Andertes Buch

1. Die Lieb ist aber Furcht.
GOtt fürchten ist sehr gutt: doch ist es besser lieben:
Noch besser über lieb' in Jhn seyn aufgetrieben.

2. Die Lieb' ist ein Magnet.
Die Lieb ist ein Magnet / sie ziehet mich in GOtt:
Unnd was noch grösser ist / sie reisset GOtt inn Tod.

3. Mensch in GOtt / GOtt im Menschen.
Wenn ich bin Gottes Sohn / wer es dann sehen kan /
Der schauet Mensch in GOtt und Gott im Menschen an.

4. Das Ewge Ja und Nein.
GOtt spricht nur jmmer Ja;allusio ad Nomen Dei Ebraicum I A H. der Teufel saget nein:
Drumb kan er auch mit GOtt nicht Ja und eines seyn.

5. Das Licht ist nicht GOtt selbst.
Licht ist deß HErren Kleid: gebricht dir gleich das Licht /
So wisse daß dir doch GOtt noch nicht selbst gebricht.

6. Nichts ist der beste Trost.
Nichts ist der beste Trost: Entzeucht GOtt seinen Schein /
So muß das blosse Nichts dein Trost im Untrost seyn.

7. Das wahre Licht.
GOtt ist das wahre Licht / du hast sonst nichts als glast /
Jm falle du nicht Jhn das Licht der Lichter hast.

8. Mit Schweigen lernet man.
Schweig allerliebster schweig: kanstu nur gäntzlich schweigen:
So wird dir Gott mehr guts / als du begehrst / erzeigen.

9. Das Weib auf dem Monden in Apoc.
Was sinnestu so tieff? das Weib im Sonneschein
Das auf dem Monden steht / muß deine Seele seyn.

10. Die Braut ist doch das liebste.
Sag was du wilt / die Braut ist doch das liebste kind /
Das man in GOttes schoß und seinen armen findt.

11. Die beste Sicherheit.
Schlaf meine Seele schlaf: Dann in deß Liebsten Wunden
Hastu die sicherheit und volle Ruh gefunden.

12. Die Jungfrauschafft.
Was ist die Jungfrauschafft? frag was die Gottheit sey:
Doch kenstu Lauterkeit / so kennstu alle zwey.

13. Die GOttheit und Jungfrauschafft.
Die GOttheit ist so nah der Jungfrauschafft verwandt /
Daß sie auch ohne die nicht GOttheit wird erkandt.

14. Wer eins nur liebt ist Braut.
Die Seele / die nichts weiß / nichts wil / nichts liebt / danns Ein /
Muß heute noch die Braut deß Ewgen Bräutgams seyn.

15. Die geheime Armutt.
Wer ist ein armer Mensch? der ohne Hülff und Rath
Noch Creatur / noch GOtt / noch Leib / noch Seele hat.

16. Wie weit GOttes Sitz seyn muß.
Mensch bistu nicht so weit als GOttes GOttheit ist /
So wirstu nimmermehr zu seinem Sitz erkiest.

17. GOtt wäigert sich niemand.
Nimm / Trink / soviel du wilt und kanst / es steht dir frey:
Die gantze GOttheit selbst ist deine Gasterey.

18. Die Weißheit Salomons.
Wie? schätzstu Salomon den weisesten Allein?
Du auch kanst Salomon und seine Weißheit seyn.

19. Das höchste ist Stille seyn.
Geschäfftig seyn ist gutt; Viel besser aber Bethen:
Noch besser Stumm und still für Gott den Herren trethen.

20. Das Lebens Buch.
GOtt ist deß Lebens Buch / ich steh in ihm geschrieben
Mit seines Lammes Blutt: wie solt er mich nicht lieben?

21. Du solt das Höchste seyn.
Die Welt ist Eitel nichts / die Engel sind gemein:
Drumb soll ich Gott und Mensch in Christo Jesu seyn.

22. Erheb dich über dich.
Der Mensch der seinen Geist nicht über sich erhebt /
Der ist nicht wehrt daß er im Menschenstande lebt.

23. Jn Christo komt man hoch.
Weil mein Erlöser hat die Engel überstiegen:
So kan (wo ich nur wil) auch ich sie überfliegen.

24. Jm Mittelpunct sicht man alles.
Wer jhm den Mittelpunct zum wohnhauß hat erkiest /
Der siht mit einem Blik was in dem Umbschweif ist.

25. Dein' Unruh machstu selbst.
Noch Creatur noch GOtt kan dich in Unruh bringen /
Du selbst Verunruhst dich (O Thorheit!) mit den Dingen.

26. Die Freyheit.
Du edle Freyheit du / wer sich nicht dir ergiebt /
Der weiß nicht / was ein Mensch / der Freyheit liebet / liebt.

27. Auch von jhr.
Wer Freyheit liebt / liebt Gott: wer sich in Gott versenkt /
Und alles von sich stöst / der ists / dem GOtt sie schenkt.

28. Die Gleichheit.
Die Gleichheit ist ein Schatz: hastu sie in der Zeit /
So hastu Himmelreich und Volle Seeligkeit.

29. Tod und GOtt.
Tod ist der Sünden Sold; Gott ist der Tugend Lohn:
Erwürbstu diesen nicht / so trägstu den darvon.

30. Zufall und Wesen.
Mensch werde wesentlich: denn wann die Welt vergeht /
So fällt der Zufall weg / das wesen das besteht.

31. Göttliche genissung.
Wer GOtts geniessen wil / und Jhm sich einverleiben /
Sol wie ein Morgenstern bey seiner Sonne bleiben.

32. Schweigen übertrifft der Engel gethöne.
Die Engel singen schön: Jch weiß daß dein Gesinge /
So du nur gäntzlich Schwiegst / dem höchsten besser klinge.

