Temura — Blatt 5b

1Und Raba!? – Das es schließt das Erstgeborene aus, denn es wird gelehrt: Beim Erstgeborenen heißt es:du darfst es nicht lösen, und es darf verkauft werden; beim Zehnten heißt es:es darf nicht ausgelöst werden, und es darf nicht verkauft werden, weder lebend noch geschlachtet, weder fehlerfrei noch fehlerbehaftet. –

2Vom Umtausche sagt ja der Allbarmherzige:er darf es nicht auswechseln und er darf es nicht umtauschen, dennoch haben wir gelernt: nicht etwa, daß man umtauschen darf, sondern daß, wenn man umgetauscht hat, der Umtausch gültig ist, und er erhält die vierzig Geißelhiebe. [Die Handlung] ist also gültig, somit ist dies eine Widerlegung Rabas!? –

3Raba kann dir erwidern: anders ist es da, denn die Schrift sagt:so sei es und sein Eingetauschtes heilig. –

4Und Abajje!? – Wenn der Allbarmherzige nicht gesagt hätte: so sei es und sein Eingetauschtes heilig, so könnte man glauben, das eine gehe aus und das andere treteein, so lehrt er uns. –

5Beim Erstgeborenen sagt ja der Allbarmherzige: du darfst es nicht lösen, dennoch haben wir gelernt, es gebe für sie eine Auslösung und es gebe eine Auslösung für ihr Eingetauschtes, ausgenommen das Erstgeborene und der Zehnt. [Die Handlung] ist also ungültig, somit ist dies eine Widerlegung Abajjes!? –

6Abajje kann dir erwidern: anders ist es da, denn die Schrift sagtsie, sie bleiben bei ihrer Eigenheit. –

7Wofür verwendet Raba [das Wort] sie? – Sie sind darzubringen, nicht aber ist ihr Eingetauschtes darzubringen. –

8Woher entnimmt Abajje diese Auslegung? –Ob ein Rind oder ein Schaf, es gehört dem Herrn; es ist dem Herrn darzubringen, nicht aber ist sein Eingetauschtes darzubringen. –

9Und Raba!? – Dem ist auch so, daß dies aus diesem Schriftverse hervorgeht, [das Wort] sie ist aber deshalb nötig, um zu lehren, daß, wenn das Blut des Erstgeborenen und des Zehnten mit dem anderer darzubringender [Opfer] vermischt worden ist, es auf den Altar komme. –

10Woher entnimmt dies Abajje? – Aus:er nehme vom Blute des Farren und vom Blute des Ziegenbockes; da das Blut des Farren mehr ist als das Blut des Ziegenbockes, so ist hieraus zu entnehmen, daß die auf den Altar kommenden [Opfer] einander nichtaufheben. Es wird nämlich gelehrt: Er nehme vom Blute des Farren und vom Blute des Ziegenbockes, sie müssen vermengt sein – so R. Jošija. –

11Und Raba!? – Da von diesem besonders und von jenem besonders, und er ist der Ansicht R. Jonathans. –

12Vom Zehnten sagt ja der Allbarmherzige: es darf nicht ausgelöst werden, dennoch haben wir gelernt, es gebe für sie eine Auslösung und für ihr Eingetauschtes eine Auslösung, ausgenommen das Erstgeborene und der Zehnt. [Die Handlung] ist also ungültig, somit ist dies eine Widerlegung Abajjes!? –

13Er kann dir erwidern: anders ist es da, denn es ist durch [den Ausdruck] vorübergehenvom Erstgeborenen zu folgern. –

14Von [der Entrichtung] der Hebe vor den Erstlingen sagt ja der Allbarmherzige:dein Getreide und deinen Most verspäte nicht, und wir haben gelernt: wenn man [die Hebe] vorher entrichtet hat, so ist, obgleich dies verboten ist, was er getan hat, getan!? –

15Raba kann dir erwidern: anders ist es da, denn die Schrift sagt:von all euren Zehnten &c. sollt ihr abheben. –

16Und Abajje!? – Dies ist wegen des folgenden nötig. R.Papa sprach nämlich zu Abajje: Demnach sollte er freisein, auch wenn er ihmbeim Getreidehaufen zuvorgekommen ist!?

17Dieser erwiderte: Deinetwegen sagt die Schrift: von all euren Zehnten &c. sollt ihr abheben. – Was veranlaßt dich, den Getreidehaufen einzuschließenund Ähren auszuschließen? –

18Ich schließe den Getreidehaufen ein, weil es bereits Getreide ist, und ich schließe Ähren aus, weil es noch kein Getreide ist. –

19Von [der Heirat] einer Witwe mit einem Hochpriester sagt ja der Allbarmherzige:Witwe und Geschiedene soll er nicht nehmen, und wir haben gelernt, daß in jedem Falle, wo die Antrauung gültig ist und eine Sünde begangen wird, das Kind dem Bemakelten folge!? –

20Anders ist es da, wo die Schrift sagt:er soll seinen Samen nicht entweihen. –

21Und Abajje!? – Der Schriftvers sollte ja lauten: jaḥel, wenn es aber jeḥalelheißt, so gilt dies sowohl für ihn als auch für sie. –

22Von der Heiligung von Gebrechenbehafteten für den Altar sagt ja der Allbarmherzige:alles, dem ein Gebrechen anhaftet, dürft ihr nicht darbringen, und wir haben gelernt, wenn man Gebrechenbehaftete für den Altar geheiligt hat, sei, obgleich dies verboten ist, was man getan hat, getan. Dies ist eine Widerlegung Rabas!? –

23Raba kann dir erwidern: anders ist es da, denn die Schrift sagt:es soll als Gelobtes nicht wohlgefällig sein; wohlgefällig ist es nicht, wohl aber ist es heilig. –

24Und Abajje!? – Würde der Alibarmherzige nicht gesagt haben: es soll als Gelobtes nicht wohlgefällig sein, so könnte man glauben, er habe ein Gebot übertreten, [das Opfer] aber sei tauglich, so lehrt er uns. –

25Von der Heiligung Gebrechenfreier für den Tempelreparaturfonds sagt ja der Allbarmherzige:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.