Temura — Blatt 25a
1Weshalb werden sie nicht von der Heiligkeit erfaßt? – R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, die Jungen der Opfertiere werden erst bei ihrem Sein heilig, denn wieso werden sie, wenn man sagen wollte, sie seien schon im Leibe ihrer Mutter heilig, von der Heiligkeit nicht erfaßt, schon die Heiligkeit ihrer Mutter hat sie ja erfaßt. Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß die Jungen der Opfertiere erst bei ihrem Sein heilig werden. –
2Der folgende Autor aber ist der Ansicht, die Jungen der Opfertiere seien schon im Leibe ihrer Mutter heilig. Die Rabbanan lehrten nämlich: Würde es nur geheißen haben: Erstgeborene nicht heiligen, so würde ich gesagt haben, ein Erstgeborener [Mann] dürfe nichts dem Heiligtume weihen, so heißt es:es ein Mann, du darfst es nicht heiligen, wohl aber darf ein erstgeborener Mann heiligen.
3Aber immerhin könnte ich sagen, er könne es nicht heiligen, wohl aber können andere es heiligen, so heißt es: unter dem Vieh, ich befasse mich mit dem Vieh.
4Man könnte glauben, man könne es auch nicht im Mutterleibe heiligen, so heißt es: das durch die Erstgeburt des Herrn ist, sobald es durch die Erstgeburt des Herrn ist, kannst du es nicht mehr heiligen, wohl aber kannst du es im Mutterleibe heiligen.
5Man könnte glauben, dasselbe gelte auch von den Geburten aller Opfertiere, so heißt es nur, teilend. Er ist somit der Ansicht, die Jungen von Opfertieren seien schon im Mutterleibe heilig.
6R. A͑mram sprach zu R. Šešeth: Wie ist es, wenn man vom Erstgeborenen gesagt hat: es sei mit dem Hervorkommen der größeren Hälfte ein Brandopfer; ist es ein Brandopfer oder ist es Erstgeborenes?
7Ist es ein Brandopfer, denn jedes Bißchen, das hervorkommt, ist Ganzopfer, oder ist es Erstgeborenes, denn jedes Bißchen, das hervorkommt, bleibt bei seinem Wesen?
8Eine andere Lesart. [Ist es ein Brandopfer,] denn es wird von der Heiligkeit erfaßt, oder ist es Erstgeborenes, denn diese Heiligkeit beginnt schon im Mutterleibe?
9Dieser erwiderte: Was ist dir da fraglich, das ist ja das, was Ilpha gefragt hat: Wie ist es, wenn jemand von der Nachlese gesagt hat: es sei beim Herabfallen des größeren Teiles Freigut; ist es Nachlese oder Freigut?
10Ist es Nachlese, da es bereits durch den Himmel heiligist, oder ist es Freigut, da Arme und Reichees sich aneignen können?
11Und hierzu sagte Abajje: Was ist dir da fraglich: wem hat man von Meister und Schüler zu gehorchen? Ebenso hierbei: wem hat man zu gehorchen.
12WENN JEMAND GESAGT HAT: DAS JUNGE VON DIESEM [VIEH] SEI EIN BRANDOPFER UND DIESES SELBST EIN HEILSOPFER, SO SIND SEINE WORTE GÜLTIG; WENN ABER: DIESES SELBST SEI EIN HEILSOPFER UND SEIN JUNGES EIN BRANDOPFER, SO IST ES DAS JUNGE EINES HEILSOPFERS – SO R. MEÍR.
13R. JOSE SAGTE: HAT ER DIES VON VORNHEREIN BEABSICHTIGT, SO SIND, DA MAN NICHT ZWEI NAMEN GLEICHZEITIG AUSSPRECHEN KANN, SEINE WORTE GÜLTIG; WENN ER ABER, NACHDEM ER ‘DIESES SELBST SEI EIN HEILSOPFER’ GESAGT HAT, SICH ÜBERLEGT UND SAGT: UND SEIN JUNGES EIN BRANDOPFER, SO IST ES DAS JUNGE EINES HEILSOPFERS.
14GEMARA. R. Joḥanan sagte: Wenn jemand ein trächtiges Sündopfer abgesondert, und es geworfen hat, so kann er, wenn er will, mit diesem selbst und wenn er will, mit dem Jungen Sühne erlangen. –
15Aus welchem Grunde? – R. Joḥanan ist der Ansicht, wasman zurückläßt, bleibe zurück,
16und die Geburt sei nicht Glied der Mutter, somit ist es ebenso, als würde jemand zur Sicherheit zwei Sündopfer absondern, der, wenn er will, mit diesem, und wenn er will, mit jenem Sühne erlangen kann.
17R. Elea͑zar wandte ein: Wenn aber: dieses selbst sei ein Heilsopfer und sein Junges ein Brandopfer, so ist es das Junge eines Heilsopfers. Wieso heißt es, wenn man nun sagen wollte, was man zurückläßt, bleibe zurück, es sei das Junge eines Heilsopfers, es sollte doch heißen, es sei ein Heilsopfer!?
18R. Ṭabla erwiderte: Dies scheidetaus, denn Rabh sagte zum Jünger: Lies: so ist es ein Heilsopfer.
19Man wandte ein: Wenn jemand zu seiner Sklavin gesagt hat: du sollst Sklavin bleiben, dein Kind aber soll frei sein, so hat sie, wenn sie schwanger ist, [die Freiheit] für dieses erlangt.
20Erklärlich ist es, daß sie sie für dieses erlangt hat, wenn du sagst, was man zurückläßt, bleibe nicht zurück, denn die Geburt sei Glied der Mutter, somit ist es ebenso, als würde jemand die Hälfte seines Sklaven freilassen, und zwar nach Rabbi (Meír), denn es wird gelehrt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.