Temura — Blatt 18b

1R. Ḥija rezitierte [eine Lehre als] Stütze für R. Jehošua͑ b. Levi:Wenn er ein Lamm darbringt, das erste Junge ist darzubringen, das zweite Junge ist nicht darzubringen;

2diesesist darzubringen, nicht aber ist das Junge aller anderen Opfertiere darzubringen. –

3Wessen Junges: wenn des Brandopfers und des Schuldopfers, so sind diese ja Männchen und nicht geburtsfähig, und wenn des Sündopfers, so ist uns ja überliefert, daß es verenden zu lassen ist!?

4Rabina erwiderte: Dies schließt das Junge des Zehnten ein. – Wozu ist hinsichtlich des Jungen des Zehnten ein Schriftvers nötig, es ist ja durch [den Ausdruck] ‘vorübergehen’ vom Erstgeborenenzu folgern!? –

5Dies ist nötig; man könnte glauben, man folgere nicht hinsichtlich des Möglichen vom Unmöglichen, so lehrt er uns.

6R. ŠIMO͑N UND R. PAPJAS BEKUNDETEN &C.

7Nach Raba aber, welcher sagt, wenn man ein Fest verstreichen läßt, [ohne das Opfer dargebracht zu haben,] begehe man jeden Tag das Verbot des Versäumens, sollte es ja schon am Wochenfestegegessen werden!? R. Zebid erwiderte im Namen Rabas: Wenn er am Wochenfeste krank war.

8R. Aši erwiderte: Unter Fest, von dem er spricht, ist eben das Wochenfest zu verstehen. – Welche Bedeutung hat demnach seine Bekundung? –

9Dies schließt die Ansicht R. Elie͑zers aus. Dieser sagt, das Junge des Heilsopfers sei nicht als Heilsopfer darzubringen, und er bekundete, daß es darzubringen sei.

10DAS JUNGE DES DANKOPFERS UND SEIN EINGETAUSCHTES, IHR JUNGES UND DAS JUNGE IHRES JUNGEN, BIS ANS ENDE ALLER GENERATIONEN, GLEICHEN DEM DANKOPFER, NUR BENÖTIGEN SIE NICHT DER BROTE.

11GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Wozu heißt es:es darbringen?

12Woher, daß, wenn jemand ein Dankopfer abgesondert hat, und es abhanden gekommen ist, und nachdem er ein anderes abgesondert hat, das erste sich einfindet, und nun beide vorhanden sind, er darbringen darf, welches ihm beliebt, und dazu die Brote? Es heißt: ein Dankopfer darbringen.

13Man könnte glauben, auch das andere benötige der Brote, so heißt es: es darbringen, zu einem und nicht zu zwei. Woher, daß auch das Junge, das Eingetauschte und der Ersatz einbegriffen sind? Es heißt:wenn als Dankopfer. Man könnte glauben, sie alle benötigen der Brote, so heißt es: zum Schlachtopfer des Dankopfers, das Dankopfer benötigt der Brote, nicht aber benötigen das Junge, das Eingetauschte und der Ersatz der Brote.

14DAS EINGETAUSCHTE EINES BRANDOPFERS, DAS JUNGE DES EINGETAUSCHTEN, [IHR] JUNGES UND DAS JUNGE IHRES JUNGEN, BIS ANS ENDE DER WELT, GLEICHEN DEM BRANDOPFER; SIE BENÖTIGEN DES ENTHÄUTENS, DES ZERLEGENS UND WERDEN VOLLSTÄNDIG VERBRANNT. WENN JEMAND EIN WEIBCHEN ALS BRANDOPFER ABGESONDERT UND ES EIN MÄNNCHEN GEWORFEN HAT, SO LASSE MAN ES WEIDEN, BIS ES EIN GEBRECHEN BEKOMMT, SODANN IST ES ZU VERKAUFEN UND FÜR DEN ERLÖS EIN BRANDOPFER DARZUBRINGEN. R. ELEA͑ZAR SAGT, ES SELBST SEI ALS BRANDOPFER DARZUBRINGEN.

15GEMARA. Wodurch unterscheidet sich der Anfangsatz, über den sie nicht streiten, vom Schlußsatze, über den sie streiten?

16Rabba b. Bar Ḥana erwiderte: Auch über jenen besteht der Streit, und da ist die Ansicht R. Elea͑zars vertreten. Raba erwiderte: Du kannst auch sagen, die der Rabbanan, denn sie streiten gegen R. Elea͑zar nur über den Fall, wenn man ein Weibchen als Brandopfer abgesondert hat, weil die Mutter nicht darzubringen ist, beim Eingetauschten aber, wobei die Mutter darzubringen ist, pflichten auch die Rabbanan bei. –

17Kann R. Elea͑zar denn gesagt haben, es. selbst sei als Brandopfer darzubringen, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Das Eingetauschte eines Schuldopfers, das Junge des Eingetauschten, ihr Junges und das Junge ihres Jungen, bis ans Ende der Welt, sind weiden zu lassen, bis sie ein Gebrechen bekommen, sodann sind sie zu verkaufen, und der Erlös falle der freiwilligen Spendenkasse zu.

18R. Elie͑zer sagt, man lasse sie verenden. R. Elea͑zar sagt, man bringe für den Erlös Brandopfer dar. Nur für den Erlös, sie selbst aber nicht!?

19R. Ḥisda erwiderte: R. Elea͑zar sagte es nach der Ansicht der Rabbanan: nach meiner Ansicht ist auch das Junge als Brandopfer darzubringen, ihr aber, die ihr sagt, der Erlös sei als Brandopfer darzubringen, solltet mir doch beipflichten, daß der Überschußfreiwillige Spende des Privaten sei. Sie aber sprachen zu ihm: Der Überschuß falle der freiwilligen Spendenkasse der Gemeinde zu.

20Raba erwiderte: R. Elea͑zar sagt, es selbst sei als Brandopfer darzubringen, nur in dem Falle, wenn schon die Mutter den Namen des Brandopfersträgt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.