Der Garten Edens ist die Zelle der Derwische
1Der Garten Edens ist die Zelle der Derwische.
Es quillt ein Ehrenquell im Dienste der Derwische.
2Der Schatz der Einsamkeit mit feinem Talisman
Wird nur gehoben durch die Blicke der Derwische.
3Die Sonne legt die Krone ihres Stolzes nieder,
Vor jenem Scheine, der umstrahlet die Derwische.
4Des Himmels herrlichster Palast mit seinem Hüter
Ist nur ein Schatten von den Fluren der Derwische.
5Der Stein der Weisen, der durch Glanz des Herzens Eisen
In Gold verkehrt, liegt in dem Umgang der Derwische.
6Das Heer des Unrechts ist von Pol zu Pol gelagert,
Allein des Siegs Gelegenheit ist für Derwische.
7Suchst du die Herrschaft, die kein Untergang bedrohet,
Hör's ohne Groll, dies ist die Herrschaft der Derwische.
8Chosroen sind der Nöten und der Bitten Kibla,
Warum? Sie selber sind die Diener der Derwische.
9O Reicher prahle nicht mit deinem Glanz und Stolze;
Denn Gold und Silber ist ein Segen der Derwische.
10Der Schatz Karuns, er ging zu Grund im Grimme Gottes,
Wie die Geschichten sagen, aus Mißgunst der Derwische.
11Des Wunsches Angesicht, um das die Schönen flehen,
Erscheint im Spiegel vor dem Antlitz der Derwische.
12Ich bin der Knecht des Blicks, des Großwesirs der Zeiten,
Es hat der Schahe Art, die Sitte der Derwische.
Hafis! Verlangest du des ewigen Lebens Wasser?
Es quillt im Pforten Staub der Zelle der Derwische.
13Hafis hier sei bescheiden, denn des Reiches Herrschaft
Hängt ab vom Dienst, den du verrichtest für Derwische.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.