Temura — Blatt 10b
1wo er das Ungeborene selbst geheiligt hat, hierbei aber, wo er die Mutter geheiligt hat, sei es durch die Mutter nicht heilig.
2Und würde er nur das letztere gelehrt haben, so könnte man glauben, nur da, wo er es geheiligt hat und alles, was darin, hierbei aber, wo er [das ungeborene] geheiligt hat, als es noch gar nicht draußen war, sei es nicht heilig. Daher ist beides nötig.
3Eine andere Lesart. Was lehrt er uns damit? – Daß es, wenn man eszurückläßt, zurückgelassen sei, und daß die Geburt nicht Glied der Mutter sei. – Wozu ist beides nötig? –
4Dies ist nötig. Würde nur jenes gelehrt worden sein, [so könnte man glauben,] weil die Mutter selbst geeignet ist, und da die Heiligkeit auf der Mutter ruht, ruhe sie auch auf der Geburt, nicht aber gelte dies hierbei, so lehrt er uns.
5Und würde er nur dies gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er die Heiligkeit auf die Geburt bezogen hat, nicht aber gelle dies da. Daher ist beides nötig.
6R. Zera saß und trug diese Lehre vor, da wandte R. Jirmeja gegen R. Zera ein: Wie kann man bei der Erstgeburt eine Listanwenden? Ist ein Erstgebärendes trächtig, so sage man: was im Leibe von diesem ist, sei ein Brandopfer; wirft es ein Männchen, so ist es ein Brandopfer. Somit kann das Ungeborene geheiligt werden!?
7Dieser erwiderte: Diese Lehre spricht von der Heiligkeit des Geldwertes. – Ist denn die Heiligkeit des Geldwertes so stark, es [der Heiligkeit] der Erstgeburt zu entheben?
8Dieser erwiderte: Allerdings, wir haben auch gelernt: Alle heiligen [Tiere], die einen bleibenden Fehler hatten vor ihrer Heiligung und ausgelöst worden sind, sind pflichtig für die Erstgeburt und die Priestergaben. Nur nachdem sie ausgelöst worden sind, sind sie pflichtig, aber bevor sie ausgelöst worden sind, sind sie frei. Die Heiligkeit des Geldwertes ist demnach so stark, [das Tier der Heiligkeit] der Erstgeburt zu entheben.
9Er wandte gegen ihn ein: Sagte jemand: was im Leibe von diesem ist, sei ein Brandopfer, so ist [das Vieh] zur Schur erlaubt und zur Arbeit verboten, wegen der Abmagerung der Geburt, die darin!? Dieser erwiderte: Auch hierbei handelt es sich um die Heiligkeit des Geldwertes. –
10Ist denn die Heiligkeit des Geldwertes so stark, es zur Arbeit verboten zu machen!? Dieser erwiderte: Allerdings, wir haben auch gelernt: Sie werden profan, um zur Schur und zur Arbeit verwendet werden zu dürfen. Nur nachdem sie ausgelöst worden sind, vor der Auslösung aber sind sie zur Arbeit verboten. Demnach macht die Heiligkeit des Geldwertes es zur Arbeit verboten.
11Er wandte gegen ihn ein: Man kann nicht umtauschen ungeborene [Tiere] auf Glieder und nicht Glieder auf ungeborene. Umtauschen nicht, heilig aber sind sie!?
12Dieser erwiderte: Dies gilt von Geburten von Opfertieren, die bereits heilig sind. –
13Demnach können Geburten von Opfertieren nur im Leibe ihrer Mütter nicht [umgetauscht] werden, wohl aber außen, dagegen wird ja aber gelehrt, das Junge könne nicht umgetauscht werden!? –
14Hier ist die Ansicht R. Jehudas vertreten, welcher sagt, das Junge könne umgetauscht werden. –
15Wieso können sie, wenn die Ansicht R. Jehudas, nur nicht umgetauscht werden, heilig aber sind sie wohl, R. Jehuda sagtja, einzelne Glieder werden nicht heilig!? Dieser erwiderte: Hier wird von einem Gliede gesprochen, von dem das Lebenabhängt.
16Er wandte gegen ihn ein: Man kann Glieder und ungeborene [Tiere] heiligen, aber nicht umtauschen!? – Dies gilt ebenfalls von den Jungen von Opfertieren. –
17Was heißt bei Jungen von Opfertieren ‘heiligen’, sie sind ja bereits heilig!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.