Ich und Weinverleugnung
1Ich und Weinverleugnung!
Was das für ein Fabeln ist!
Hoffentlich daß mir doch
Noch Verstand geblieben ist.
2Ich, der lange Zeit durch
Auf der Laute närrisch war,
Soll mich nun belehren!
Was das für ein Fabeln ist!
3Selbst den Weg der Schenke
Kennen wir nicht bis an's End',
Sagt, zu welchem Ende
Frömmigkeit gewesen ist.
4Kommt der Klausner nicht zur Schenke,
So sei's ihm verzieh'n,
Liebe ist ein Zustand,
Dem die Leitung nötig ist.
5Gerne dien' ich ihm, der
Von der Dummheit mich geheilt,
Meinem Wirt, weil, was er
Tut, dem Land zum Besten ist.
6Ich Betrunkner bettle,
Klausner zaubern durch's Gebet,
Wer von beiden ist's, dem
Deine Huld gegeben ist.
7Weil ein Weiser sagte,
Die Betrunkenheit Hafisens
Bringet Stoff zu klagen,
Hatt' ich gestern keinen Schlaf.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.