33. Wer älter ist als GOtt.
Wer in der Ewigkeit mehr lebt als einen Tag /
Derselbe wird so Alt / als GOtt nicht werden mag.

34. Rechter gebrauch bringt nicht Schaden.
Mensch sprichstu daß dich jchts von Gottes Lieb' abhält.
So brauchstu noch nicht recht wie sichs gebürt der Welt.

35. GOtt wil was köstlich ist.
Sey lauter / Licht' und steif / gleich wie ein Demantstein /
Daß du inn Augen Gotts magst wehrt geschätzet seyn.

36. Das Buch deß Gewissens.
Daß ich GOtt fürchten sol / und über alles lieben /
Jst mir von Anbegin in mein Gemütt geschrieben.

37. An einem Wort liegt alles.
Ein eintzigs Wort hilfft mir: schreibts GOtt mir einmal Ein /
So werd' ich stätts ein Lamb mit Gott gezeichnet seyn.

38. Der Bräutigam ist noch süsser.
Du magst GOtt wie du wilt für deinen Herrn erkenen:
Jch wil jhn anderst nicht als meinen Bräutgam nennen.

39. Der anbether im Geist und in der Warheit.
Wer in sich übersich in GOtt verreisen kan /
Der bethet GOtt im Geist und in der Wahrheit an.

40. GOtt ist das kleinst' und gröste.
Mein GOtt wie groß ist GOtt! Mein GOtt wie klein ist GOtt!
Klein als das kleinste ding / und groß wie alls / von noth.

41. Der gute Tausch.
Mensch gibstu GOtt dein Hertz / Er gibt dir seines wider:
Ach welch ein wehrter Tausch! du steigest auf / Er nieder.

42. Das untere schadet nicht.
Wer über Berg und Thal / und dem Gewölke sitzt /
Der achtets nicht ein Haar / wenns donnert / kracht und blitzt.

43. Die mittelwand muß wegg.
Wegg mit dem mittel weg / sol ich mein Licht anschauen /
So muß man keine Wand für mein Gesichte bauen.

44. Was Menschheit ist.
Fragstu was Menschheit sey? Jch sage dir bereit.
Es ist / mit einem Wort / die über Engelheit.

45. GOtt liebet sich allein.
Es ist gewißlich wahr / GOtt liebet sich allein /
Und wer sein ander-Er in seinem Sohn kan seyn.

46. Wer GOtt ist / siehet GOtt.
Weil ich das wahre Licht / so wie es ist / sol sehn;
So muß ichs selber seyn: sonst kan es nicht geschehn.

47. Die Liebe sucht nicht Lohn.
Mensch liebstu GOtt den HErrn / und suchest Lohn dabey /
So schmäkestu noch nicht was Lieb' und lieben sey.

48. GOtt kennt man am Geschöpffe.
GOtt der verborgne GOtt wird kundbahr und gemein /
Durch seine Creaturn / die sein' entwerffung seyn.

49. GOtt liebet die Jungfrauschafft.
GOtt trinkt der Jungfraun milch / zeugt durch diß hell und frey /
Daß wahre Jungfrauschafft sein Trank und Labsal sey.

50. GOtt wird ein kleines Kind.
GOtt schleust sich unerhört in Kindes Kleinheit ein:
Ach möcht ich doch ein Kind in diesem Kinde seyn!

51. Das unaussprechliche.
Dänkstu den Namen GOtts zu sprechen in der Zeit?
Man spricht ihn auch nicht auß in einer Ewigkeit.

52. Das Neu Jerusalem.
Das Neu Jerusalem bistu für GOtt mein Christ /
Wenn du auß GOttes Geist gantz Neugebohren bist.

53. Es mangelt nur an dir.
Ach könte nur dein Hertz zu einer Krippe werden /
GOtt würde noch einmal ein Kind auf dieser Erden.

54. Entbildet mustu seyn.
Entbilde dich mein Kind / so wirstu GOtte gleich:
Und bist in stiller Ruh dir selbst dein Himmelreich.

55. GOtt ist / Er lebet nicht.
GOTT ist nur Eigendlich: Er lebt und Liebet nicht /
Wie man von mir und dir und andren Dingen spricht.

56. Armut und Reichthumb.
Der / was er hat / nicht hat / und alles schätzet gleich /
Der ist im Reichthum arm / in Armuth ist er reich.

57. Man muß Jhm selbst entwachsen.
Entwächsestu dir selbst und aller Creatur /
So wird dir eingeimpfft die Göttliche Natur.

58. GOtt sterben und GOtt leben.
Stirb oder leb in GOtt; du thust an beiden wol:
Weil man GOtt sterben muß / und Gott auch leben sol.

59. Wer ist mehr GOtt als Mensch.
Wer ohn empfinden liebt / und ohn erkennen kennt:
Der wird mit guttem recht mehr Gott als Mensch genennt.

60. Vom lieben.
Mensch wilst- und liebstu nichts / so wilst und Liebstu wol.
Wer gleich liebt was er wil / liebt doch nicht was er sol.

61. Wer sich verläst / findt GOtt.
Wer sich verlohren hat / und von sich selbst entbunden /
Der hat GOtt seinen Trost / und seinen Heyland funden.

62. Jn beiden muß man seyn.
Mein Gott wie kalt bin ich! Ach laß mich doch erwarmen
Jn deiner Menschheit Schoß / und deiner GOttheit armen!

63. Der taube hört das Wort.
Freund glaub es oder nicht; ich hör' in jedem nu /
Wann ich bin taub und Stumm dem Ewgen Worte zu.

64. Ein seufftzer saget alles.
Wenn meine Seel erseuftzt /A & Omega. und / Ach und O schreyt hin:
So ruffet sie in sich jhr End und Anbegin.

65. Die Ewigkeit wird nicht gemessen.
Die Ewigkeit weiß nichts von Jahren / Tagen / Stunden.
Ach daß ich doch noch nicht den Mittelpunct gefunden!

