Bedarf mein Garten wohl
1Bedarf mein Garten wohl
Der Pinien, Zypressen?
Wem weicht der Buchs des Freundes
Genährt in meinem Schatten.
2Bei deinem Haupt! o Knabe sag',
Wes Glaubens bist du,
Daß unser Blut dir mehr
Als Muttermilch gedeiht!
3Siehst du von weitem nur
Das Bild des Grames, trinke!
Der Wunden Tiefe prüften wir,
Es hilft dies Mittel.
4Warum soll ich mich
Von der Tür des Wirts entfernen?
Hier wohnt das Glück,
Hier werden aufgetan die Wünsche.
5Zerbrochne Herzen kaufet
Man auf unsrem Wege,
Es wird der Handel hier
Auf andre Art getrieben.
6Genuß versprach er mir,
Noch gestern bei dem Weine;
Was sagt er heut, was lieget ihm
Denn wieder in dem Kopfe?
7Einförmig ist der Liebe Gram
Und seltsam ist er!
Ich hörte keinen,
Der sich wiederholet hätte.
8O komm, es sehnet sich
Nach dir das Hoffnungsauge,
Wie's Ohr der Fastenden
Nach dem Allah akbar.
9Schmäh nicht Shiraz und seinen Bach
Und seine Dichter,
Es ist und bleibt der Glanz
Der sieben Erdengürtel.
10Wie weit steht Chisers Quell'
Nicht hinter Rocknas Wasser!
Er quillt in finstrer Nacht,
Und dies vom Hügel Gottes.
11Nie will ich der Zufriedenheit
Und Ruh' entsagen.
Zum Fürsten sprich: die Nahrung
Ist vorausbestimmet.
12Was für ein seltenes Rohr
Hafts ist deine Feder!
Sie traget Früchte süß
Wie Honig und wie Zucker.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.