Mädchen mit dem Duft der Jasminen

1Mädchen mit dem Duft der Jasminen,
Verscheuchen Gram, wenn sie sich setzen,
Mädchen mit den Feengesichtern,
Verscheuchen Ruh', wenn sie sich heben.

2Siehe mit den Banden des Schmerzes
Verbinden sie das wunde Herz,
Von dem Haar durchwürzet mit Ambra
Verstreuen sie auf dem Wege Seelen.

3Sie verweilen wenig Sekunden,
Sie gehen, sobald sie sich gesetzet.
Steh'n sie auf, so pflanzen sie immer
Den Zweig der Sehnsucht in die Herzen.

4Wenn sie lachen, regnet es Tränen
Vom Auge, Tränen wie Rubinen,
Wenn sie meine Wangen betrachten,
Erspähen sie bald mein Geheimnis.

5Wer da fassen kann die Betrübnis
Der Einsamkeit, kann selbe fassen,
Wer versteht die Farbe der Wangen
Des Morgenfreunds, versteht derselbe.

6Manche, welche Heilung der Liebe
Für leicht, Arznei für nützlich halten,
Bleiben, wenn sie drüber sich setzen
Und auf Arzneien sinnen, stecken.

7Flehende zum Throne des Herren
Beginnen ihr Gebet mit Klagen,
Wenn vor ihrem Thron sich Hafis stellt,
So ist's, daß er geprüfet werde.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.