Herrscher sind die Sklaven von deinen Narzissen
1Herrscher sind die Sklaven von deinen Narzissen,
Weise sind berauschet von deinen Rubinen,
2Wie der Ostwind gehe vorbei bei den Veilchen,
Sieh, was deine Locken für Unheil gestiftet.
3Dich verriet der Ostwind, mich aber die Tränen,
Niemals bleibt versteckt das Geheimnis der Liebe.
4Deine Rosenwangen besing' ich mitnichten,
Tausend Nachtigallen lobpreisen dieselben.
5Gehst du deine doppelten Locken vorüber,
Sieh die Unbeständigen, welche dran haften.
6Eden ist uns einstens zum Lose bestimmet,
Denn gewiß verdienen die Sünder Erbarmung.
7Geh' zur Schenk' und röte dein Angesicht dorten,
Geh' nicht in die Zelle, dort wohnen die Gleisner.
8Du mein Chiser, sei mir gesegnet und hilf mir;
Denn ich bin zu Fuß, und die anderen reiten.
9Niemals sei Hafis von den Haaren befreiet,
Denn nur deine Sklaven sind Freie zu nennen.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.