Ich schwöre bei des Wirtes Seele

1Ich schwöre bei des Wirtes Seele,
Beim Gnadenrechte,
Es wohnt kein Wunsch in meinem Kopfe,
Als ihm zu dienen.

2Ich weiß, es sind die Gärten Edens
Kein Ort für Sünder,
Doch bring' nur immer Wein, ich warte
Auf die Erbarmung.

3Die Lampe dieses Wolkenblitzes
Sei stets erhellet,
Sein Wetterstrahl hat eingeschlagen
In meine Scheune.

4Bring' Wein, denn mich belehrte gestern
Des Himmels Bote:
Der Reigen von der Milde Gottes
Sei allumfassend.

5Siehst du vielleicht ein Haupt im Staube
An Schenkenschwellen,
So tritt es nicht, denn seine Absicht
Ist wohl erkennet.

6Sieh mich nicht an mit einem Auge
Voll von Verachtung,
Von der Enthaltsamkeit, vom Trinken
Bin ich nicht Meister.

7Es zeiget zwar noch keine Neigung
Mein Herz zur Reue,
Doch will ich in des Herren Namen
Mich drum bemühen.

8Mein Freund, du gib nicht auf die Hoffnung
Auf Freundes Gnaden,
Denn es verbreiten seine Gnaden
Sich über alle.

9Beständig ist das Kleid Hafisens
Um Wein versetzet,
Vielleicht ist er wohl ganz geformet
Aus Schenkenstaube.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.