Ich bins, der die Schenk' ins Kloster verkehrt

1Ich bins, der die Schenk' ins Kloster verkehrt,
Worte des Wirts sind die Morgensegen.

2Tönt die Laute keinem Morgengesang,
Ärgre dich nicht, mein Gesang ist Reue.

3In Moscheen und Schenken ist dein Genuß
Meine Begier; Gott ist Zeuge dessen!

4Lieber will ich sein dein Bettler als Fürst,
Daß du mich quälest, ist mir Ruhm und Ehre.

5Auf der Sonne wohn' ich, seit mein Gesicht
Unter der Tür' meiner Freundin lieget,

6Es zerstör' der Tod mein Lebensgezelt.
Aber ich flieh' nicht vom Tor' des Glückes.

7Ist die Sünde gleich nicht unsere Wahl,
Sage Hafis: Sünde dennoch ist es.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.