Es ziemt sich nicht, daß wider mich

1Es ziemt sich nicht, daß wider mich
Du einen Groll hast,
Du, der den langen Freundschaftsbund
Mit mir gemacht hast.

2O hör' genau auf diesen Rath
Denn diese Perle
Ist besser als der Edelstein,
Den du im Schatz hast.

3Um Gotteswillen komm' zu Hülf'
Dem Fleh'n der Trunknen,
Wenn du vom gestrigen Gelag'
Noch Wein im Kopf hast.

4Wie kannst du wohl dem Trunkenen
Die Wangen zeigen,
Du der von Sonne und von Mond
Das Spiegelglas hast?

5O Frommer, fürchtest du dich nicht
Vor meinem Feuer?
Vergaßest du, daß du ein Kleid
Von Wollenstoff hast?

6Das schönste Lied, das ich je sah,
Gehört Hafisen,
Ich schwör' es beim Koran, den du
In deiner Brust hast.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.