Gut ist was auf dem Pfad des Gemüts

1Gut ist was auf dem Pfad des Gemüts
Vor Betrachtenden herzieht,
Auf geradem Weg' hat sich
Noch keiner verirrt.

2Wunderlich ist das Spiel,
Wir wollen den Bauer nur ziehen,
Denn auf diesem Feld
Zieht der Betrunk'ne nicht Schah.

3Kennt ihr das hohe Gewölb
Mit vielen seltnen Gemälden?
Noch hat auf der Welt
Keiner das Rätsel gelöst.

4Freilich begreifet mich nicht
Der außen frömmelnde Klausner;
Ihm verarge ich nichts,
Was er auch über mich sagt.

5Was für Ergebung o Herr,
Und Dulden vergleicht sich mit meinem?
Sieh mir blutet das Herz,
Und es entflieht mir kein Ach!

6Unser Wesir fehlt wider den Stil,
Und die Formen des Diwans
Denn die Formel durch Gott
Fehlet auf seinem Ferman.

7Komme wer will, und jeglicher
Sprech' nach seinem Belieben,
Freundlich und liebreich sind
Pförtner und Hüter des Tors.

8Steht es nicht recht,
So ist an meinem Wüchse der Fehler;
Denn es ist dein Kleid
Keinem der andern zu kurz.

9In die Schenke geht ein
Ihr Reinen von Herzen und Geiste,
Prahler und Gleisner gehört nicht
Auf der Trunkenen Weg.

10Dienen will ich dem Herrn
Der mir beständig gewogen,
Nicht wie der Klausner und Scheich,
Bald mir gewogen, bald nicht.

11Ehrenstellen verschmäht
Hafis aus höherem Sinne:
Gold und Ehre reizt
liebende Herzen nicht viel.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.