Heutigen Tags, wenn einen treuen Freund du wünschest

1Heutigen Tags, wenn einen treuen Freund du wünschest,
Nimm den Becher voll Wein und das Schiff des Liedes.

2Geh' du allein, denn einzig ist der Paß der Rettung,
Nimm das Glas, denn es ersetzt nichts den Wert des Lebens.

3Tätigkeit fehlt mir nicht, ich klag' nicht ihren Mangel,
Mancher Weise besitzt Kenntnis ohne Werke.

4Schau' mit Vernunft auf diesen lärmenvollen Durchgang
Alle Größe der Welt wird dir eitel scheinen.

5Auf den Genuß der Wangen hofft' ich einst unendlich,
Doch es schneidet der Tod ab des Lebens Börse.

6Greif um das Haar des Monds, und laß das Sternendeuten,
Von dem Neumonde Glück, vom Saturnus Unglück.

7Unser Hafis kann nüchtern nie gefunden werden,
Denn betrunken ist er kraft des ewigen Loses.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.