Taanit — Blatt 8a
1dem sein Talmudstudium schwer wie Eisen fällt, so kommt dies daher, weil ihm seine Mišnakenntnisse nicht geläufig sind, denn es heißt: und er die Schneide nicht geschärft hat. –
2Welches Mittel gibt es für ihn? – Er weile viel im Lehrhause, denn es heißt: er muß seine Kräfte anstrengen. Der Vorzug der Anstrengung ist die Weisheit; bevorzugter ist es jedoch, wenn seine Mišnakenntnisse ihm von Anfang an geläufig sind.
3So pflegte Reš Laqiš sein Mišnastudium vierzigmal zu wiederholen, entsprechend den vierzig Tagen, während welcher die Tora gegeben wurde, und erst dann vor R. Joḥanan zu treten. R. Ada b. Ahaba pflegte sein Mišnastudium vierundzwanzigmal zu wiederholen, entsprechend [den Büchern] der Tora, der Propheten und der Hagiographen, und erst dann vor Raba zu treten.
4Raba sagte: Siehst du einen Jünger, dem sein Talmudstudium schwer wie Eisen fällt, so kommt dies daher, weil ihm sein Lehrer kein freundliches Gesicht zuwendet, denn es heißt: und er die Schneide nicht geschärft hat. –
5Welches Mittel gibt es für ihn? – Er mehre sich Freunde, denn es heißt: er muß seine Kräfte anstrengen. Der Vorzug der Anstrengung ist die Weisheit; bevorzugter ist es jedoch, wenn der Lehrer von Anfang an mit seinen Taten zufrieden ist.
6Ferner sagte R. Ami: Es heißt: wenn die Schlange heißt ohne Geflüster, so hat der Zungenfertige keinen Vorteil. Wenn du ein Zeitalter siehst, dessen Himmel rostig wie Kupfer ist, weil weder Tau noch Regen fällt, so kommt dies daher, weil es in diesem Zeitalter keine Flüsterbeter gibt.
7[Welches Mittel gibt es dagegen? – Man wende sich an einen, der Flüsterbeten versteht, denn es heißt: es spreche für ihn sein Freund. So hat der Zungenfertige keinen Vorteil.] Welchen Nutzen hat der, der [Flüster]beten kann und es unterläßt? –
8Welches Mittel gibt es, wenn das Flüstergebet nicht erhört wird? Man wende sich an den Frommen des Zeitalters, und dieser verharre im Gebete, denn es heißt: er gebietet ihm dringend, und unter ‘dringend’ ist nur das Gebet zu verstehen, wie es heißt: du aber, bete nicht für dieses Volk, noch laß flehentliche Bitte für sie laut werden, noch dringe in mich.
9Wenn aber das Flüstergebet Erfolg hatte und er damit groß tut, so bringt er Zorn über die Welt, denn es heißt: er bringt Zorn wegen des Stolzes.
10Raba sagte: Wenn zwei Schriftgelehrte in einer Stadt wohnen und nicht verträglich sind mit einander in der Halakha, so reizen sie den Zorn und rufen ihn hervor, denn es heißt: er bringt Zorn wegen des Stolzes.
11Reš Laqiš sagte: Es heißt: die Schlange beißt ohne Geflüster, auch der Zungenfertige hat keinen Vorteil. Dereinst werden sich alle Tiere bei der Schlange versammeln und zu ihr sprechen: Der Löwe packt zu und frißt, der Wolf zerfleischt und frißt, welchen Nutzen aber hast du!? Darauf wird diese erwidern: Auch der Zungenfertige hat keinen Vorteil.
12R. Ami sagte: Das Gebet des Menschen wird nur dann erhört, wenn er das Herz in die Hände nimmt, denn es heißt: wir wollen das Herz mit den Händen aufheben. – [Dem ist ja aber nicht so,] Šemuél ließ ja den Dolmetsch vortreten und trug vor: Sie beschwatzten ihn mit ihrem Munde und logen ihm mit ihrer Zunge; aber ihr Sinn war ihm gegenüber nicht fest und sie waren in seinem Bunde nicht treu; und dennoch: er aber ist barmherzig, vergibt die Schuld &c. –
13Das ist kein Widerspruch; das eine gilt von einem Einzelnen und das andere von einer Gemeinde.
14R. Ami sagte [ferner]: Der Regen fällt nur wegen der Leute der Treue nieder, denn es heißt: Treue sproßt aus der Erde hervor, und Gerechtigkeit schaut vom Himmel herab.
15Ferner sagte R. Ami: Komm und sieh, wie bedeutend die Männer der Treue sind, wie dies vom Ereignis mit dem Wiesel und der Grube zu ersehen ist. Wenn es nun dem so ergeht, der auf Wiesel und Grube vertraut, um wieviel mehr dem, der auf den Heiligen, gepriesen sei er, vertraut !
16R. Joḥanan sagte: Wer sich hienieden gerecht macht, dem wird man bei Gericht droben gerecht sein, denn es heißt: Treue sproßt aus der Erde hervor, und Gerechtigkeit schaut vom Himmel herab. R. Ḥija b. Abin sagte im Namen R. Honas: Hieraus: und nach der Ehrfurcht dein Grimm.
17Reš Laqiš sagte: Hieraus: du stoßest auf den, der sich freute, Gerechtigkeit zu üben; auf deinen Wegen gedenken sie deiner; fürwahr du zürntest und wir müssen es büßen, zu unserem ewigen Heile. R. Jehošua͑ b.Levi sagte: Wer sich der Züchtigungen freut, die über ihn kommen, bringt Heil über die Welt, denn von diesen heißt es: zu unserem ewigen Heile.
18Reš Laqiš sagte: Es heißt: er wird den Himmel verschließen wenn der Himmel sich verschließt, daß kein Tau und kein Regen fällt, gleicht er einem Weibe, das Geburtswehen hat und nicht gebiert. Das ist es, was Reš Laqiš im Namen Bar Qapparas gesagt hat: Vom Regen heißt es verschließen und vom Weibe heißt es verschließen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.