66. Eins hülfft dem andern fort.
Mein Heyland der ist GOtt / und ich der andern dinge:
Jm fall sie sich in mich / und ich in Jhn mich schwinge.

67. Die Abgeschiedenheit.
Weil Abgeschiedenheit sich niemand macht gemein:
So muß sie ohne sucht und eine Jungfrau seyn.

68. Mit Schweigen wirds gesprochen.
Mensch so du wilt das seyn der Ewigkeit aussprechen /
So mustu dich zuvor deß Redens gantz entbrechen.

69. Die Geistliche Schiffart.
Die Welt ist meine See / der Schifmann Gottes Geist /
Das Schif mein Leib / die Seel ists die nach Hause reist.

70. Die Lauterkeit.
Vollkomne Lauterkeit ist Bild-Form-Liebe-loß:
Steht aller Eigenschafft / wie GOttes wesen bloß.

71. Der wesentliche Mensch.
Ein wesentlicher Mensch ist wie die Ewigkeit /
Die unverändert bleibt von aller äusserheit.

72. Wer mit den Engeln singen kan.
Wer sich nur einen blik kan übersich erschwingen /
Der kan das Gloria mit GOttes Engeln singen.

73. An den Sünder.
Ach Sünder wend dich umb / und lerne GOtt erkennen:
Jch weiß du wirst Jhn bald den lieben Vatter nennen.

74. Du must Vergöttet werden.
Christ / es ist nicht genug daß ich in GOtt nur bin:
Jch muß auch GOttessafft zum wachsen in mich ziehn.

75. Du must auch Früchte tragen.
Trinkstu deß HErren Blut / und bringest keine Frucht /
So wirstu kräfftiger als jener Baum verflucht.

76. Auch dir ist nichts versagt.
O Edler Geist entreiß / laß dich doch nicht so binden:
Du kanst GOtt herrlicher / als alle Heilgen finden.

77. A B ist schon genug.
Die Heyde plappern vil: wer Geistlich weiß zubetten /
A B B A Der kan mit A und B getrost für Gott hintretten.

78. Ein Lieb verzukt das andre.
Wenn meine Seele GOtt im Geist begegnen kan /
So start (O JEsu Christ!) ein Lieb das Ander an.

79. Der geistliche Tempel GOttes.
Die Pforten deiner Stadt / Mein GOtt / sind Perlefein:
Was muß doch für ein Blitz mein Geist dein Tempel seyn?

80. Das geistliche Zion.
Führ auf HErr deinen Bau / hier ist die Friedens-Stadt /
Hier ist wo Salomon dein Sohn sein Zion hat.

81. Der Oelberg.
Sol dich deß Herren Angst erlösen von beschwerden /
So muß dein Hertze vor zu einem Oelberg werden.

82. Das Hertze.
Mein Hertz ist unten eng' und obenher so weit /
Daß es GOtt offen sey / verspert der Jrrdigkeit.

83. Der geistliche Berg.
Jch bin ein Berg in GOtt / und muß mich selber steigen /
Daferne GOtt mir sol sein liebes Antlitz zeigen.

84. Jn der höhe wird GOtt geschaut.
Hin auf / Wo dich der Blitz mit Christo sol umbgeben /
Mustu wie seine drey auf Thabors höhe leben.

85. Dein Kärker bistu selbst.
Die Welt die hält dich nicht / du selber bist die Welt /
Die dich in dir mit dir so stark gefangen hält.

86. Du musts auch selbst gewinnen.
GOtt hat wol gnug gethan: doch du trägst nichts davon /
Wo auch nicht du in Jhm erkriegest deine Kron.

87. Das geistliche Käuchelein.
Mein Leib ist eine Schal' in dem ein Keuchelein
Vom Geist der Ewigkeit wil außgebrüttet seyn.

88. Eben vom selbigen.
Das arme Käuchelein kluchst und pikt für und für:
Wird es dann nicht bald sehn deß Ewgen Lichtes Zihr!

89. Gegen Aufgang mustu sehn.
Freund wiltu an Jhm selbst das Licht der Sonnen sehn /
So mustu dein Gesicht hin zu dem Aufgang drehn.

90. Die Unterwirfflichkeit.
Der Blitz deß Sohnes GOtts durchleucht in einem Nun
Die Hertzen / welche sich Jhm gäntzlich unterthun.

91. Die Geduld.
Geduld ist über Gold: sie kan auch GOtt bezwingen /
Und was Er hat und ist gantz in mein Hertze bringen.

92. Die geheimste Gelassenheit.
Gelassenheit fäht GOtt: GOtt aber selbst zulassen /
Jst ein Gelassenheit / die wenig Menschen fassen.

93. Der geheime GOttes Kuß.
GOtt küst mich seinen Sohn mit seinem heilgen Geist /
Wenn Er mich liebes Kind in Christo JEsu heist.

94. Eins ist des andern Trost.
GOtt ist der Lichter Licht / Mein Heyland ist die Sonne /
Maria ist der Mon / ich Jhrer aller Wonne.

95. Das Lamm und auch der Löw.
Wer alles untertritt / und alles duldet fein /
Der muß ein Lamm und Löw in einem wesen seyn.

96. Warumb der H. Geist wie ein Daube erscheint.
Warumb daß GOttes Geist wie eine Daub' erscheint?
Er thuts / weil Er / mein Kind dich zu erkeucheln meint.

97. Der Heilgen Dauben näst.
Wenn du ein Däublein bist / und keine Galle hast;
So findestu mein Christ im Hertzen JEsu rast.

98. Am sichersten am besten.
Fleuch meine Daube fleuch und rast' in Christi Seelen /
Wo wiltu dich sonst hin verbergen und verhölen?

99. Die wiedergültige Däubelein.
O wunder! GOtt ist mir / ich Jhm ein Däubelein:
Schau doch wie alle zwey ein ander Eines seyn!

