Die Wunderkraft, von der ein Frommer spricht

1Die Wunderkraft, von der ein Frommer spricht:
Dies ist die Nacht der Sterne,
Welcher o Herr! hat sie gebracht!

2Wie soll in dieser leichten Reiterschar
Mit Salomo ich reiten,
Ich, dem zum Gaul die Ameis dient.

3Damit die Unverdienten nicht dein Haar
Berühren, schrei'n die Herzen.
Jeglichen Rings o Herr! o Herr!

4Ich bin entseelt vom Grübchen deines Kinns;
Denn tausend Herzen liegen
Unter dem Reife deines Kinnes.

5Den Spiegel meines Ritters hält der Mond,
Die Sonne ist des Hufes
Staub nur von seinem Schlachtenroß.

6Den Widerschein der Wangen schau doch an,
Die Sonne zittert bloß aus
Sehnsucht nach diesem Widerschein.

7Ich will vom Glas und vom Rubin des Freund's
Nicht lassen. Frommer! halt' dies
Glaubensbekenntnis mir zu gut.

8Wo trinkt der Rabe meines Kiels?
Bei Gott! aus seinem Schnabel
Träufet des Lebens Quell hervor.

9Er, der mit seiner Wimpern Pfeil'
Verwundet, gibt Hafisen
Lächelnden Mundes Seelenkraft.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.