Tamid — Blatt 32b

1Er sprach zu ihnen: Essen denn Menschen Brot aus Gold? Sie erwiderten ihm: Hattest du denn, wolltest du nur Brot essen, daheim kein Brot zu essen, daß du hierher kommen mußtest? Als er fortzog, schrieb er auf das Tor der Stadt: Ich, Alexander von Mazedonien, war ein Tor, bis ich nach dem Weiberstaate in Afrika kam und Belehrung von Weibern annahm.

2Da ging er weiter. Als er sich an einer Quelle niederließ, um sein Brot zu essen, und gesalzene Fische wusch, die er bei sich hatte, bekamen sie einen Duft. Da sprach er: Es scheint also, daß diese Quelle dem E͑dengarten entspringt.

3Manche sagen, er habe aus dieser Wasser genommen und damit sein Gesicht gewaschen, und manche sagen, er ging [dem Wasser] entlang, bis er an die Tür des E͑dengartens kam. Da erhob er seine Stimme [und rief:] Öffnet mir die Tür! Man erwiderte ihm:Dies ist das Tor zum Herrn &c. Da sprach er zu ihnen: Auch ich bin König und hoch würdig; gebt mir etwas. Da gaben sie ihm einen Schädel. Als er später sein ganzes Gold und Silber gegen diesen wog, und es nicht das Gewicht von diesem hatte,

4sprach er zu den Rabbanan: Wie kommt dies? Sie erwiderten ihm: Es ist der Schädel des Auges [eines Menschen] aus Fleisch und Blut, das nimmer satt wird. Da sprach er zu ihnen: Was beweist, daß dem so ist? Da nahmen sie etwas Erde und bedeckten ihn damit, und er wog sofort. Es heißt nämlich: Unterwelt und Abgrund werden nicht satt &c.

5In der Schule Elijahus wurde gelehrt: Das Fegefeuer befindet sich über der Himmelswölbung, manche sagen, hinter den finsteren Bergen.

6R. Ḥija lehrte: Wer sich nachts mit der Tora befaßt, dem befindet sich die Göttlichkeit gegenüber, denn es heißt: auf, singe bei Nacht, beim Beginne der Nachtwachen; vor dem Antlitze des Herrn schütte wie Wasser dein Herz aus &c. R. Elea͑zar b. A͑zarja sagte: Die Schriftgelehrten mehren den Frieden auf der Welt, denn es heißt: und all deine Söhne sind Gottesgelehrte, und groß ist der Friede deiner Söhne.

7DER BEAMTE SPRACH ZU IHNEN: SPRECHET DEN EINEN SEGENSSPRUCH! SIE SPRACHEN IHN, LASEN DAS ZEHNGEBOT, [DIE ABSCHNITTE] ‘HÖRE’, ‘WENN DU HÖREN WIRST’ UND ‘ER SPRACH’,

8UND SPRACHEN MIT DEM VOLKE DIE DREI SEGENSSPRÜCHE ‘WAHR UND RICHTIG’, DEN DIENSTSEGEN UND DEN PRIESTERSEGEN. AM ŠABBATH FÜGTEN SIE NOCH EINEN SEGEN FÜR DIE ABTRETENDE PRIESTERWACHE HINZU.

9ALSDANN SPRACH ER ZU IHNEN: NEULINGE BEIM RÄUCHERWERKE, KOMMT UND LOSET! WEM ES ZUFIEL, DEM FIEL ES ZU. ALSDANN SPRACH ER: NEULINGE UND ERFAHRENE, KOMMT UND LOSET, WER DIE OPFERGLIEDER VON DER RAMPE AUF DEN ALTAR BRINGE. R. ELIE͑ZER B. JA͑QOB SAGTE: WER DIE OPFERGLIEDER AUF DIE RAMPE GEBRACHT HATTE, DER BRACHTE SIE AUCH AUF DEN ALTAR.

10DIE ÜBRIGEN [PRIESTER] ÜBERGAB MAN DEN AUFSEHERN, DIE IHNEN DIE KLEIDER AUSZOGEN UND SIE NUR DIE BEINKLEIDER ANBEHALTEN LIESSEN. DASELBST WAREN WANDNISCHEN, ÜBER WELCHEN DU: DIENSTLICHE VERWENDUNG DER KLEIDER GESCHRIEBEN WAR.

11WEM DAS RÄUCHERWERK ZUGEFALLEN WAR, DER NAHM DIE KELLE; DIE KELLE, AUS GOLD, GLICH EINEM GROSSEN TRIKAB, SIE FASSTE DREI KAB, UND DARIN BEFAND SICH DIE SCHALE,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.