100. Gib Ruh / so ruhstu wieder.
Wenn GOttes Daube kan in deinem Hertzen ruhn /
Wird sie dir widerumb das Hertze GOtts aufthun.

101. Die geheime Uberschattung.
Jch muß GOtts Schwanger seyn: sein Geist muß ob mir schweben /
Und GOtt in meiner Seel wahrhafftig machen leben.

102. Das äußre tröst mich nicht.
Was hilfft michs Gabriel / daß du Mariam grüst /
Wenn du nicht auch bey mir derselbe Botte bist!

103. Die geistliche Geburt.
Berührt dich GOttes Geist mit seiner Wesenheit
So wird in dir gebohrn das Kind der Ewigkeit.

104. Die geistliche Schwängerung.
Jst deine Seele Magd / und wie Maria rein /
So muß sie Augenbliks von GOtte schwanger seyn.

105. Ein Ris' und auch ein Kind.
Wenn GOtt sich wesentlich in mir gebohren findt /
So bin ich (Wunder ding!) ein Ris' und auch ein Kind.

106. Erweitert mustu seyn.
Erweitere dein Hertz / so gehet GOtt darein:
Du solt sein Himmelreich / Er wil dein König seyn.

107. Die Neugeburt.
Hat deine Neugeburt mit wesen nichts gemein /
Wie kan sie ein Geschöpff in Christo JEsu seyn?

108. Die Braut GOttes.
Kind werde GOttes Braut / entbeuth dich Jhm allein;
Du wirst seins Hertzens Schatz / und er dein liebster seyn.

109. Die Welt vergehet nicht.
Schau / dise Welt vergeht. Was? sie vergeht auch nicht /
Es ist nur Finsternuß was GOtt an Jhr zerbricht.

110. Die Verklärung.
Mein Leib der wird für GOtt wie ein Carfunkel stehn /
Wenn seine grobheit wird im Feuer untergehn.

111. Maria.
Du preist MARIAM hoch: ich sage noch darbey /
Daß sie die Königin der Königinnen sey.

112. Auß und ein / Gebähren und Gebohren seyn.
Wenn du in Wahrheit kanst auß GOtt gebohren seyn /
Und wider GOtt gebährn: so gehstu auß und ein.

113. Man sol vernünfftig handeln.
Freund so du trinken wilt / so setz doch deinen Mund /
Wie ein Vernünfftiger recht an deß Fasses spund.

114. Die Creaturn sind gut.
Du klagst / die Creaturn die bringen dich in Pein:
Wie? müssen sie doch mir ein Weg zu GOtte seyn.

115. Die geistliche Jagt.
Wie wol wirstu gejagt vonn Hunden lieber Christ:
So du nur williglich die Hindin GOttes bist.

116. Die beste Gesellschafft.
Gesellschafft acht' ich nicht: Es sey dann daß das Kind /
Die Jungfrau / und die Daub' / und's Lamm beisammen sind.

117. Die Einsamkeit.
Die Einsamkeit ist noth / doch sey nur nicht gemein:
So kanstu überall in einer Wüsten seyn.

118. Göttlich Leben.
Jm fall dich niemand recht und gnug berichten kan
Was Göttlich Leben sey: so sprich den Henoch an.Henoch heist ein Gott ergebener.

119. Göttliche gleichheit.
Ein Gott ergebner Mensch ist Gotte gleich an Ruh /
Und wandelt über Zeit und Ort in jedem Nu.

120. Man ißt und Trinket GOtt.
Wenn du Vergöttet bist / so jßt- und trinkst-du GOtt /
(Und diß ist ewig wahr) in jedem bissen Brodt.

121. Das Glied hat des Leibes wesen.
Hastu nicht Leib und Seel und Geist mit Gott gemein:
Wie kanstu dann ein Glied im Leibe JEsu seyn?

122. Die geistliche Weinrebe.
Jch bin die Reb' im Sohn / der Vatter pflantzt und speist /
Die Frucht die auß mir wächst ist GOtt der heilge Geist.

123. Geduld hat jhr warumb.
Ein Christ trägt mit Geduld sein Leyden / Creutz und Pein /
Damit er ewig mag bey seinem JEsu seyn.

124. GOtt ist voller Sonnen.
Weil der gerechte Mensch gläntzt wie der Sonnenschein /
So wird nach dieser Zeit GOtt voller Sonnen seyn.

125. Du must das wesen haben.
GOtt selbst ists Himmelreich: wiltu in Himmel kommen /
Muß GOttes wesenheit in dir seyn angeglommen.

126. Die Gnade wird Natur.
Fragstu warumb ein Christ sey From / Gerecht und Frey?
So fragestu warumb ein Lamm kein Tiger sey.

127. Das Liebst' auf dieser Erden.
Fragstu was meine Seel am Liebsten hat auf Erden?
So wisse daß es heist: mit nichts beflekket werden.

128. Der Himmel steht stätts offen.
Verzweifle nicht mein Christ / du kanst inn Himmel draben /
So du nur magst darzu ein Mannlich Hertze haben.

129. Eins jeden Eigenschafft.
Das Thier wird durch die Art / der Mensch durch den Verstand /
Der Engel durch das schaun / durchs wesen Gott bekandt.

130. Es muß Vergoldet seyn.
Christ alles was du thust / das überzeuch mit Gold:Gold der Liebe.
Sonst ist GOtt weder dir / noch deinen Werken hold.

131. Nihm also daß du hast.
Mensch nihmstu GOtt als Trost / als süssigkeit / und Licht:
Waß hastu dann wenn Trost / Licht / süssigkeit gebricht?

132. GOttes Eigenschafft.
Was ist GOtts Eigenschafft? sich ins Geschöpff ergiessen /
Allzeit derselbe seyn / nichts haben / wollen / wissen.Verstehe accidencialiter oder zufälliger weise; dann was Gott wil und weiß / das wil und weiß er wesentlich. Also hat er auch nichts (mit Eigenschafft).

