Geh zu deinem Geschäft

1Geh zu deinem Geschäft,
O Prediger, lasse das Lärmen,
Mein verirrtes Herz,
Sage, was geht es dich an!

2Jene Mitte des Leibs, die Gott
Aus nichts hat erschaffen,
Ist ein kitzlicher Punkt,
Keinem zu lösen verliehn.

3Nicht acht Himmel bedürfen
In deinem Dorfe die Bettler.
Sklaven deines Haars,
Sind die Gefreiten der Welt.

4Zwar durch den Rausch der Liebe
Bin ich schon gänzlich zerstöret,
Aber mein Dasein blüht
Aus der Zerstörung hervor.

5Jammre nicht Herz, und klage nicht
Über die Härte der Freundin,
Was sie dir zuerkannt,
Alles ist billig und recht.

6Bis ich nicht meinen Wunsch
An ihren Lippen erreiche,
Ist der Rat der Welt
Meinem Gehör wie Wind.

7Gehe Hafis, und lies nicht
Zauberformeln und Wünsche,
Ähnliche Zauberein kennt
Zur Genüge mein Herz.

8Ein Rubin, der nach Blute dürstet,
Sind die Lippen des Freundes,
Sie beschaun und die Seele opfern,
Ist mein Geschäft.

9Wer geseh'n, wie der Freund die Herzen
Raubt, und mich dann noch schmähet,
Schäm' sich hoch vor den Augen, vor den
Wimpern des Freunds.

10Leite Führer des Wegs! mich nicht zu
Diesem Tore hinaus,
Meines Geliebten Wohnort
Liegt an dem Wege.

11Ich bin meiner Bestimmung Sklave,
In der Teurung der Treu'
Zog mich jenes betrunknen Sklaven
Liebe zu sich.

12Die Gewürze der Rose und ihr
Ambra hauchender Kelch
Sind von meinem Gewürzkrämer
Nur ein Geruch.

13Gärtner wehre mir nicht, den Eintritt
In den Hain, wo dem Ost
Seine Rosen entblühen durch Tränen
Wie mein Granat.

14Rosenwasser und Kandel bei des
Freundes Lippen hat mir
Angeschafft die Narzisse als des
Siechenden Arzt.

15Wißt, Hafis hat des Liedes Feinheit
Und den Wohllaut gelernt
Von dem lieblichen, süße Rede
Kosendem Freund.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.