Deine Schönheit stets vermehret sei

1Deine Schönheit stets vermehret sei!
Deine Wange zu tulpenfärbig sei!

2Deiner Liebe Bild in meinem Kopf
Täglich mehr und größer sei!

3Aller Schönen Wuchs zu deinem Dienst
Wie ein C gekrümmet sei!

4Jedes Auge, das du nicht verwirrest,
Tränenquell ein Blutmeer sei!

5Zu dem Herzensraub dein schelmisch Auge
Zaubereienkundig sei!

6Jedes Herz, worauf dein Gram gewirkt,
Ohne Rast und Ruhe sei!

7Jedes Herz, das Trennungsschmerz nicht kennt,
Vom Genußring ferne sei!

8Meine Seele, nämlich dein Rubin,
Fern von niedren Lippen sei!

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.