133. Die Gelassenheit.
Freund glaub es / heist mich GOtt nicht in den Himmel gehn /
So wil ich lieber hier / auch in der Höllen stehn.

134. Die Gleichheit.
Wer nirgends ist gebohrn / und niemand wird bekandt /
Der hat auch in der Höll sein liebes Vaterland.

135. Die Gelassenheit.
Jch mag nicht Krafft / Gewalt / Kunst / Weißheit / Reichthum / Schein:
Jch wil nur als ein Kind in meinem Vater seyn.

136. Eben von derselben.
Geh auß / so geht Gott ein: Stirb dir / so lebstu GOtt:
Sey nicht / so ist es Er: thu nichts / so gschicht's Geboth.

137. Schrifft ohne Geist ist nichts.
Die Schrifft ist Schrifft sonst nichts. Mein Trost ist Wesenheit /
Und daß GOtt in mir spricht das Wort der Ewigkeit.

138. Der Schönst' im Himmelreich.
Die Seele / welche hier noch kleiner ist als klein /
Wird in dem Himmelreich die schönste Göttin seyn.

139. Wie kan man Englisch seyn?
Kind wiltu Englisch seyn / so kanstu es bereit:
Wie dann? sie leben stäts in unannehmlichkeit.

140. Die Selbst-vernichtigung.
Nichts bringt dich über dich als die Vernichtigkeit:
Wer mehr Vernichtigt ist / der hat mehr Göttlichkeit.

141. Der Grundgelassene.
Ein Grundgelassner Mensch ist Ewig frey und Ein:
Kan auch ein Unterscheid an jhm und GOtte seyn?

142. Du must es selber seyn.
Frag nicht was Göttlich sey: Denn so du es nicht bist /
So weistu es doch nicht / ob du's gleich hörst mein Christ.

143. Jn GOtt ist alles GOtt.
Jn GOtt ist alles GOtt: Ein eintzigs Würmelein /
Das ist in GOtt so viel als tausend GOtte seyn.

144. Was ist Gelassenheit?
Was ist Gelassenheit? Jch sag' ohn Heucheley:
Daß es in deiner Seel der wille JEsu sey.

145. Das wesen GOttes.
Was ist das wesen GOtts? Fragstu mein ängigkeit?
Doch wisse / daß es ist ein' überwesenheit.

146. GOtt ist Fünsternuß und Licht.
GOtt ist ein lautrer Blitz / und auch ein Tunkles nicht /
Das keine Creatur beschaut mit jhrem Licht.

147. Die Ewge Gnadenwahl.
Ach zweifele doch nicht: sey nur auß GOtt gebohrn /
So bistu ewiglich zum Leben außerkohrn.

148. Der arme im Geist.
Ein wahrer armer Mensch steht gantz auf nichts gericht:
Gibt GOtt jhm gleich sich selbst / ich weiß er nihmt jhn nicht.

149. Du selbst bist alle Dinge.
Wie magstu was begehrn? du selber kanst allein /
Der Himmel und die Erd' / und tausend Engel seyn.

150. Die Demut ist dir Noth.
Sieh nur fein unter dich: du fleuchst den Blitz der Zeit /
Was meinstu dann zu schaun inn Blitz der Ewigkeit?

151. Des Christen Edlestes.
Was ist das Edelste? Was ist das fein-Perlein
Des Neugebornen Christs? Jhm allzeit gleiche seyn.

152. Das Allergöttlichste.
Kein ding ist Göttlicher (im fall du es kanst fassen /)
Als jetzt und ewiglich sich nicht bewegen lassen.

153. Die Ewigkeit.
Was ist die Ewigkeit? Sie ist nicht diß / nicht das /
Nicht Nun / nicht Jchts / nicht Nichts / sie ist / ich weiß nicht was.

154. Ein Stern geht vor die Sonne.
Jch frage nicht so viel nach tausend Sonneschein /
Wenn ich nur mag ein Stern inn Augen JEsu seyn.

155. Es ligt an dir allein.
Ach Mensch versäum dich nicht: es ligt an dir allein /
Spring auf durch GOtt / du kanst der gröst' im Himmel seyn.

156. GOtt kennt man durch die Sonne.
Die Sonn ist nur ein Glast / und alles Liecht ein schein:
Was muß doch für ein Blitz / GOtt meine Sonne seyn!

157. GOtt schauet man an sich.
Wie ist mein GOtt gestalt? Geh schau dich selber an /
Wer sich in GOtt beschaut / schaut Gott warhafftig an.

158. Die Seele kombt von GOtt.
Die Seel ist eine Flamm auß GOtt dem Blitz gegangen:intellige creaturaliter.
Ach solte sie dann nicht in Jhn zurük gelangen.

159. Der Geist ist wie das wesen.
Mein Geist ist wie ein seyn: er ahnt dem wesen nach /
Von dem er urgestand / und Anfangs aufgebrach.

160. Der Geist stirbt nimmermehr.
Der Geist lebt in sich selbst: gebricht jhm gleich das Licht /
(Wie ein verdammter wird) so stirbet er doch nicht.

161. Jm jnnern Wohnt man wol.
Was meines Geistes Geist / meins wesens wesen ist /
Das ists / das ich für mich zur Wohnung hab erkiest.

162. Hinein kehr deine Strahlen.
Ach kehrt nur meine Seel jhr Flammen umb und ein!
So wird sie mit dem Blitz / bald Blitz und Eines seyn.

163. GOtt würket wie das Fewr.
Das Fewer schmeltzt und eint: sinckstu inn Ursprung ein /
So muß dein Geist mit GOtt in Eins geschmeltzet seyn.

