißt: die Stirn eines hurerischen Weibes hattest du. R. Naḥman sagte: Es ist sogar sicher, daß er sich der Sünde hingegeben hat, denn es heißt ‘hattest du’, nicht ‘wirst du haben’.
9Rabba b.R. Hona sagte: Wer Frechheit besitzt, den darf man Frevler nennen, denn es heißt: eine freche Mine zeigt der Frevler. R. Naḥman b.Jiçḥaq sagte: Man darf ihn hassen, denn es heißt: und das Gesicht des Frechlings wird verändert, und man lese nicht ješuna, [wird verändert], sondern jisane [wird gehaßt].
10R. Qaṭṭina sagte: Der Regen wird nur wegen der Vernachlässigung der Tora zurückgehalten, denn es heißt: durch Faulheit senkt sich das Gebälk [jimakh hameqare]; wegen der Faulheit Jisraéls, sich mit der Tora zu befassen, ist der Feind des Heiligen, gepriesen sei er, arm geworden: ‘makh‘ bedeutet nämlich ‘arm’, wie es heißt: und wenn er zu arm [makh] ist, um den Schätzungswert zu entrichten, und ‘meqare’ deutet auf den Heiligen, gepriesen sei er, denn es heißt: der seine Söller im Wasser bälkt [meqare].
11R. Joseph sagte: Hieraus: nun sahen sie das Licht nicht, das glänzend hinter den Wolken leuchtet; doch ein Wind fährt daher und reinigt sie, und unter ‘Licht’ ist nichts anderes als die Tora zu verstehen, denn es heißt: denn eine Leuchte ist das Gebot, ein Licht der Tora. Das glänzend hinter den Wolken leuchtet; hierüber wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Selbst wenn der Himmel voll Glanzflecke ist, um Tau und Regen fallen zu lassen, fährt ein Wind daher und reinigt sie.
12R. Ami sagte: Der Regen wird nur wegen der Sünde des Raubes zurückgehalten, denn es heißt: durch die Hände verhüllt er das Licht; unter ‘Hände’ ist der Raub zu verstehen, denn es heißt: und von dem Raube, der an ihren Händen klebte, und unter ‘Licht’ ist der Regen zu verstehen, denn es heißt: streut weithin aus seinem Lichtgewölke. –
13Welches Mittel gibt es dagegen? Man verharre im Gebete, denn es heißt: er gebietet ihm dringend, und unter ‘dringend’ ist das Gebet zu verstehen, wie es heißt: du aber, bete nicht für dieses Volk &c. noch dringe in mich.
14Ferner sagte R. Ami: Es heißt: wenn das Eisen stumpf geworden ist, und er nicht die Schneide schärft; wenn du siehst, daß der Himmel wie ein stumpfes Eisen geworden ist, indem er weder Regen noch Tau niederfallen läßt, so geschieht dies wegen der Taten des Zeitalters, die verderbt sind, denn es heißt: und er die Schneide nicht geschärft hat. –
15Welches Mittel gibt es dagegen? – Man verharre im Gebete, denn es heißt:er muß seine Kräfte anstrengen. Der Vorzug der Anstrengung ist die Weisheit; bevorzugter ist es jedoch, wenn dessen Taten von Anfang an gut sind.
16Reš Laqiš sagte: Siehst du einen Jünger,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.