Wenn du mir freundlich winkst
1Wenn du mir freundlich winkst,
Nehm' ichs für große Gnade,
Wenn du mich kräftig schiltst,
Bin ich deshalb nicht böse.
2Unmöglich kann ein Blatt
Nach Würden dich beschreiben,
Weil du erhaben bist
Weit über alle Schildrung.
3Das Aug' der Liebe kann
Des Liebchens Antlitz sehen,
Das Bild der Schönen schwebt
Von einem Kaf zum andern.
4Lies einen Vers vom Buch
Des Angesichts des Liebchens,
Er hellt und kläret auf,
Der dunkeln Stellen Zweifel.
5Du steinern Herz, für mich
So spröde wie Zypressen
O wie viel Augen sind
Rundum nach dir gerichtet.
6Dir ward das Paradies,
Du hast nicht deinesgleichen,
Jenseits des Grabes muß
Man deinesgleichen suchen.
7Der Gegner, der im Lied
Sich mit Hafisen misset,
Ist wohl der Schwalbe gleich,
Die sich mit Adlern misset.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.