164. Die Unschuld brennet nicht.
Entschulde dich durch Gott: die Unschuld bleibt bewehrt /
Und wird in Ewigkeit von keiner Glutt verzehrt.

165. Ein Tröpfflein ist genug.
Der nur ein tröpfflein Bluts auß Christo kan geniessen /
Der muß gantz seeliglich mit Jhm in GOtt zerflissen.

166. Die Boßheit hat kein wesen.
Mensch wenn du durch das Blutt deß Lammes bist genesen /
So bistu ewiglich kein böser Mensch gewesen.

167. Der Mittler ist nur JEsus.
Jch weiß kein mittel nicht als meinen JEsum Christ:
Sein Blutt das ists / in dem sich GOtt in mich ergist.

168. Eins ist so Alt als das andre.
Ein Kind / das auf der Welt nur eine Stunde bleibt /
Das wird so Alt / als man Matusalem beschreibt.

169. Die Gleichheit schauet Gott.
Wem nichts wie alles ist / und alles wie ein nichts:
Der wird gewürdiget deß Liebsten Angesichts.

170. Die scheidung muß geschehn.
Die Unschuld ist ein Gold das keine Schlakken hat:
Entzeuch dich auß dem Kiß / so bistu's in der that.

171. Der Adler fleuget hoch.
Ja wer ein Adler ist / der kan sich wol erschwingen /
Und über Seraphim durch tausend Himmel dringen.

172. Ein Phoenix sol man seyn.
Jch wil ein Phoenix seyn / und mich in GOtt verbrennen /
Damit mich nur nichts mehr von Jhme könne trennen.

173. Die Schwachen müssen warten.
Du armes Vögelein / kanstu nicht selber fliegen /
So bleibe mit Geduld biß du mehr krafft hast ligen.

174. Es wil geübet seyn.
Versuch mein Däubelein mit übung lernt man viel:
Wer nur nicht sitzen bleibt / der kombt doch noch zum Ziel.

175. Der Geist fährt in die Wüste.
Kanstu dich auf den Geist in deinem Heyland schwingen /
So wird er dich mit sich in seine Wüste bringen.

176. Beständig muß man seyn.
Verstockt ist halb verlohrn: doch wer im gutten kan
Ein Stok und Eysen seyn / steht auf deß Lebens bahn.

177. Es wird nicht alls gerichtet.
Die Menschen die in Gott mit Christo sind verschlungen /
Sind durchs Gericht' und Tod gantz seelig durchgedrungen.

178. Alls steht im Jch und Du / (Schöpffer und Geschöpffe).
Nichts ist als Jch und Du: und wenn wir zwey nicht seyn /
So ist GOtt nicht mehr GOtt / und fällt der Himmel ein.Besihe den Begihrer am Ende.

179. Es sol ein Einigs werden.
Ach ja! wär' ich im Du / und du im ich ein Ein;
So möchte Tausendmahl der Himmel Himmel seyn.

180. Der Mensch ist nichts / GOtt alles.
Jch bin nicht Jch noch Du: Du bist wol Jch in mir:
Drumb geb ich dir mein GOtt allein die Ehrgebühr.

181. Der Sünder ist verblendt.
Der Sünder sihet nichts: je mehr er laufft und rennt
Jn seiner Eigenheit / je mehr er sich verblendt.

182. GOtt ist alles gegenwärtig.
Es ist kein Vor noch Nach: was Morgen sol geschehn /
Hat GOtt von Ewigkeit schon wesentlich gesehn.

183. Jn der mitten siht man alles.
Setz dich in Mittelpunct / so sihstu alls zugleich /
Was jetz und dann geschieht / hier und im Himmelreich.

184. Der Cherubin schaut nur auf GOtt.
Wer hier auf niemand siht / als nur auf GOtt allein:
Wird dort ein Cherubin bey seinem Throne seyn.

185. Der Sohn und Gnadenthron.
Weg mit dem Schattenstul: der Eingebohrne Sohn /
Jst nun in mir das selbst / und mein Versöhnungsthron.

186. Man sol GOtt nit versuchen.
Sey Züchtig / Keusch und Still: wer unbedachtsam rennt /
Wird von der Majestät gestürtzet und verbrennt.

187. Jch darf kein Fern-Gesicht.
Freund / so ich für mich selbst kan in die weite sehn:
Was darf es dann erst durch dein fernGesicht geschehn?

188. Man mißt das wesen nicht.
Es ist kein Anfang nicht / es ist auch nicht ein Ende /
Kein Mittelpunct noch kreiß / wie ich mich jmmer wende.

189. Der Anfang findt das Ende.
Wann GOtt sich mit mir Mensch vereinigt und verbindt /
So siht der Anbegin daß er sein Ende findt.

190. Von GOtt.
GOtt der geneust sich selbst / wird seiner auch nicht satt /
Weil Er an sich allein die höchste gnüge hat.

191. Verbothnes muß man meyden.
Wer sich nicht mit der Frucht die GOtt verbothen speist /
Wird auß dem Paradeiß nicht einen tritt verweist.

192. Rechtschaffen muß man seyn.
Ach Bruder werde doch: was bleibstu Dunst und Schein?
Wir messen wesentlich ein Neues worden seyn.

193. Der Sieg ist wesentlich.
Mensch weil es nicht im wolln und eygnem Lauffen ligt /
So mustu thun wie GOtt / der ohne willen Sigt.

194. Das Licht gibts zu erkennen.
Geh / ruff dem Morgenstern: denn wann der Tag anbricht /
So siehet man erst recht was Schön ist oder nicht.

195. Regiern ist Königlich.
Wer wol regieren kan im Streit / in Freud' und Pein:
Der wird in GOttes Reich ein ewger König seyn.

196. Die Demut ist sehr gut.
Jch mag kein König seyn; und so ich es je muß /
So werf ich mich doch straks mein Gott für deinen Fuß.

