Die Gärten blühn im frischen Reiz der Jugend

1Die Gärten blühn im frischen Reiz der Jugend
Bulbul hört von der Rosen Freudenkunde.

2O Morgenwind kömmst du zu jungen Wiesen,
Grüß mir Basilikon, Zypress' und Rose.

3Wenn mich des Wirts Knabe süß liebkoset,
So weih' ich meine Wimpern ihm zur Bürste.

4Du, der mit Ambraschlägeln Ballen spielest,
Schlag mich Geschlagenen nicht mehr zurücke.

5Ich fürchte, jene, die der Trinker spotten,
Verlieren ihren Glauben selbst in Schenken.

6Sei Männern Gottes Freund, es ist ein Stäubchen
Im Schiffe Noahs, dem die Flut nicht schadet.

7Was brauchts Paläste die zum Himmel reichen
Für jenen der zuletzt im Staube schlummert?

8O Kanaans Mond! dein ist der Thron Ägyptens,
Zeit ists den finstern Kerker zu verlassen.

9Begehr' kein Brot, verlaß der Erde Gasthof!
Der Erde Wirt ermordet seine Gäste.

10Ich weiß nicht was du willst mit deinen Locken:
Dein Moschushaar auf diese Art verwirrend.

11Hafis trinkt Wein, betrinke dich, sei froh,
Mach nicht zuletzt zum Fallstrick den Koran.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.