5. Buch Mose (Dewarim) — Kapitel 31

1Mose ging alsdann und redete diese Worte zu ganz Israel, 2Er sprach zu ihnen: Hundert und zwanzig Jahre bin ich heute alt; ich vermag nicht ferner auszuziehen und einzuziehen, auch hat der Herr zu mir gesprochen: Du wirst nicht ziehen über diesen Jordan. 3Der Herr, dein Gott, zieht vor dir her, er wird diese Völker vor dir austilgen, dass du sie einnehmest. Josua zieht vor dir her, wie der Herr geredet. 4Der Herr wird an ihnen tun, wie er getan an Sichon und Og, den Königen des Emori, und an ihrem Lande, die er ausgetilgt. 5Der Herr wird sie euch geben und ihr sollt an ihnen tun ganz nach dem Gebot, das ich euch geboten habe.

6Sei stark und fest, fürchtet euch nicht und banget nicht vor ihnen; denn der Herr dein. Gott, er ist es, der mit dir geht; er wird dich nicht lassen und dich nicht verstoßen. 7Mose berief den Josua und sprach zu ihm vor den Augen des ganzen Israel: Sei stark und fest; denn du wirst mit diesem Volke in das Land kommen, das der Herr ihren Vätern zugeschworen, es ihnen zu geben, und du wirst es ihnen zum Besitz zuteilen. 8Der Herr, der vor dir hergeht, wird mit dir sein; er wird dich nicht verlassen und dich nicht verstoßen, fürchte nicht und sei nicht verzagt. 9Mose schrieb alsdann die Lehre auf und gab sie den Priestern, den Söhnen Levi, die die Bundeslade des Herrn trugen, und all den Ältesten Israels. 10Mose gebot ihnen also: Am Schlusse von sieben Jahren, um die Zeit des Erlassjahres, am Hüttenfest,

11Wenn ganz Israel kommt, vor dem Herrn deinem Gotte zu erscheinen, an dem Orte, den er erwählen wird, sollst du diese Lehre vorlesen in Gegenwart von ganz Israel. 12Versammle das Volk, die Männer und die Frauen und die Kinder und den Fremdling, der in deinen Städten, auf dass sie hören und auch dass sie lernen und fürchten den Herrn, euern Gott, und beobachten all die Worte dieser Lehre auszuüben. 13Auch ihre Kinder, die noch keine Einsicht haben, sollen hören und lernen, zu fürchten den Herrn, euern Gott, all die Tage, die ihr lebet auf dem Boden, dahin ihr über den Jordan gehet, ihn einzunehmen. 14Der Herr sprach zu Mose: Deine Tage nahen dem Tode; rufe Josua und stellet euch in das Stiftszelt, dass ich ihm Befehl erteile. Mose und Josua gingen und stellten sich in das Stiftszelt. 15Der Herr erschien im Zelte in der Wolkensäule, und die Wolkensäule stand an dem Eingang des Zeltes.

16Der Herr sprach zu Mose: Du wirst bei deinen Vätern liegen, dann wird aufstehen das Volk und nachbuhlen den Göttern der Fremden im Lande, dahin es kommt, und wird mich verlassen und brechen meinen Bund, den ich mit ihm geschlossen. 17Dann wird erglühen mein Zorn über dasselbe an jenem Tage, und ich werde sie verlassen und mein Antlitz vor ihnen verbergen, und es wird aufgerieben werden, denn viele Leiden und Not werden es treffen, dass es sprechen wird an jenem Tage: Ist es nicht darum, weil mein Gott nicht in meiner Mitte, dass diese Leiden mich trafen? 18Ich aber werde mein Antlitz verbergen an jenem Tage ob all dem Bösen, das es verübt, weil es sich zu fremden Göttern hingewandt. 19Und nun denn schreibt euch diesen Gesang auf und lehre ihn die Kinder Israel, leg ihn ihnen in den Mund, auf dass mir dieser Gesang zum Zeugen sei gegen die Kinder Israel. 20Wenn ich es bringe nach dem Lande, das ich seinen Vätern zugeschworen, das von Milch und Honig fließt, und es isst und wird satt und fett, und wendet sich zu fremden Göttern, ihnen zu dienen, und verwirft mich, und bricht meinen Bund:

21Wenn es viele Leiden und Not ereilt, so soll dieser Gesang ihm ins Angesicht sprechen als Zeuge — denn er wird nicht vergessen werden aus dem Munde seiner Nachkommen — denn ich kenne seinen Sinn, was es ausbildet, bevor ich ihn in das Land gebracht, das ich ihm zugeschworen. 22Mose schrieb diesen Gesang auf an jenem Tage und lehrte ihn die Kinder Israel; 23Er gebot dem Josua, Sohn Nuns, und sprach: Sei stark und fest; denn du wirst die Kinder Israel in das Landbringen, das ich ihnen zugeschworen, und ich, [spricht der Herr], werde mit dir sein. 24Als Mose die Worte dieser Lehre auf ein Buch bis zu ihrem Schlusse zu Ende geschrieben hatte, 25Da gebot Mose den Leviten, den Trägern der Bundeslade des Herrn, also:

26Nehmet dies Buch der Lehre und leget es zur Seite der Bundeslade des Herrn, eures Gottes, und es bleibe daselbst als Zeuge; 27Denn ich kenne deine Widerspenstigkeit und deine Hartnäckigkeit. Jetzt, so ich noch lebend unter euch bin, wart ihr widerspenstig gegen den Herrn, euren Gott; wie viel mehr nach meinem Tode? 28Versammelt mir also die Ältesten eurer Stämme und eure Beamten, dass ich vor ihnen diese Worte rede und zu Zeugen nehme den Himmel und die Erde. 29Denn ich weiß, ihr werdet nach meinem Tode ausarten und weichen von dem Wege, den ich euch geboten; so wird euch das Unglück treffen in der Folge der Tage; wenn ihr das Böse in den Augen des Herrn tut, ihn zu kränken durch das Thun eurer Hände. 30Mose sprach vor der ganzen Versammlung Israels die Worte dieses Gesanges bis zum Schluss:

Text: „Die fünf Bücher Moses", übers. Dr. J. Wohlgemuth, Rödelheim 1899, gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.