197. Verläugnung seiner selbst.
HErr nihm die Krone hin; Jch weiß ja nichts vom Mein:
Wie kan sie dann mit recht mein' und nicht deine seyn?

198. GOtt spielt mit dem Geschöpffe.
Diß alles ist ein Spiel / das Jhr die GOttheit macht:
Sie hat die Creatur umb Jhret willn erdacht.

199. Auch GOtt verläugnet sich.
Wenn Gott zum Heilgen spricht: du du hast mich erzihlt:
Sag / ob er nicht mit jhm recht der Verläugnung spielt?Matth. 25. Weil GOtt jhm Gnade und Krafft darzu gegeben; oder es selbst durch seinen Geist in jhm dem Menschen gethan.

200. Die Aufgegebenheit.
Wer seine Seele hat verlohren und vergeben /
Der kan gantz seeliglich mit GOtt die wette leben.

201. Der Mensch der andre GOtt.
Sag zwischen mir und GOtt den eingen Unterscheid?
Es ist mit einem Wort / nichts als die Anderheit.

202. Alleine seyn gleicht GOtt.
Wer stäts alleine lebt / und niemand wird gemein:
Der muß / ist er nicht GOtt / gewiß Vergöttet seyn.

203. Die Demut steigt am Höchsten.
Wer in der Demut GOtts am tiefsten ist versunken /
Der ist der höchste Glantz auß allen Himmelsfunken.

204. Der Mensch Jmmanuel
Wer stäts in sich die Schlang' und Drachen kan ermorden /
Der ist Jmmanuel in Christo JEsu worden.

205. Das Böse scheid vom Gutten.
Jß Butter iß mein Kind / und Hönig (GOtt) dabey:
Damit du lernst wie böß' und gutt zuscheyden sey.

206. Ein Mann und auch ein Kind.
Ein Mann ist nicht ein Kind: doch wisse daß ein Mann /
So du nur wilt in dir mein Kind / wol Leben kann.

207. GOtt ist in dir das Leben.
Nicht du bist der da lebt: denn das Geschöpff ist Tod:
Das Leben / das in dir dich leben macht ist GOtt.

208. Gelassen muß man ewig seyn.
Wer auch im Paradiß nicht noch sol untergehn /
Der Mensch muß ewiglich / auch GOttes / ledig stehn.

209. Die wahre Ledigkeit.
Die wahre Ledigkeit ist wie ein edles Faß /
Das Nectar in sich hat: Es hat / und weiß nicht waß.

210. Die Göttliche Heiligkeit.
Mensch ists dein Ernst / du kanst ohn allen falschen Schein
So heilig und gerecht / als GOtt dein Schöpffer seyn.

211. Was ist die Heiligkeit.
Rechtschaffne Heiligkeit ist wie ein guldnes Glaß
Durchauß polirt und rein. Geh / und betrachte das.

212. Sechs Dinge seynd nur Eins.
Rath / wie ein Mensch und GOtt / ein Löw / Lamm / Rieß' und Kind /
Jn einer Creatur ein einigs wesen sind?

213. Die Wortlein Auß und Ein.
Zwey Wörtlein lieb ich sehr; sie heissen Auß und Ein:
Auß Babel / und auß mir / in GOtt und JEsum ein.

214. Die Werke gelten gleiche.
Hab keinen unterscheid: heist Gott den Mist verführen /
Der Engel thuts so gern als ruhn und Musiciren.

215. Man muß sich recht bequämen.
Wer sich zum Aufgang kehrt / und wartt auf seinen Gott /
Jn dem komt bald herfür das gnädge Morgenroth.

216. Was heisset Englisch Leben?
Rein / Lauter / g'lassen seyn / recht lieben / dienen / schauen /
Heist wol mit guttem recht ein Englisch leben bauen.

217. Der achtmal seelige.
Sey Hungrig / Arm / und Sanfft / Barmhertzig / Friedlich / Rein /
Betrübt / Verfolgt umb GOtt: so kanstu seelig seyn.

218. Die Weißheit wird gemeistert.
Und GOtt sahe daß es alles gutt war / was Er gemacht hatte. Die Weißheit tadelt nichts; sie aber muß allein /
Von jhrer Creatur so offt getadelt seyn.

219. Die gutten Werke.
Mit Speise / Trank und Trost / Beherbrigen / Bekleyden /
Besuchen in der Noth / heist GOttes Lämmlein weiden.

220. Wachen / Fasten / Bethen.
Drey Werke muß man thun / wenn man für GOtt wil trethen /
Er fordert sonst auch nichts: als / Wachen / Fasten / Bethen.

221. GOtt sieht nur zwey Dinge.
Zwey Dinge siht nur GOtt / den Bok / und mich sein Lamm:
Vom Bokke scheydet mich Ein Einge Liebesflamm.

222. Es muß Gewuchert seyn.
Knecht wuchre daß du hast: denn wann der HErr wird kommen:
So wird von jhm allein der Wuchrer angenommen.

223. GOtt liebt die Keuschheit sehr.
Die Keuschheit ist bey GOtt / so kräfftig / wehrt und rein
Als tausend Lilien für einer Tulpe seyn.

224. Die liebreiche Busse.
Freund so du ja nicht wilt ein Junggeselle bleiben /
So wolle dich doch nur mit Magdalen beweiben.

225. Die Feuer-Tauffe.
Getauffet muß man seyn: wen Geist und Feuer taufft /
Der ists der Ewiglich in keinem Pful ersaufft.

226. Die Tauffe.
Ach Sünder trotze nicht daß du getauffet bist;
Die schönste Lilge wird im Koth zu Koth und Mist.

227. Auch darvon.
Was hilfft dichs daß du bist mit Wasser abgewaschen /
So du in dir nicht dämpffst die Lust vom Koth zunaschen?

