Frühe ging ich in Garten hinaus, um Rosen zu…
1Frühe ging ich in Garten hinaus, um Rosen zu pflücken,
Und der Nachtigall Laut tönte mir jählings in's Ohr.
2Ach! die Arme, sie ist wie ich in Rosen verliebet,
Und mit klagendem Lied, weint sie im Hain, auf der Flur.
3Eine Weile ging ich herum auf der Flur, in dem Garten,
Dachte der Rose viel, dachte der Nachtigall nach.
4Rosen lieben die Dornen, und Nachtigallen die Liebe,
Jene wechseln nicht, und diese verändern sich nicht.
5Als der Nachtigall Laut begann auf die Seele zu wirken,
Blieb mir weder Kraft, Mut, noch Vermögen zurück.
6Freilich blühen der Rosen gar viel im Garten der Erde,
Aber wer sie pflückt, fühlet die Schmerzen des Dorns.
7Hoffe, Hafis, nicht Bestand von diesem wechselnden Himmel,
Weil er keinen Wert, tausend Gebrechen nur hat.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.