Aufs Paradies o Klausner laß

1Aufs Paradies o Klausner laß
Verzicht uns tun,
Wir sind von Anfang her dazu
Nicht eingeschrieben.

2Wer Gott zu lieb auf dieser Welt
Kein Körnlein pflanzet,
Der wird mit keinem Körnlein auch
Des Daseins froh.

3Dir ziemt Moschee und Rosenkranz,
Gebet und Tugend,
Und mir die Schenk' und Glockenton
Und Kirch und Kloster.

4Du frommer Mann, o halte mich
Nicht ab vom Weine,
Es ward mein Staub am Schöpfungstag
Mit Wein geknetet.

5Der ist kein Weiser, der verdien't'
Nicht Himmels freuden,
Wer in der Schenke nie sein Kleid
Für Wein verpfändet.

6Wer seines Freundes Kleidersaum
Entschlüpfen lasset,
Wird Edenslust und Engelskuß
Nie recht genießen.

7Hafts, wenn Gottes Gnade dich
Mit Gunst bezeichnet,
Scheu du die Hölle nicht, du bist
Des Himmels sicher.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.