228. Nur eins wil GOtt von uns.
Ein eintzigs Wort spricht Gott zu mir / zu dir / und allen /
Lieb; thun wir diß durch Jhn / wir müssen jhm gefallen.

229. Das Bildnuß halt inn Ehren.
Speystu die Bilder an / und bist doch selbst ein Bild?
Was meinstu dann von dir / wie du bestehen wilt?

230. Der Lebensbaum.
Sol dich deß Lebens baum befreyn von Todsbeschwerden /
So mustu selbst in GOtt ein Baum deß Lebens werden.

231. Die Sonnen wende.
Verwundre dich nicht Freund / daß ich auf nichts mag sehn /
Jch muß mich allezeit nach meiner Sonne drehn.

232. Grün und Weiß / hat den Preiß.
Zwey Farben halt' ich hoch / und suche sie mit fleiß:
Grün in Gerechtigkeit / in Christi Unschuld Weiß.

233. Die Tugend Lebt in Liebe.
Fürwahr die Tugend lebt / ich sags ohn deuteley:
Lieb / und so sihestu / daß Lieb jhr Leben sey.

234. Erwöhle was du wilt.
Lieb' ist die Königin / die Tugenden Jungfrawen /
Die Mägde Werk und That: wem wiltu dich vertrauen?

235. Die geheimbe Mässigkeit.
Wer keines Dings zu viel in sich Pflegt einzusauffen:
Auch Gottsdenotatur hic gula Spititualis. (versteh mich recht) den muß ich mässig tauffen.

236. Friedreich heist Gottes Sohn.
Nenn mich nicht Seraphin nicht Cherubin / nicht Thron;
Jch wil der Friedreich seyn: denn so heist Gottes Sohn.

237. GOtt wil vollkommne haben.
Entwachse dir mein Kind: wiltu zu GOtt hienein;
So mustu vor ein Mann vollkomnes Alters seyn.

238. Auß Tugend wächst der Friede.
Fried ist der Tugendlohn / jhr end und Unterhalt /
Jhr Band und Seeligkeit: ohn jhn zerstäubt sie bald.

239. Der jnnerliche Friede.
Jn sich mit GOtt und Mensch befriedigt seyn und Ein /
Das muß bey gutter Trew / Fried über Friede seyn!

240. Der Göttliche Friede.
Ach! wer in GOtt sein End und seinen Sabbat kommen /
Der ist inn Frieden selbst Verformbt und aufgenommen.

241. Die Vierfache überwindung.
Mit listigkeit / Gedult / Gehorsam / Mässigkeit /
Erhältstu wieder dich / GOtt / Welt / und Feind den Streit.

242. Jerusalem ligt mitten.
Wer in der mitten ligt / und lacht zu Spott und Hohn;
Der ist Jerusalem deß Königs Stadt und Thron.

243. Die Sanfften sind die Lämmer.
Wen weder GOtt noch Feind bringt auß der Sanfften Orden /
Der ist nu gantz ein Lamb im Lamme JEsu worden.

244. Verachtet seyn bringt Wonne.
Verlacht / Verlassen stehn / viel leyden in der Zeit /
Nichts haben / können / seyn / ist meine Herrlichkeit.

245. Die GOttheit ist meine Mutter.
Auß GOtt bin ich gebohrn: ists ohne deuteley;
So frage mich nur nicht wer meine Mutter sey.

246. Was der Teufel hört.
Der Teufel höret nichts / als Donnern / poltern / krachen:
Drumb kanstu jhn mit Lust durch Sanfftmuth thöricht machen.

247. Du kanst dem Feind vergeben.
Entbrenne doch mein Kind / und sey ein Licht in GOtt:
So bistu Belials Gifft / Finsternüß / und Tod.

248. Die Stille gleicht dem Ewgen nicht.
Nichts ist dem Nichts so gleich als Einsamkeit und Stille:
Deßwegen wil sie auch / so er was wil / mein Wille.

249. Der Teuffel sicht kein Licht.
Mensch wikle dich in GOtt / verbirg dich in sein Liecht:
Jch schwehre dir beym Jah / der Teufel sicht dich nicht.

250. Die Sanfftmuth zeigt es an.
Kan ich an deiner Thür vergoldet Oelholtz kennen.
So wil ich dich deß Bliks den Tempel Gottes nennen.

251. Es muß von GOtt herkommen.
Sol meine Lampe Licht und lautre Strahlen schissen /
So muß das Oel auß dir mein liebster JEsu fliessen.

252. Die höchste benedeiung.
Kein Mensch hat jemahls GOtt so hoch gebenedeyt /
Als der Jhm / daß er jhn zum Sohn gebiehrt / verleiht.

253. Mit meyden muß man streiten.
Hastu verworffenheit / verachten / meiden / fliehn /
So kanstu thurstiglich mit GOtt zu Felde ziehn.

254. Das Seraphinische Leben.
Auß Liebe gehn und stehn / Lieb äthmen / reden / singen:
Heist seine Lebenszeit wie Seraphim verbringen.

255. Fünff Staffeln sind in GOtt.
Fünff Staffeln sind in GOtt: Knecht / Freund / Sohn / Braut / Gemahl:
Wer weiter kombtannihilatur, â seipso diffluit, deficit &c. sc: moraliter. / verwird / und weiß nichts mehr von Zahl.

256. Nichts Unreins kombt für GOtt.
Ach Mensch werd' überformt: fürwahr du must so fein
Für GOttes Angesicht / als Christi Seele seyn.

257. Du auch must für Jhn Sterben.
Deß HErren Christi Tod hilfft dich nicht eh mein Christ /
Biß auch du selbst für Jhn in Jhm gestorben bist.

258. Die Ewigkeit.
Jm fall dich länger dünkt die Ewigkeit als Zeit:
So redestu von Peyn und nicht von Seeligkeit.

Text: Angelus Silesius, „Cherubinischer Wandersmann" (1657/1675), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.